21.06.2018, 09:20 Uhr

Vorstand räumt ein SV Wenzenbach bestätigt Finanzskandal – 139.000 Euro veruntreut

Das Vereinsheim des SV Wenzenbach. (Foto: mp)Das Vereinsheim des SV Wenzenbach. (Foto: mp)

Der SV Wenzenbach bestätigt, dass in den letzten zehn Jahren 139.000 Euro veruntreut wurden. Der ehemalige Kassier ist 2017 bei einem Unfall ums Leben gekommen.

WENZENBACH In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des SV Wenzenbach e.V. am vergangenen Mittwoch, 20. Juni, wurden die Mitglieder über finanzielle Missstände des Vereins informiert. Der ehemalige Kassier, welcher im November 2017 verstarb, hatte mindestens in den letzten zehn Jahren circa 139.000 Euro veruntreut. Die Mitglieder stimmten in einer geheimen Wahl mit großer Mehrheit für einen Vergleich mit der Erbengemeinschaft.

Der erste Vorsitzende, Gerhard Bäumler, erläuterte auf der Versammlung den Sachverhalt: Nach dem überraschenden Tod des Kassiers des Hauptvereins im November 2017 musste die Vorstandschaft die Kassengeschäfte übernehmen. Dabei fielen finanzielle Unregelmäßigkeiten auf und die Vorstandschaft beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die SLP Treuhand GmbH. Diese führte eine außerordentliche Kassenprüfung der Jahre 2008 bis 2017 durch und erstellte ein Prüfungsgutachten.

Diese zeit- und kostenintensive Wirtschaftsprüfung der letzten zehn Jahre hat ergeben, dass der verstorbene Kassier in diesem Zeitraum Gelder in Höhe von circa 139.000 Euro veruntreut hat. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung informierte der Wirtschaftsprüfer Martin Sperl die Mitglieder über die Prüfung des Sachverhalts. Die Veruntreuung erfolgte unter anderem durch abweichende, beziehungsweise vom damaligen Kassier selbst erstellte Buchungsbelege. Diese bezogen sich auf fiktive Zahlungen an Betreuer oder Verbände, die dann auf das Privatkonto des Kassiers überwiesen wurden. Sperl betonte in seinem Bericht, dass das Vorgehen des verstorbenen Kassiers selbst für ihn – als erfahrener Wirtschaftsprüfer – auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar gewesen sei. Die Hinterbliebenen wussten von der Veruntreuung nichts und haben sich auch finanziell dadurch nicht bereichert. Rechtsanwalt Dr. Christoph Lindheim stellte das Vergleichsangebot der Erbengemeinschaft vor und erörterte dieses aus juristischer Sicht. In einer geheimen Wahl wurde dem Vergleich mit der Erbengemeinschaft mit großer Mehrheit zugestimmt.

Der verstorbene Kassier hatte sein Amt seit 2001 inne. Bäumler, seit 2011 der erste Vorsitzende des Sportverein Wenzenbach e.V., ist bestürzt: „Ich bin zutiefst betroffen, dass das jahrelange Vertrauensverhältnis so missbraucht wurde.“ Bäumler hatte bis zum Tod des damaligen Kassiers keinen umfassenden Online-Zugriff: „Ich habe ihm vertraut. Wir haben so viele Jahre gut zusammengearbeitet und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass er zu solch einem Handeln fähig ist. Auch die Familie des Verstorbenen ist erschüttert über das, was er die letzten Jahre getan hat“, so der erste Vorsitzende.

Bäumler betont zudem, dass er zum Schutz der Familie das öffentliche Ausmaß des Sachverhalts so gering wie möglich halten möchte und plädierte auch an die Mitglieder in der Versammlung, die persönliche Lage der Hinterbliebenen zu berücksichtigen. Die Kassenprüfungen fanden im Vorfeld der jeweiligen Jahreshauptversammlung statt. Die Kassenprüfer konnten bei ihren Tätigkeiten den Betrug nicht erkennen. Vorgelegte Unterlagen (Zahlen) waren beim Jahresabschluss insoweit stimmig und wurden dementsprechend bei der dann stattgefundenen Jahreshauptversammlung als ordnungsgemäß befunden und die Entlastung vollzogen.

„In dieser schweren Zeit baut die Vorstandschaft auf den Zusammenhalt der Mitglieder des Vereins und aller ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich tagtäglich für den Verein engagieren oder auch in der Vergangenheit engagiert haben“, so Gerhard Bäumler.

Recherchen des Wochenblatts ergaben, dass sich der Kassier offenbar die letzten Jahre 160.000 Euro ausbezahlt hatte, allerdings immer wieder Rückführungen – in Höhe von letztlich 21.000 Euro – getätigt hatte, damit die Transaktionen nicht auffallen. Der 2017 verunglückte Kassier hatte damit wohl sichergestellt, dass die Kontostände und die Kassenbücher nicht auffallend abweichen. Der Kassier war länger als zehn Jahre im Amt, doch offenbar hat man sich im Verein nur diese Zeitspanne angesehen bzw. von den Wirtschaftsprüfern begutachten lassen. Allein 100.000 Euro gingen unbemerkt an den Kassier, weil dieser Überweisungsbelege an Übungsleiter, die es nicht gibt, erstellte und die Existenz der einzelnen Trainer in diesem großen Verein offenbar nicht nachgeprüft werden konnte. Wie das Wochenblatt am Mittwoch in der Druck-Ausgabe exklusiv berichtete, wussten weder das Landratsamt, noch der BLSV von diesen Vorgängen. Diese aber überweisen Zuschüsse, beispielsweise für Jugendmannschaften und Übungsleiter. Allerdings, so wurde auch bekannt, hatte der Kassier nur so getan, als zahle er Beiträge für Übungsleiter aus. Da diese aber gar nicht existierten, hatte man auch keine Förderanträge für sie gestellt.

Unmut gab es dem Vernehmen nach bei der Sitzung aber darüber, dass die SV Wenzenbach-Mitglieder am selben Abend noch entscheiden sollten, was viele verdutzt zuvor im Wochenblatt gelesen hatten.