Landshut

Hauptsache der Fotograf ist dabei: Paare trauen sich auch trotz Corona

27.08.2021 | Stand 27.08.2021, 12:52 Uhr

Die Kleiderstangen in Barbara Fischers Brautmodengeschäft hängen voll mit schönen Kleidern für die perfekte Hochzeit. Wegen möglicher Verschärfungen in Sachen Corona-Einschränkungen sind die Kundinnen für den anstehenden Herbst aber schon wieder vorsichtiger geworden. −Foto: privat

Von Corinna Mühlehner

In der Stadt Landshut gab es 2020 kaum weniger Hochzeiten als vor Corona. Dabei kam es auch zu einigen skurrilen Situation – und manch traurigen.

Unter ständig wechselnden Corona-Bestimmungen haben seit Beginn der Pandemie viele Menschen gelitten. Besonders undurchsichtig wurde es für Brautpaare: Mal durfte die Trauung gemeinsam mit Freunden und Verwandten stattfinden, dann wieder nicht. Doch auch mit eingeschränkter Gästezahl war für viele klar: entweder ganz oder gar nicht. Keine Überraschung also, dass 2020 in Bayern knapp elf Prozent weniger Hochzeiten stattfanden. Ein Trend, dem sich die Stadt Landshut nicht anschließt. Dort wurde genauso viel geheiratet wie 2019 − aber mit Verzögerung.



61.138 Paare haben sich in Bayern 2020 das Ja-Wort gegeben, das waren 7363 (10,7 Prozent) weniger als im Vorjahr. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik ist das die niedrigste Zahl seit 2013 (59.623). In der Stadt Landshut haben sich die Paare von der Corona-Pandemie nicht beirren lassen. „Wir haben 2020 nur acht Trauungen weniger gehabt“, erklärt Rupert Stopfer, stellvertretender Standesbeamter der Stadt, auf Nachfrage des Wochenblatts. „Die Spannbreite haben wir aber immer.“

2020 gab es in der Stadt Landshut 366 Eheschließungen. Mit 374 im Vorjahr und 370 im Jahr 2018 liegt das „Corona-Jahr“ nicht weit dahinter. Rupert Stopfer konkretisiert: „Im Frühjahr 2020 hatten wir schon um die 25 Absagen wegen des Lockdowns. Aber bis zum Herbst haben die Trauungen dann wieder zugenommen.“ Natürlich habe es auch Paare gegeben, die ihren besonderen Tag komplett verschoben hätten. „Manche sind auch woanders hingegangen, weil die Gemeinden schneller wieder aufgemacht haben als wir“, so Rupert Stopfer. Dafür habe die Stadt 2020 aber einen zusätzlichen Samstag zum Heiraten angeboten, der sehr gut angenommen worden sei.

„Fotograf oft wichtiger als die Verwandten“

In Bayern ist laut Statistikamt der Schnapszahltag 10.10.2020 besonders beliebt gewesen: Mit 1955 Trauungen wurde hier der Tagesrekord aufgestellt. Aber auch in diesem Punkt sind die Landshuter unabhängig. „Den großen Run auf die Schnapszahlen haben wir in Landshut ganz selten“, so die Erfahrung von Rupert Stopfer. Tatsächlich sei es gar nicht unüblich, dass Paare standesamtlich nur mit Trauzeugen heiraten, auch wenn mehr Gäste erlaubt wären. „Da ist der Fotograf oft wichtiger als die Verwandten“, bemerkte der stellvertretende Standesbeamte.

Generell habe es in der Corona-Pandemie viele Paare gegeben, die standesamtlich geheiratet haben, die kirchliche Hochzeit aber verschoben. Heuer wisse man noch nicht, ob man die Absagen wieder reinholen kann, so Rupert Stopfer. Aktuell seien die Kalender aber voll. Das kann auch Barbara Fischer von Fischer Moden in der Zweibrückenstraße in Landshut bestätigen. Seit Juni sei das Geschäft nach monatelanger Schließung wieder angelaufen. Auf die Frage nach der Zeit davor gibt es aber eine deutliche Antwort: „Grauenhaft. Wir hatten komplett zu und damit auch null Umsatz“, erzählt die Inhaberin.

Die staatlichen Hilfen hätten nicht einmal die kompletten betrieblichen Kosten abgedeckt. Auch wenn Barbara Fischer jetzt wieder geöffnet hat, steht sie allein im Laden, denn ihre Mitarbeiterinnen sind quasi überflüssig geworden. Denn viele Kunden habe sie auch verloren, weil in Landshut erst später als in anderen Städten geöffnet werden durfte. „Dann sind sie halt woanders hingegangen“, so die Geschäftsinhaberin.

Als auch in Landshut aufgemacht werden durfte, sei der Andrang überschaubar gewesen. „Die Leute haben wie irre Kleidung gekauft, die man sofort anziehen kann“, erinnert sich Barbara Fischer. „Aber bei uns war anfangs absolut tote Hose.“ Denn wer Braut- und Abendmode verkauft, hänge an der Eventbranche. „Und ich kaufe ja keine Eventkleidung, wenn nix los ist.“

„Wir heiraten in drei Wochen – es geht gerade!“

Juni und Juli seien dann doch einigermaßen gut gelaufen, viele hätten sich spontan gemeldet. „Da hieß es, wir heiraten in drei Wochen, weil jetzt geht‘s gerade“, erzählt Barbara Fischer. Auch viele Umstandsbrautkleider seien verkauft worden und solche in einem kleineren Preissegment. „Viele wollten eher ein schlichtes Kleid, weil sie es in der aktuellen Lage einfach klein und unkompliziert halten oder nur standesamtlich heiraten.“

„Gigahochzeiten“, wie Barbara Fischer es nennt, fehlten dagegen komplett. „Manche sagen halt, sie holen die pompöse Feier mit 150 Gästen dann in drei Jahren nach.“ Doch Barbara Fischer kennt auch Schicksale, bei denen eine Feier gar nicht mehr stattfindet. „Ich habe hier bezahlte Brautkleider hängen, die keiner abholt, weil sich das Paar getrennt hat. Da kam es zum Streit, auch konkret wegen der komplizierten Hochzeitsplanungen durch Corona“, weiß sie.

Mittlerweile sei der Andrang wieder abgeflaut. Für die Trauungen im August seien die Kunden bereits versorgt. Vom Umsatz von 2019 sei man „noch Meilen weg“. Dem Herbst blickt Barbara Fischer mit Sorge entgegen: „Für September, Oktober trauen sich schon viele wieder nicht, weil man nicht weiß, ob Hochzeiten da überhaupt noch erlaubt sind“, schildert Fischer. Sie verstehe die Gefühle ihrer Kunden, weiß aber auch: „Da hängt viel dran.“ Und so kann sich auch Barbara Fischer nur überraschen lassen, ob sie ihr Geschäft im Herbst wieder schließen muss.