28.08.2013, 11:29 Uhr

Gebühr Rechnung an toten Ehemann: Beitragsservice statt GEZ – doch der Wahnsinn geht weiter!

Die frühere Stadträtin Heide Velten mit der Rechnung des Beitragsservices Foto: ceDie frühere Stadträtin Heide Velten mit der Rechnung des Beitragsservices Foto: ce

Die frühere Stadträtin Heide Velten hat monatelang Rechnungen der GEZ für ihren toten Ehemann bekommen. Seit kurzem heißt die GEZ Beitragsservice. Solch' krude Fälle sollte es nicht mehr geben. Doch der Terror geht weiter.

REGENSBURG Seit 1. Januar 2013 heißt die Gebühreneinzugszentrale GEZ etwas schöngeredet „Beitragsservice“. Nun ist es fraglich, ob die Einziehung einer faktischen Steuer für alle als „Service“ bezeichnet werden kann, aber seit das Arbeitsamt Agentur heißt und „Kunden“ hat, wundert man sich über diese Form des „Neusprechs“ kaum mehr.

Für die ehemalige Regensburger Stadträtin Heide Velten indes hat sich seit der Namensänderung nicht viel geändert. Im Gegenteil: Die kann nicht glauben, was sie letzte Woche bei sich im Briefkasten fand.

Das war geschehen, wir hatten darüber ausführlich berichtet: Als im Juli 2010 Veltens Mann, ein Hochschulrektor, starb, zog sie um. Gleichzeitig kündigte sie die gemeinsamen Konten, legte sich ein neues zu, auch die Einzugsermächtigungen kündigte sie. Das hätte sie aus Sicht der damaligen GEZ besser nicht getan. Denn die wollte Velten nicht glauben, dass ihr verstorbener Mann nicht mehr in besagter früherer Wohnung lebt.

Sie mahnte Heide Veltens Mann mehrfach an.

Damit das aber deutlich wird: Velten hat zu jedem Zeitpunkt in ihrer neuen Wohnung für sich GEZ-Gebühren bezahlt. Etwas mehr als 53 Euro im Quartal. Doch warum hätte sie für ihren toten Mann bezahlen sollen, der in der alten Wohnung ja offensichtlich gar nicht mehr lebte? „Ich habe viermal die Sterbeurkunde geschickt“, erzählt Velten.

Das hielt die GEZ nicht davon ab, den Gerichtsvollzieher zu schicken. „Der Gerichtsvollzieher erzählte mir, er habe versichert, auf dem Friedhof nachgesehen zu haben – er habe meinen Mann nicht beim Fernsehen angetroffen!“

Die Forderungen beliefen sich längst auf über 600 Euro. Im Frühjahr 2013 kam es dann zu einer Gerichtsverhandlung, Velten wurde nicht geladen.

Bislang konnte Velten über die krude GEZ-Geschichte noch lachen. Doch das Lachen ist ihr nun vergangen.

Haushaltsabgabe kann zum Problem werden Als der Brief vom neuen Beitragsservice nämlich bei ihr ins Haus flatterte. Darauf waren die 53,94 Euro für den Zeitraum Juli bis September aufgelistet. Doch dann fiel Velten fast die Kaffeetasse aus der Hand: „Da war sie wieder, die Forderung für meinen toten Mann!“ In der Tat, der Beitragsservice aus Köln schickte ihr eine Rechnung über 672,20 Euro. Unfassbar.

Den Beitragsservice dürfte diese neue Rechnung in erhebliche Erklärungsnot bringen. Denn eigentlich wurde die GEZ deswegen abgeschafft, weil es immer wieder zu unglaublichen Rechnungen an Hunde oder eben Tote kam. Die Ministerpräsidenten der Länder einigten sich deshalb auf die Haushaltsabgabe: Seit 1. Januar 2013 zahlt jeder Haushalt die Gebühr. Pauschal. Egal, ob Fernseher oder nicht. Angeblich soll das nicht nur gerechter sein, sondern eben auch unfassbare Fälle, wie den von Frau Velten vermeiden. Genau das kann man aber angesichts der neuerlichen Rechnung nachhaltig bezweifeln. Denn bei Velten ist ja die Frage: Glaubt einem der Beitragsservice bzw. deren Mitarbeiter, dass man in einer Wohnung nicht mehr lebt? Oder kommt es zu Doppel-Rechnungen, wenn man umzieht?

Vier Sterbeurkunden und der Nachweis, umgezogen zu sein, scheinen die Mitarbeiter in Köln nicht beeindruckt zu haben. Velten ist langsam verzweifelt: „Wenn ich eine Einzugsermächtigung erteilt hätte, dann hätten die doch längst mehr als 600 Euro abgebucht – und bei dem Chaos würde ich das Geld nie wieder sehen!“ Die frühere Stadträtin hat auch langsam keine Nerven mehr für die Sache: „ich überlege mir, Schmerzensgeld zu verlangen. Das grenzt an Stalking!“


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