30.09.2014, 10:26 Uhr

Einblicke ins Frühmittelalter Sensationsfunde bei Grabung an der Naab

Foto: Thomas StarringerFoto: Thomas Starringer

Einen ausgiebigen Blick ins frühe Mittelalter warfen in den letzten Tagen die Archäologen in Iffelsdorf bei Pfreimd. Dort, genauer auf einem Maisacker am Ortsausgang unweit der Naab, wurde gegraben.

IFFELSDORF Und das nicht zum ersten Mal. Schon seit 2011 fördert das slawische Gräberfeld, das dort in etwa einem Meter Tiefe liegt, immer wieder Sensationsfunde zutage: Glasperlenketten, von denen eine als die schönste im süddeutschen Raum gilt, Gürtelschnallen awarischer Reiter, die so weit westlich noch nie entdeckt wurden, und jede Menge Keramik.

Auch heuer wurden Grabungsleiter Hans Losert und sein Team nicht enttäuscht. So wurde beispielsweise ein Sax entdeckt, ein etwa 90 Zentimeter langes, einschneidiges Schwert aus dem achten Jahrhundert, das eigentlich im norddeutschen Raum und in Skandinavien verbreitet war.

Grund genug auch für Landrat Thomas Ebeling, einmal bei der Grabungsstelle vorbeizuschauen und den Ausführungen der Archäologen zu folgen. Diese gehen mittlerweile aufgrund der Häufigkeit und Verschiedenartigkeit der Funde davon aus, dass die Gegend um Pfreimd und Perschen im siebten und achten Jahrhundert eine große Bedeutung hatte.

Auch die slawischen Totenriten lassen sich durch die Grabungen ein wenig aufhellen; so kann man sagen, dass die damaligen Bewohner der Gegend wohl die Erfinder des Leichtrunks waren, und zwar direkt vor Ort, bei der Beerdigung. Auch wurde dies in bestimmten Abständen wiederholt – man kochte und tafelte an den Gräbern. Ob sich daraus tatsächlich unser Leichtrunk oder Allerheiligenbräuche ableiten lassen, bleibt jedoch Spekulation. Gesichert durch Funde und Lage der Gräber ist allerdings die einsetzende Christianisierung der dort bestatteten Slawen.

Dankbar ist man seitens des Grabungsteams für die Unterstützung der Gemeinde Pfreimd, der Lions Clubs Schwandorf und Oberpfälzer Wald sowie der Grundstücksbesitzer, denn allein aus Universitätsmitteln wären die Grabungen nicht möglich. Was sich noch alles verbirgt in der „Nekropole an der Naab“, versucht man derzeit mit modernsten Luftbildmitteln herauszufinden, um für die nächste Grabung gewappnet zu sein. Und die ist bereits geplant, im Frühjahr 2015 geht es weiter.


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