19.11.2010, 12:41 Uhr

Ungewöhnliche Havarie bei Passau-Heining Sabotage? Schiff versinkt am Tag der Zwangsversteigerung in der Donau

Es ist schon ein merkwürdiger Zufall, dass ein leer stehendes Passagierschiff, das seit zwei Monaten unbeschadet in einem Passauer Hafen liegt, am Tag der Zwangsversteigerung urplötzlich sinkt. Wegen des Untergangs der „Victoria Cruziana" werden jetzt Sabotagegerüchte laut.

PASSAU Gleich zwei Schiffshavarien haben sich am Freitag in Passau ereignet: In der Schleuse Kachlet wurde ein Öleintritt festgestellt – der Verursacher ist bislang unbekannt. Am Liegeplatz in Heining ereignete sich allerdings der wesentlich spektakulärere Vorfall. In der Hauptrolle: Die „Victoria Cruziana".

Baujahr 1960, eine Länge von 88,5 m und 11,6 m breit: Bereits seit gut zwei Monaten lag das ehemalige Fahrgastpassagierschiff, das einst für 111 Passagiere zugelassen war, im Heininger Bayernhafen vor Anker. Zuvor hatte das Schiff jahrelang in Holland gelegen. Nun war es bereits seit dem Frühjahr unterwegs in Richtung Rumänien. Da es nicht mehr aus eigener Kraft fahren durfte, war es als Sondertransport im Schubverband unterwegs – und in Passau zur Zwangsversteigerung freigegeben. Die Versteigerung inklusive Schiffsbegehung war für den Freitag angesetzt. 

Am Freitagvormittag gegen 10 Uhr kam laut Polizei die Alarmmeldung des 48-jährigen rumänischen Kapitäns: „ Wassereintritt im gesamten Unterschiff!" Zuvor hatte im Zuge der anstehenden Zwangsversteigerung eine Schiffsbegehung stattgefunden, bei welcher der Wassereintritt bemerkt worden war. Rechtsanwalt Daniel Paluka war dabei, berichtet in einem TRP1-Beitrag: „Es ging alles sehr schnell!" Später meinte er nachdenklich: „Es ist schon ein bisserl ungewöhnlich, weil das Schiff hier schon sehr lange liegt."

In ganz Passau heulten die Sirenen, die Einsatzkräfte rasten in Richtung Heining. Die Feuerwehren der Hauptwache Passau, der FFW Schalding rechts der Donau, der FFW Passau Grubweg und des THW waren mit insgesamt 90 Mann vor Ort und pumpten um die Wette, um das sinkende Schiff zu retten – vergebens: Das Schiff, das mit sage und schreibe 360 Tonnen Ballast beladen sein soll, sank 3,5 Meter tief auf den Donaugrund.

Auf der Donau wurde eine Ölsperre errichtet. Fotos und Videoaufnahmen zeigen, wie ein Ölfilm im Wasser treibt. Nach PaWo-Informationen sollen sich im Tank der gesunkenen „Victoria Cruziana" 400 bis 500 Liter Diesel-Treibstoff befunden haben. Über die weiteren Maßnahmen soll kommenden Montag eine so genannte „Roundtable“ verhandeln.

Die Bergung des Schiffes dürfte sich somit noch längere Zeit hinziehen, da erst abgeklärt werden muss, welches Bergematerial herangezogen wird und wer für dieses finanziell aufkommen muss. Es stellt sich laut Polizei die Fragen, inwieweit „menschliches Verfehlen oder Materialschaden" für den Untergang verantwortlich gemacht werden können. Intensive Ermittlungen sollen Licht ins Dunkel bringen.

 Der Totalschaden wird jedenfalls auf 250.000 Euro geschätzt. Die Einsatzkosten plus Bergung dürften wohl ein Mehrfaches betragen...Laut TRP1-Beitrag habe Rechtsanwalt Paluka später in einem Telefongespräch mit dem Sender bestätigt, dass einiges darauf hindeuten würde, dass gezielt durch den Maschinenraum Wasser eingeleitet worden sei.


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