Regensburg/Passau

Studie zu Corona-Gurgeltests: Mehr Schulen beteiligen sich

27.04.2021 | Stand 27.04.2021, 8:47 Uhr

−Symbolbild: Adam

Hunderte Schüler in Bayern gurgeln regelmäßig mit Leitungswasser, um sich auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. Immer mehr Schulen beteiligen sich an der Studie.



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Corona-Tests zum Gurgeln sollen in Schulen möglichst bald die Tests mit Stäbchen ersetzen - darauf setzen die Verantwortlichen der Studie Wicovir. Die Abkürzung steht für „Wo ist das Coronavirus“. An der Studie beteiligen sich seit März immer mehr Schulen in Bayern. Die Test brächten bei geringerem Aufwand ein schnelleres Ergebnis als die Stäbchentests, sagt Studienleiter Michael Kabesch, ärztlicher Direktor an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg.







Zweimal wöchentlich müssen sich die teilnehmenden Schulklassen testen. Das heißt: Morgens nach dem Aufstehen Leitungswasser gurgeln, die Flüssigkeit in zwei Röhrchen füllen, fertig. In der Schule schütten sie den Inhalt eines der beiden Röhrchen in einen „Pool“. Die gesammelte Flüssigkeit der Gruppe wird getestet. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Corona-Infektion ergeben, müssen die Kinder und Jugendlichen ihr zweites Röhrchen für Einzeltests abgeben, so dass der oder die infektiösen Schüler herausgefiltert werden können - das Ergebnis gibt es am selben Tag.



Tests ungefährlich und einfach zu machen



Der Test sei ungefährlich und auch für Schüler in unteren Jahrgangsstufen einfach zu machen, sagt Kabesch. „Das tut nicht weh und ist nicht schlimmer als Zähneputzen.“ Infizierte Kinder würden in einer sehr frühen Infektionsphase erkannt, noch ehe sie Mitschüler anstecken können.

Schulen in knapp 20 Landkreisen und kreisfreie Städte beteiligen sich bereits an dem Projekt, das zunächst bis zum Ende des Schuljahres angelegt ist. Kabesch hofft aber, dass schon früher flächendeckend in Schulen gegurgelt werden kann. Die Laborkapazitäten für die Durchführung der Tests würden zurzeit ausgebaut.

Der Studienleiter sieht Eile geboten: „Wir müssen endlich in die Pötte kommen. Wir haben Druck. Kinder werden noch nicht geimpft.“ Und sie sollen nicht immer wieder in den Distanzunterricht gehen müssen.

Im Falle eines positiven Tests wird das Gesundheitsamt informiert und das infizierte Kind nach Hause geschickt. Weil die Tests in einem sehr frühen Stadium positiv anzeigten, müsse nicht zwangsläufig die gesamte Klasse in Quarantäne, so Kabesch. Hier könnten die Behörden präzise auf die jeweiligen Fälle eingehen. Im Schnitt wird der Studie nach bei 1 von 150 „Pools“ ein positives Ergebnis festgestellt.



Seit Ende der Osterferien: Zwei Tests pro Woche verpflichtend



Seit dem Ende der Osterferien sind für alle Schüler in Bayern, die sich in den Schulgebäuden aufhalten, wöchentlich mindestens zwei Tests verpflichtend. Für die Gurgeltests können die Schulen Ausnahmegenehmigungen der Kreisverwaltungsbehörden und der Bezirksregierungen bekommen. Die Testpflicht sieht vor, dass die Tests in der Schule vorgenommen werden müssen, was bei den Gurgeltests nicht der Fall ist.

Kabesch zufolge bedeutet das einen enormen Verwaltungsaufwand dafür, dass sie „den Rolls Royce unter den Testungen, nämlich die PCR-Pool-Testung, begleiten mit dem Fahrrad, der Antigen-Testung“. Tests von Gruppen, die nun sowohl Gurgel- wie auch Stäbchentests machen, zeigten, dass die Gurgeltests bereits anschlagen, wenn die Stäbchentests noch negativ anzeigen.

Die Studie findet mit Unterstützung des Gesundheits- und Kultusministeriums statt. Federführend umgesetzt wird sie von Kabesch und dessen Team in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Erlangen und Wien. Die Studie findet den Angaben nach anonymisiert statt. Die Proben, die in die Labors gehen, sind lediglich nummeriert. Die Namen dazu liegen nur den jeweiligen Schulen vor.

− dpa