01.06.2019, 20:16 Uhr

Bürgerwille siegte über die Politik Vor 30 Jahren – am 31. Mai 1989 war das endgültige Aus für die WAA in Wackersdorf besiegelt

Am 26. und 27. Juli 1986 wurde beim Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld protestiert. (Foto: Tino Lex/Archiv Wochenblatt)Am 26. und 27. Juli 1986 wurde beim Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld protestiert. (Foto: Tino Lex/Archiv Wochenblatt)

Es ist ein denkwürdiger Tag, an den sich viele Menschen aus der Oberpfalz und weit darüber hinaus noch gut erinnern können – die Rede ist vom 31. Mai 1989! Das ist der Tag, an dem der Bürgerwille über die Politik siegte. Das ist der Tag, an dem der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf endgültig eingestellt wurde. Am Freitag jährte sich dieser Tag nun zum 30. Mal.

WACKERSDORF Am 7. Oktober 1981 hatte sich die „Bürgerinitiative Schwandorf“ gegründet, im Dezember 1981 folgte die erste Anti-WAA-Demo mit rund 3.000 Teilnehmern. Am 10. Dezember 1985 erteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Genehmigung für die Rodung des Taxölderner Forst – der Protest formierte sich. Die Polizei schritt ein und räumte die Hüttendörfer, die errichtet worden waren. Im Oktober 1985 demonstrierten in München rund 50.000 Menschen gegen den Bau der WAA. Im Mai 1986 eskalierte an Pfingsten die Gewalt auf dem Baugelände, Autonome hatten die Polizisten mit Steinen und Stahlkugeln beschossen. Am 7. Juni 1986 gab es bei Ausschreitungen rund 400 Verletzte. Am 26. und 27. Juli 1986 erfolgte der Protest auf kultureller Ebene – das Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld lockte über 100.000 Besucher an.

Das Ende der geplanten WAA hat die Region dem Bürgerprotest und dem damaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (SPD) zu verdanken. Der nämlich war es, der erkannt hatte, was hier genau geplant ist. Er verweigerte die Unterschrift – diese wurde durch die Regierung der Oberpfalz ersetzt. Möglich gemacht wurde dies durch ein neues Gesetz, das als „Lex Schuierer“ in die Geschichte einging. Schuierer sah sich 18 Anklagen und mehreren Disziplinarverfahren ausgesetzt. Für seinen Einsatz erhielt Schuierer 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Dort, wo einst die WAA geplant war, sorgt heute der „Innovationspark Wackersdorf“ für Arbeitsplätze – die Wirtschaft boomt in Wackersdorf.


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