09.01.2013, 08:58 Uhr

Noch keine Genehmigung von der BLM, aber: Verleger Balle schluckt das Regionalfernsehen Landshut

Dr. Martin Balle. Foto: SchmidDr. Martin Balle. Foto: Schmid

Verleger Martin Balle (Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, Foto) hat das Ruder beim RFL übernommen. Der alte Gesellschafter wurde ausbezahlt. Allerdings hat die zuständige BLM das noch gar nicht genehmigt. Das sorgt für Irritationen in der Politik.

LANDSHUT Wie es sich anfühlt, wenn man im Nebel auf einem Schiff ohne Kapitän unterwegs ist, das können die Journalisten des Regionalfernsehens Landshut (RFL) wohl mittlerweile ganz gut nachvollziehen. Denn bei dem Sender ist momentan einiges in Bewegung und vieles war wochenlang unklar. Jetzt steht wohl fest: Der alte Kapitän, der ehemalige Hauptgesellschafter Norbert Haimerl, ist schon von Bord. Der neue steht auch schon fest: Verleger Martin Balle aus Straubing hat sich den Lokalsender wohl einverleibt, wie den RFL-Leuten gestern mitgeteilt wurde – offensichtlich aber ohne eine Genehmigung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) abzuwarten.

Von politischer Seite werden die Vorgänge aufmerksam beobachtet. Die Landtagsabgeordnete Jutta Widmann (Freie Wähler) aus Landshut, die auch im Medienrat der BLM sitzt, will eine „Medienkonzentration“ auf alle Fälle verhindern. Ebenso eine Entwicklung, die aus dem RFL nur noch ein Ablegerstudio eines anderen Senders machen würde. Im Impressum auf der Homepage des Senders ist Haimerl, der 77 Prozent des Senders gehalten hatte, bereits nicht mehr als Gesellschafter aufgeführt. Dort steht allerdings auch nicht, wer der neue Herr im Haus ist. Doch auch das ist in Medienkreisen seit Wochen bekannt. Pikant ist das vor allem deswegen, weil ein solcher Gesellschafterwechsel eigentlich von der BLM erst einmal genehmigt werden muss. Doch die hat noch gar nichts entschieden, wie sie dem Wochenblatt schriftlich mitteilte. Laut Auskunft ihres Pressesprechers Adrian Gerlitsch vom Freitag würden die „notwendigen Unterlagen“ noch gar nicht vorliegen. Die sollten erst in dieser Woche nachgereicht werden.

Allerdings: Dass ein solcher Wechsel bevorsteht, weiß man bei der BLM sehr wohl. Bereits vor Weihnachten war dort auch schon bekannt, wer in Zukunft das Sagen haben soll. Entsprechendes wurde dem Wochenblatt hinter vorgehaltener Hand aus BLM-Kreisen bestätigt.

In Landshut werden derweil wohl schon einmal Fakten geschaffen, auch ohne offiziellen Segen aus München. Am gestrigen Dienstag bekamen die Kollegen vom Fernsehen nach Wochenblatt-Informationen Besuch von den neuen Herren im RFL-Haus.

Martin Balle – in Begleitung von Vertretern des Deggendorfer Lokalfernsehens und Radion AWN, wo er ebenfalls den Ton angibt – klärte die RFL-Leute über ihre Zukunft auf. Kündigungen müssten die Journalisten und Techniker demnach zunächst nicht fürchten. Auch plane man wohl eine stärkere Vernetzung mit der Landshuter Zeitung, wolle zudem investieren. Fakt ist aber: „Balle hat unseren ehemaligen Hauptgesellschafter ausgezahlt. Das RFL gehört jetzt ihm“, so ein Mitarbeiter. Haimerl habe sein Geld, jetzt sei er da, soll Balle gesagt haben. Für Jutta Widmann ist in der Angelegenheit aber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Von entscheidender Bedeutung sei, so die Abgeordnete, „dass es nicht zu einer Konzentration in der regionalen Medienlandschaft kommt. Die Meinungsvielfalt ist ein hohes Gut, die es besonders zu schützen gilt.“ Die Abgeordnete kündigte an, sich detailliert über die Hintergründe der aktuellen Entwicklung zu informieren – und sich auch für den Erhalt der Arbeitsplätze bei dem Sender einzusetzen. Der nächste Medienrat, bei dem das Thema dann auf den Tisch kommen dürfte, tagt erst wieder am 7. Februar.

Das Wochenblatt hat natürlich auch Verleger und Chefredakteur Martin Balle um eine Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss hat es allerdings keinen Rückruf gegeben.


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