Leerer Umschlag statt Geschenk

Die Post lässt 100 Euro aus Kuvert verschwinden

15.04.2021 | Stand 15.04.2021, 13:27 Uhr

Die Postbank-Filiale am Dreifaltigkeitsplatz: Hier hatte Johann L. den Brief aufgegeben. Foto: tg

Geburtstags-Geschenk per Post kommt nicht in Rom an, nur der Brief: „Wir

fühlen uns abgezockt“, sagt der geschädigte Landshuter.

Von Tobias Grießer

Landshut. Diesen Weg zur Post hätte sich Johann L. wirklich schenken können. Dann hätte er sich einiges gespart: Zeit. Nerven. Ärger. Und stolze 100 Euro. Auch ein halbes Jahr später schwillt dem Wochenblatt-Leser der Kamm, wenn er an den 10. September vergangenen Jahres und die Tage danach denkt. „Ich hatte einen Wertbrief mit dem Haftungsbetrag von 100 Euro bei der Poststelle am Dreifaltigkeitsplatz abgegeben“, so L. zum Wochenblatt.



Man könne auf diese Weise auch Geld ins Ausland verschicken, habe ihn die freundliche Dame am Schalter informiert. „Wir wollten einer Bekannten in Rom eine Freude zum runden Geburtstag machen. Der Brief ist tatsächlich angekommen – nur leider fehlten die 100 Euro.“ Der Landshuter reklamierte den Verlust des Geldes bei der Poststelle am Dreifaltigkeitsplatz, „schließlich war der Brief ja versichert“. Man empfahl ihm dort nur, sich an den Kundenservice zu wenden. Was Johann L. auch getan hat: „Als Antwort erhielten wir eine E-Mail, in der uns mitgeteilt wurde, dass das Postunternehmen angeblich nicht haftbar gemacht werden kann, da der Versand von Bargeld in Wertsendungen unzulässig sei. Die Mitarbeiterin hat aber die 100 Euro angenommen und vor meinen Augen in den Umschlag gesteckt...“



Am 4. Oktober 2020 hat L. schließlich einen Brief an die Leitung der Poststelle am Dreifaltigkeitsplatz geschickt. „Bis heute kam keine Antwort. Wir fühlen uns richtig abgezockt. Der Kunde hat scheinbar keine Rechte. Für uns Rentner sind 100 Euro viel Geld.“ Und Johann L. weiter: „Das Ignorieren unseres Briefes und die scheinbare Inkompetenz einiger Angestellten haben uns schon sehr betroffen und wütend gemacht.“ Erst als sich jetzt das Wochenblatt der Sache angenommen hat, kam etwas Bewegung in die Angelegenheit. „Bei Briefen in das Ausland ist der Versand von Bargeld generell ausgeschlossen“, so eine Post-Sprecherin. Die Sachlage vor Ort und wie und warum das Geld in den Wertbrief gelangt ist, habe sich nach so langer Zeit mit den Kollegen am Schalter der Landshuter Filiale nicht mehr rekonstruieren lassen.



Grundsätzlich stehe Bargeld in Sendungen außerhalb der Haftung. „Ein Ersatz erfolgt deshalb regulär nicht“, so die Sprecherin zum Wochenblatt. „Um unserem Kunden entgegenzukommen, sind wir bereit, ihm den Betrag auf dem Kulanzweg und ohne Anerkennung einer Verpflichtung zu erstatten.“



Johann L. ist erfreut über diese Nachricht, sagt aber auch: „Es ist schon traurig, dass man nur reagiert, wenn die Presse nachfragt. Wir hatten am 4. Oktober bei der Post angefragt – und bis heute keine Antwort bekommen.“ Der Landshuter ist letztlich froh über das nahende Happy End, will aber auch andere teilhaben lassen. L.: „Wenn wir das Geld tatsächlich zurückbekommen, spenden wir die Hälfte ans Tierheim.“



Die Post hat nun Wort gehalten und die verschwundenen 100 Euro erstattet. Und auch Johann L. hat bereits taten folgen lassen: „Wir haben 50 Euro ans Tierheim Heinzelwinkl gespendet.“