Nur noch Isar 2

In der Silvesternacht: Bayerns vorletzter Atommeiler ist vom Netz

01.01.2021 | Stand 01.01.2021, 8:20 Uhr

Aus dem Kühlturm des Kernkraftwerks steigt Dampf auf. Bayerns vorletzter Atommeiler ist vom Netz gegangen. −Foto: Stefan Puchner/dpa

Ende einer Ära nach mehr als einem halben Jahrhundert: Das Kernkraftwerk im schwäbischen Gundremmingen hat im Rahmen des Atomausstiegs am Silvesterabend seinen Betrieb eingestellt.



Um 20 Uhr trennte die Schichtmannschaft den Generator von Block C des Kraftwerkes bei Günzburg vom Stromnetz, wie der Energiekonzern RWE mitteilte. Kurz darauf schaltete das Team den Reaktor endgültig ab.

Die Betriebsgenehmigung für den Block C endete um kurz vor Mitternacht. Auch die Meiler Brokdorf und Grohnde in Norddeutschland dürfen nach dem Atomausstiegsfahrplan im kommenden Jahr nicht mehr produzieren und werden stillgelegt.

„Mit der Abschaltung des letzten Siedewasserreaktors in Deutschland wurde am Standort Gundremmingen eine Ära beendet“, erklärte Nikolaus Valerius, Kernenergievorstand von RWE Power.

Ende 2022 muss Isar 2 in der Nähe von Landshut vom Netz gehen

Als letztes bayerisches Atomkraftwerk muss Ende 2022 Isar 2 in der Nähe von Landshut vom Netz gehen. Neben dem Meiler in Niederbayern haben noch zwei andere Kernkraftwerke in Deutschland eine zwölfmonatige Gnadenfrist: Die Reaktoren Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg müssen ebenfalls Ende Dezember 2022 abgeschaltet werden.

Der Blöcke B und C in Gundremmingen waren 1984 fertiggestellt worden und dann binnen weniger Monate kurz nacheinander in Betrieb gegangen. Zuvor war dort der bereits 1966 fertiggestellte Block A im Jahr 1977 nach einem schweren Störfall abgeschaltet worden. Mit dem ersten Meiler in der schwäbischen Gemeinde begann einst die industrielle Atomstromproduktion in der Bundesrepublik.

Milliardenschwerer Rückbau

Das Kraftwerk mit seinen weithin sichtbaren zwei Kühltürmen wird aber auch nach der Abschaltung noch lange Gundremmingen prägen. Der milliardenschwere Rückbau wird nach Schätzungen mindestens noch 15 Jahre dauern. Die Belegschaft des Kraftwerks soll deswegen auch nur von 540 auf 440 Beschäftigte verkleinert werden. Die etwa 100 anderen Jobs werden nach Angaben des Unternehmens sozialverträglich durch Ruhestand von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen oder die Nichtbesetzung offener Stellen abgebaut.

Betreiber RWE kann sich vorstellen, künftig den Standort für ein Gaskraftwerk zu nutzen. Solch ein Kraftwerk würde dann auch für den späteren Betrieb mit Wasserstoff ausgelegt. Dann könnte die Anlage „langfristig im Sinne der Klimaneutralität eingesetzt werden“, hatte ein Sprecher erklärt. Er betonte allerdings, dass es noch keine Entscheidung für ein neues Gaskraftwerk in Gundremmingen gibt.

− dpa