Zwangspause drückt Stopptaste

Tourismus und Gastronomie brauchen verlässliche Öffnungsperspektiven

12.03.2021 | Stand 18.03.2021, 15:20 Uhr

Foto: Ursula Hildebrand

Keine Rollkoffer hüpfen über das Regensburger Kopfsteinpflaster, Buchungen von Wellnessgästen im Landkreis Cham sind storniert und Reisebusse aus Neumarkt warten vergebens auf ihre Abfahrt. Die Tourismusbetriebe stehen seit insgesamt sechs Monaten still, ihre Betten und Gasträume bleiben weitestgehend leer.

Von IHK Regensburg/Pressemitteilung

Regensburg. Über die aktuelle Lage und Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen diskutierten die Mitglieder des IHK-Tourismusausschusses bei dessen virtueller Sitzung am Dienstag, 9. März, mit der Landtagsabgeordneten Annette Karl und den Bundestagsabgeordneten Peter Aumer und Karl Holmeier. „Für viele sind die Schließungen nicht nachvollziehbar, hat das RKI das Infektionsrisiko in der Hotellerie doch als niedrig eingestuft. Dennoch sind wir die ersten, die daran glauben müssen“, bedauerte Ausschussvorsitzender Ulrich N. Brandl.

41 Prozent der Tourismusbetriebe meldeten bei der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn schlechte Liquidität. Die Hilfsprogramme des Staates kämen oftmals verspätet oder zum Teil gar nicht bei den betroffenen Betrieben an. „Es braucht passgenaue Hilfen, die schnell und unbürokratisch beantragt und ausbezahlt werden können“, sagte Brandl. Ein weiterer wichtiger Punkt sei zudem die Neuregelung der Fixkostenförderung bei Miet- und Pachtverhältnissen. „Wir können uns aus dieser Krise nicht heraussparen, sondern müssen uns herausarbeiten“, stimmte auch Karl zu. Ein Härtefallfonds für besondere Fälle sei in Planung, bestätigte Holmeier.

Doch Unternehmen funktionierten nicht auf Grundlage von Kostenausgleichen. „Nur wenn wir Gewinn machen, bleiben wir gesund und Insolvenzen können verhindert werden“, unterstrich Brandl. Die Branche brauche eine verlässliche Öffnungsperspektive. Ein ständiges Schließen und Öffnen ist für die Betriebe nicht umsetzbar. „Wir benötigen Vorlaufzeiten, um Angebote zu schreiben, Gäste zu kontaktieren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen“, erklärte Ausschussmitglied Andreas Brunner. Dazu komme, dass die Ausbildung nicht im gewohnten Betriebsablauf durchgeführt werden kann und viele Angestellte verunsichert in andere Branchen abwandern. Auch die Gäste benötigten eine Planungsperspektive und ohne konkrete Öffnungsszenarien bleibe die Buchungslage mehr als angespannt. „Es braucht klare Eckwerte zum Re-Start, die mehr individuelle Betrachtungen zulassen, beispielsweise eine Differenzierung zwischen Indoor- und Outdooraktivitäten“, fasste Brandl zusammen.

Die touristischen Betriebe haben in aufwändige Hygienekonzepte investiert. Das anhaltende Vertrösten und die reine Abhängigkeit von tagesaktuellen Inzidenzwerten, stellen sie vor eine geschäftsschädigende Planungsunsicherheit. Die reine Inzidenzbetrachtung müsse sich hin zur Berücksichtigung mehrerer Parameter bewegen, so der Konsens. Man müsse in den Maßnahmen schneller und zielgenauer werden, sagte Holmeier. Doch dabei spiele auch immer die Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten eine Rolle. „Zusätzlich zu den Hygienekonzepten gibt es einsatzfähige Systeme, um die Kontaktverfolgung und Abstandsregeln einzuhalten“, betonte die stellvertretende Ausschussvorsitzende Kathrin Fuchshuber. Die Tourismusbranche könne ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden, wenn man sie lasse.

Aumer versicherte, die Anliegen der Unternehmen in Berlin zu vertreten, „doch wir machen uns auch Gedanken, was vor Ort in der Region getan werden muss, um Impulse für veränderte Angebote während und nach der Pandemie zu setzen“. Eine Chance sehe er in der Digitalisierung und daraus entstehenden neuen Geschäftskonzepten. „Die Lenkung von Besucherströmen beispielsweise ist nicht nur in der aktuellen Situation ein Mehrwert digitaler Angebote, dafür ist der weitere Ausbau der Infrastruktur auch jenseits der Städte sehr dringlich“, fügte Karl hinzu.