Landshut

LINK-Gründerzentrum: Erfolgsschmiede für regionale Wirtschaft

05.09.2021 | Stand 05.09.2021, 16:02 Uhr

Am LINK-Gründerzentrum unterstützt Netzwerk-Manager Sebastian Öllerer (v.r.) Julian Hohenagel, Rohit Bhosale und Alexander Hägler von autogramm.io. Mit Regina Oßner hat das junge Start-Up schon ihre erste Mitarbeiterin angestellt. −Foto: Corinna Mühlehner

Von Corinna Mühlehner

Mit dem Start-Up autogramm.io kann das LINK-Gründerzentrum in Landshut bereits mit dem dritten Team aufwarten, das einen staatlichen Zuschuss bekommt.

Ob Handy, Arbeit oder Wohnung, wenn ein neuer Vertrag unterschrieben werden muss, folgt der zeitaufwändige Gang zur Post oder ein umständlicher Etappenlauf: Dokument ausdrucken, unterschreiben, einscannen und per E-Mail wieder zurückschicken. Diesem umständlichen Prozess wollen die drei Gründer von autogramm.io ein Ende setzen. Für ihre Idee haben Alexander Hägler (27), Julian Hohenagel (26) und Rohit Bhosale (43) sogar eine Förderung vom Freistaat erhalten. Sie sind aber nicht die einzigen erfolgreichen Jungunternehmer aus der Schmiede des Landshuter Innovations- und Kreativzentrum, kurz: LINK.

LINK als einer von fünf Standorten in Niederbayern

Bis zu 36.000 Euro bekommen Start-Ups beim bayerischen Programm „Start?Zuschuss!“ für die Anlaufkosten bei der Gründung. Nur 20 Jungunternehmer in ganz Bayern werden pro Runde bedacht – autogramm.io ist eines davon. Aber nicht das erste aus dem LINK. Das Gründerzentrum ist erst seit Juli 2020 in Betrieb, hat aber schon drei Start-Ups zu einer Förderung verholfen.

Das LINK in Landshut ist eines von 19 digitalen Gründerzentren an 28 Standorten in ganz Bayern. Außer Landshut gibt es in Niederbayern mit Passau, Deggendorf, Pfarrkirchen und Freyung-Grafenau noch vier weitere Einrichtungen, die Teil einer bayernweiten Struktur sind, um Gründungen mit digitalem Geschäftsmodell zu unterstützen. Betreut werden sie vom Start-Up-Netzwerk BayStartUP.

Kontakte sind für Start-Up wichtig

Ein Start-Up, erklärt Alexander Hägler von autogramm.io, biete oft sehr nischenbezogene Produkte an. „Man bringt also eine spezifische Lösung für ein spezifisches Problem.“ Die Unternehmen seien in der Regel sehr jung und auf Wachstum aufgebaut. Entsprechend wichtig sind dabei Kontakte – und da kommt das LINK-Gründerzentrum ins Spiel.

„Wir waren auf Suche nach Büroräume“, erzählt Alexander Hägler. Solche biete das LINK zu attraktiven Konditionen, dazu können Besprechungsraum und Event-Bereich genutzt werden. „Dann haben wir aber festgestellt: Es geht beim LINK um viel mehr.“ Beratung in Bezug auf Förderungen zum Beispiel oder Kontakte zu Sponsoren. Gerade letzteres war für autogramm.io ein großer Faktor, sagt Mitgründer Rohit Bhosale.

Das Start-Up haben die drei Männer im April gegründet. Am LINK sind sie schon seit November. Dort arbeiten sie an einer Software, die es ermöglicht, Dokumente künftig ganz bequem auf dem Handy zu unterschreiben – und zwar rechtsgültig.

„Der Netzwerkeffekt ist gigantisch“

„Wir wissen, dass wir nicht die einzige Signaturlösung auf dem Markt sind“, sagt Alexander Hägler. Dennoch hätte auch autogramm.io seine eigenen Vorteile. Eine App oder Anmeldung sei nicht nötig. Stattdessen bekomme man per SMS oder auch WhatsApp einen Link mit dem Dokument zugeschickt. „Das ist über einen Code gesichert, den jeweils nur die Gegenseite kennt“, erklärt der 27-Jährige.

Autogramm.io ist eines von aktuell neun Teams im Gründerzentrum. Der Austausch untereinander ist ein großer Pluspunkt am LINK, wie Alexander Hägler bestätigt: „Man kämpft oft mit ähnlichen Problemen und tauscht sich aus.“ Auch Rohit Bhosale findet das hilfreich: „Ein anderes Start-Up hier im Haus hat uns zum Beispiel gegenüber seinen Kunden empfohlen. Der Netzwerkeffekt ist gigantisch.“

Da kommt Sebastian Öllerer ins Spiel. Er ist Netzwerk-Manager am LINK. „Mein Job ist, die richtigen Leute zusammenzubringen.“ Ziel der Gründerzentren sei es, dass Bayern bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verliert. „Die Start-Ups sollen außerdem mit der regionalen Wirtschaft verknüpft werden“, erklärt Sebastian Öllerer. „Und auch mit der Gesellschaft, um zu zeigen, dass Digitalisierung nicht beißt und Vorteile haben kann.“

„Wir wollen jeden kennen, der eine Idee hat“

Wer Mieter im Gründerzentrum werden will, muss ein innovatives, digitales Geschäftsmodell haben, das die Chance hat, nachhaltig am Markt zu bestehen und skalierbar ist. „Heißt: Das Unternehmen muss nicht personell im gleichen Maß wachsen, wie sie Kunden gewinnen“, erklärt Öllerer.

Das schließe im Prinzip alle Arten von Dienstleistern aus. „Wir schicken aber keinen weg, sondern wir wollen jeden kennen, der eine Idee hat. Wenn er bei uns nicht an der richtigen Stelle ist, schicken wir ihn an die entsprechende weiter.“

Schon die erste Mitarbeiterin eingestellt

Die Trägerschaft für das LINK hat der gleichnamige Verein über, den vorrangig die Stadt und der Landkreis Landshut mit der Hochschule gegründet haben. Die Zusammenarbeit mit letzterer ist beim LINK sehr eng. „Wir wollen, dass es Gründungen aus der Wissenschaft gibt. Die bekommen bei uns dann auch ein Büro“, sagt Öllerer.

Als „Erfolgsmodell“ bezeichnet der Netzwerk-Manager das LINK-Gründerzentrum nicht nur wegen der drei vom Staat geförderten Teams aus dem Haus. LINK-Start-Ups belegten im vergangenen Jahr etwa auch den 1. und 3. Platz beim Landshuter Gründerpreis. Erfolg, den haben auch die Gründer von autogramm.io. Den ersten Kunden aus der Tourismusbranche konnten sie bereits gewinnen, jetzt suchen sie nach weiteren Pilotprojekten.

„Wir hoffen, dass wir das erste im Oktober mit einer Bank in den USA starten können“, erklärt Rohit Bhosale, der unter anderem in Boston studiert und in Japan und Singapur gearbeitet hat. „Die sehen unser Potential, nehmen ein wenig Risiko und helfen uns, unser Angebot zu verbessern.“ Hilfe bekommen sie auch in der Softwareentwicklung: Seit kurzem unterstützt Programmiererin Regina Oßner das Team. Sie ist die erste Mitarbeiterin des Jungunternehmens und ein wichtiger Faktor für die Gründer. Denn ein Start-Up soll ja in der Regel eins: wachsen.