Gespräch mit Krankenhäusern und Hebamme

Geburtenplus in Landshut: Nutzten Paare die Corona-Zeit?

08.08.2021 | Stand 08.08.2021, 15:17 Uhr

Babys und die Pandemie: Wie hängt das zusammen? −Foto: Tatyana Tomsickova/123rf.com

Von Veronika Bayer

Nutzten Paare während Corona die Zeit zu zweit kuschelig – oder sorgten die Ausgangssperren eher für Unsicherheit in Bezug auf die Familienplanung?

Erste Auswertungen des Bayerischen Landesamts für Statistik (LfStat) ergaben für Bayern: Die Zahlen deuten auf einen Anstieg der Geburten hin. Regionalisierte Zahlen ließen auf Nachfrage die Krankenhäuser der Stadt und des Landkreises zukommen. Außerdem schildert Meike Baumgartner, Hebamme aus Landshut, ihre Eindrücke.

Fraglicher Zeitraum beginnt ab Dezember 2020, also neun Monate nach Beginn des ersten Lockdowns im März. Darüber hinaus haben die Experten des LfStat auch die Monate Januar, Februar und März 2021 vorläufig ausgewertet. Nach bisherigem Datenstand, so teilt das LfStat mit, sind zwischen jenem Dezember und Februar im Freistaat 31.023 Kinder zur Welt gekommen: 4,4 Prozent mehr, als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs.

7,8 Prozent mehr Geburten im März im Vergleich zum Vorjahr

Noch deutlicher werden die Unterschiede bei einer Betrachtung der einzelnen Monate: 2,7 Prozent mehr geborene Babys sind es im Dezember, 3,7 Prozent mehr im Januar und im Februar sogar 7 Prozent mehr. Im März sind sogar 7,8 Prozent mehr Geburten verzeichnet worden als im Vorjahresmonat. Das Jahr 2021 hatte damit für den Monat März laut LfStat „die höchste jährliche Zuwachsrate der letzten zehn Jahre“.

Zwar sei, führt das LfStat aus, auch vorher ein leichter Anstieg zu beobachten gewesen. Der beliefe sich aber durchschnittlich auf etwa 0,6 Prozent pro Jahr. Inwiefern die deutlich erhöhten Geburtenzahlen tatsächlich in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen, soll nun näher untersucht werden, so das Bayerische Landesamt für Statistik.

Für die Region lässt sich anhand der GENESIS-Tabellen des LfStat sagen: Das Vorjahr ist schwer zu toppen. Sowohl im Landkreis (1.621) als auch in der Stadt Landshut (766) war 2020 je das Jahr mit den meisten Babys der vergangenen sechs Jahre.

Deutlich mehr Geburten in Kliniken in der Region

Dennoch gab es am Klinikum Landshut zwischen Dezember und Februar mit 188 Geburten deutlich mehr Familien zu beglückwünschen als im Vorjahreszeitraum (151).

Auch die LAKUMED-Kliniken teilen auf Anfrage mit, dass zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 insgesamt 646 Kinder in Landshut-Achdorf und Vilsbiburg zur Welt kamen. Das entspreche einer Veränderung von plus 11 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Alleine die Veränderung in der Geburtshilfe am Krankenhaus Vilsbiburg zeichnet sich mit plus 81 Prozent ab. Hierzu sei allerdings anzumerken, so Daniela Lohmayer von den LAKUMED-Kliniken, dass die Geburtshilfe am Krankenhaus Vilsbiburg ihre Zahlen seit 2019 kontinuierlich steigere und dies nicht nur auf Corona, sondern vielmehr auf das starke Hebammen-Team zurückzuführen sei. „Außerdem entbinden in Vilsbiburg auch immer mehr Frauen, die nicht aus dem eigentlichen Einzugsbereich der Klinik, also nicht zwingend nur aus dem Landkreis Landshut kommen“, erklärt Lohmayer.

Zu wenig Hebammen

Auch bei den Hebammen hat man den Anstieg an Babys bemerkt: „Ich hatte das Gefühl, dass es Anfang des Jahres etwas mehr Geburten gab“, so Meike Baumgartner von der Hebammerei Landshut. Sie habe „auf jeden Fall viele Anfragen“ gehabt. Dennoch denke sie, dass viel Zuzug stattfinde und das ebenfalls mit steigenden Geburtenzahlen einhergehen könne.

Generell gäbe es im Landshuter Raum zu wenig Hebammen. „Manche Frauen bekommen keinen Betreuungsplatz mehr. Deshalb melden sich viele schon sehr früh, teilweise in der 6. oder 7. Woche. Gerade für Hausgeburten gibt es nicht so viele Hebammen. Wir empfehlen, vor der 12. Schwangerschaftswoche zu suchen“, so Baumgartner, die seit acht Jahren Hebamme ist.

Noch einen Aspekt an Familienplanung und Pandemie gibt es, der eigentlich konträr zu den verhältnismäßig hohen Geburtenzahlen steht: die strengen Corona-Hygieneregeln. „Sie sind für viele Familien belastend, da die Väter bei vielen Sachen ausgeschlossen werden“, schildert Baumgartner. Mütter seien oft allein in belastenden Situationen. „Als Resultat wollen viele schnell heim nach der Geburt, ambulante Geburten sind mehr geworden bei mir. Am Anfang der Corona-Zeit gab es auch mal eine Welle von Frauen, die plötzlich eine Hausgeburt machen wollten, um nicht in die Klinik zu müssen“, sagt die Landshuter Hebamme. Auch sie selbst habe Sorgen gehabt: sich anzustecken oder in Quarantäne zu müssen. „Für die Hebammen ist die Situation auch nicht leicht“, sagt Meike Baumgartner.

Babytreffs nun auch in den Sommerferien

Auch Susanne Sellmeier vom MÜZE-Landshut Familienzentrum erklärt auf Nachfrage, sie habe den Eindruck, dass es belastend für junge Familien sei. Das Familienzentrum sei in der Regel telefonisch oder per Mail erreichbar, Babytreffs würden wegen der langen Schließung nun auch in den Sommerferien weiter stattfinden.