06.11.2013, 11:30 Uhr

Soziales Ein neues Projekt hilft Suchtkranken: "Das Gefühl, gebraucht zu werden!"

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Das Projekt "Soziale Landwirtschaft" in Poikam soll Suchtkranken aus dem "Haus am Regen" bei Lappersdorf bei der Wiedereingliederung in den Alltag helfen.

LAPPERSDORF/POIKAM Der Himmel ist blau, die Luft angenehm frisch – der perfekte Tag zum Arbeiten in der freien Natur. Eifrig fahren sie mit den Schubkarren hin und her, schaufeln Erde, pflanzen Bäume und Sträucher und bauen kleine Treppen. Doch es handelt sich dabei nicht um Bauarbeiter, sondern um Suchtkranke des "Hauses am Regen" in Lappersdorf, die hier in Poikam so fleißig und zufrieden arbeiten.

Soziale Landwirtschaft in den Startlöchern

Poikam ist in der Nähe von Bad Abbach im Landkreis Kelheim und hier hat Biobauer Alois Schmidbauer vor Kurzem den Campingplatz "Freizeitinsel" eröffnet. Natürlich gibt es noch allerhand zu tun und dabei helfen ihm Bewohner des "Hauses am Regen", einer Einrichtung für Suchtkranke mit psychischen Erkrankungen. Das Projekt läuft im weitesten Sinne unter dem Namen "Soziale Landwirtschaft", die in Deutschland noch in den Startlöchern steht.

Zurück ins Leben mit Erfolgserlebnissen

Es ist eine Möglichkeit für die Suchtkranken, sich hier in den Bereichen Garten- und Landwirtschaftsbau an der frischen Luft zu betätigen und durch zielgerichtetes Arbeiten Erfolgserlebnisse zu erleben. "Abhängige haben das Leben verlernt, sie brauchen Struktur – diese Struktur sollen sie hier wiederfinden", beschreibt Florian Hubmann, Ergotherapeut und Betreuer dieses Projektes, den Sinn dieser Aktion.

Eigenverantwortung schafft Selbstvertrauen

Zudem bekommen die Nutzer dieses Projektes durch diese ganz reale Arbeit ihr Körpergefühl und Körperbewusstsein zurück. Und auch Schmidbauer, der die Kooperation mit dem "Haus am Regen" gesucht hat, sieht erste Erfolgserlebnisse, schließlich war der Anfang nicht leicht: "Am Anfang sind sie noch über ihre eigenen Füße gefallen." Durch kleine und kleinste Schritte führt er die Suchtkranken an die Arbeit heran und verschafft ihnen so immer mehr Eigenverantwortung, denn "das schafft Selbstvertrauen".

Eine Win-win-Situation für beide Seiten

Dabei sind seine Helfer alles andere als billige Arbeitskräfte, er muss im Vorfeld passende Arbeit finden, um auch Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Somit ensteht eine "Win-win-Situation" für beide Seiten, dem Biobauern und Campingplatzbetreiber wird geholfen und die Bewohner des "Hauses am Regen" freuen sich, raus zu kommen aus dem Alltag im Heim und mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. "Es ist dieses Gefühl, das Gefühl, gebraucht zu werden," das den Suchtkranken Zufriedenheit und Selbstvertrauen zurück gibt – das ganz normale Leben also.


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