Debatte in der Pandemie

Warum eine Pflegerin aus Landshut die Corona-Impfung ablehnt

05.06.2021 | Stand 05.06.2021, 21:11 Uhr

Pauline Hampel (24) arbeitet in einem Wohnheim in Landshut – und möchte sich aktuell nicht impfen lassen. −Fotos: privat

Während andere noch sehnsüchtig auf einen Impftermin warten, hat Pauline Hampel den Impfstoff schon mehrmals abgelehnt. Sie wünscht sich eine neutrale Debatte über den Corona-Impfstoff.

Sie gehörten zu den ersten, die sich gegen Corona hätten impfen lassen dürfen. Doch viele Menschen, die in der Pflege tätig sind, verzichteten; sie gingen auf das Angebot nicht ein. Warum? Wir haben mit jemandem gesprochen, der Nein sagt: Pauline Hampel (24) arbeitet als Heilerziehungspflegerin und stellvertretende Einrichtungsleitung in einem großen Wohnheim der Lebenshilfe Landshut.

Schon seit 2012 ist die junge Frau dort tätig, Ausnahme: nur die Babypause für ihre Tochter (5). Trotz Schichtdienst und großer Verantwortung ihr absoluter Traumjob: „Ich würde nichts anderes arbeiten wollen“, so Pauline Hampel.

Das Thema Impfen kennt die Landshuterin gut: „Als Mutter macht man sich viel Sorgen um sein Kind. Damals ging mir das Thema in Verbindung mit meiner Tochter schon sehr nah.“

Überraschung und Überforderung

Von den 47 Mitarbeitenden des Wohnheims seien im April etwa 25 geimpft, sagt sie. Es ist Pauline Hampel wichtig, zu betonen, dass es nicht am Angebot mangle: „Wir werden immer wieder gefragt, auch nachträglich.“ Aber: „Der Rest wird wohl weiter nicht wollen.“ Warum nicht?

Schwierig, sagt die stellvertretende Einrichtungsleitung. Die Impfung sei „sehr schnell, über Nacht“ da gewesen. Für viele überraschend und damit auch zu plötzlich. Nicht nur Corona wäre überstürzt gekommen – auch die ständig wechselnden, sehr anspruchsvollen Vorgaben fordern den Pflegenden einiges ab. Es sei zum Beispiel sehr schwierig, die Hygieneregeln Menschen mit Behinderung verständlich zu machen. Auch dass ihnen die Mimik unter der Maske fehle, merke man ihnen inzwischen an.

„In meinem Kollegium gab es von Anfang an viele, die Angst hatten“, so Pauline Hampel. Was könne passieren, wenn man sich impfen lasse? „Auch Angst davor, den Job zu verlieren: Was ist, wenn ich mich nicht impfen lasse? Es ist die Angst davor, dass jemand anderes über einen entscheiden könnte. Dieses Individuelle, das einen Menschen ausmacht, zu verlieren. Von der Gesellschaft wird einem immer kommuniziert: Du bist frei, du darfst dein Leben so gestalten, wie du möchtest. Dann plötzlich so etwas – als stünde das Versprechen, auf dem wir alle unsere Leben aufbauen, unter Vorbehalt. Es sind individuelle, persönliche Gründe. Ich persönlich glaube, die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, ist sowas wie ein Schutzmechanismus.“

Wichtig, dass die Diskussion neutral bleibt

Sie führt aus: „Es geht um die individuelle Erfahrung: Jemand, der schlechte gemacht hat, der muss entscheiden: ,Vor was hat man mehr Angst, vor der Corona-Infektion oder vor der Impfung?’, war zum Beispiel eine Aussage, die kam.“

Viel sei darüber im Kollegium gesprochen worden. Der Austausch zwischen Befürwortern und Ablehnenden finde regelmäßig statt. Aber vorher sei es besser gewesen, als nachher, so Pauline Hampel: „Die Akzeptanz, die ich anderen Meinungen entgegen bringe, würde ich mir im Gegenzug auch wünschen. Ich weiß sehr zu schätzen, dass anfangs kein Druck aufgebaut wurde. Diese Neutralität wünsche ich mir zurück.“

Einige Aussagen seien später sehr plump und unfair gewesen. Es gehe darum, „eine persönliche Entscheidung zu treffen, ohne zugleich die des Anderen in Frage zu stellen“.

Impfpflicht? – Wäre „ein Schock“

Eine Pflicht, sich als Pflegende impfen lassen zu müssen, würde für viele „ein Schock“ sein, so die 24-Jährige. „Einige würden gehen, obwohl es ihnen das Herz bräche, die Arbeit aufzugeben.“ Pauline Hampel glaubt persönlich: „Es sollte darüber gesprochen werden, was für Möglichkeiten es noch gibt. Was ist, wenn jedem ein Angebot gemacht wurde und am Ende einfach klar wird: Es wollen nicht mehr?“

− pnp