23.06.2010, 11:13 Uhr

Landshuts kuriosester Fahrradüberweg "Schildbürgerstreich" des Verkehrssenats

Der Fahrradüberweg in der Inneren Regensburger Straße. Der Fahrradüberweg in der Inneren Regensburger Straße. Foto: SchmidDer Fahrradüberweg in der Inneren Regensburger Straße. Der Fahrradüberweg in der Inneren Regensburger Straße. Foto: Schmid

Links und rechts stehen Warntafeln. Es gibt Stopp-Schilder und eine rot-weiß lackierte Straßenverengung. Blinklichter warnen die Autofahrer. Es sieht kurios aus, was da auf der Inneren Regensburger Straße aufgebaut wurde. Und es sorgt für Kopfschütteln bei den Landshutern.

LANDSHUT An dieser Stelle, mitten auf einer ganz normalen Straße, werden die Autofahrer zum Anhalten gezwungen. Radler, die vom Franz-Högner-Weg oder aus der entgegengesetzten Richtung kommen, sollen die Straße ohne anzuhalten passieren können. „Ein Schildbürgerstreich“, dafür halten das die Auto- und sogar viele Radfahrer, die sich bei der Polizei beschwert haben.

Tatsächlich aber sind die Ordnungshüter die falsche Adresse für Proteste. Denn die haben den Überweg nicht empfohlen. Im Gegenteil. Die Meinung der uniformierten Verkehrsexperten interessierte nur niemanden im Verkehrssenat der Stadt Landshut. Der hatte den kuriosen Fahrradüberweg trotzdem beschlossen. Und so werden jetzt Autofahrer kurz vor – bzw. nach – der Ampelkreuzung der Inneren Regensburger mit der Podewilsstraße zum Anhalten gezwungen. Viele halten sich daran oder fahren jedenfalls langsamer über den Überweg. Das Gefährliche aber ist: Schaltet die Ampel auf Grün, drücken manche in der Straße – in der 50-Stundenkilometer erlaubt sind – eben doch aufs Gas, um noch schnell drüber zu huschen. Das Anhalten am Fahrradüberweg vergisst man dann schon mal. Wenn dann ein Radfahrer auf seine Vorfahrt beharrt, sind schwere Unfälle vorprogrammiert.

Weil eine Zählung ergeben habe, dass hier mehr Rad- als Autofahrer unterwegs seien, so der Vorsitzende des Verkehrssenats, Bürgermeister Gerd Steinberger, habe man sich für diese Lösung entschieden. „Das war aber auch im Senat eine umstrittene Kiste.“ Man habe keine Ampel einrichten wollen, weil dann die Radler hätten absteigen müssen. Da die Fahrradfahrer im weiteren Verlauf des Radweges am Maxwehr aber erneut an eine Ampel kommen, habe man sich gegen diese Lösung entschieden.

Außerdem gebe es an der Kreuzung der Savignystraße mit der Schwimmschulstraße bereits seit rund 20 Jahren eine solche Regelung. „Dort hat man gute Erfahrungen gemacht.“

Wie Steinberger erklärt, habe es kurz nach der Einführung des Überweges einige Beschwerden von Bürgern gegeben. „Aber das flaut mittlerweile ab“, so der Bürgermeister. Sechs Monate wolle man sich die Situation jetzt anschauen und dann eventuell nachbessern.

Die Meinung der Polizei ist jedenfalls eindeutig. Ulrich Deser, Verkehrssachbearbeiter bei der Landshuter Polizei: „Wir halten das nicht für richtig.“ KommentarDa wollte sich die Stadt Landshut wohl als besonders fahrradfreundlich präsentieren. Das ist durchaus löblich. Allerdings sollte man das mit mehr Sinn und Verstand tun. Mit so einer Lösung ist niemandem geholfen. Einfach mal Autofahrer mitten auf der Straße zum Anhalten zwingen – und das auch noch kurz vor einer unter Umständen grünen Ampel – weil man ein politisches Signal geben will, das ist unsinnig. Vor allem, weil wohl kein Radfahrer ein gutes Gefühl hat, wenn er einfach ohne anzuhalten die Innere Regensburger Straße überquert. Tatsächlich bleiben viele erst einmal lieber stehen, schauen, ob die Autos wirklich halten und bestehen nicht auf ihre Vorfahrt. Das ist vernünftig und vor allem an dieser Stelle empfehlenswert – vor allem, weil keineswegs alle Autofahrer tatsächlich stoppen. Wozu aber dann die aufwändigen Beschilderung, die nichts als Verwirrung stiftet und aussieht wie eine Straßensperre in einem Krisengebiet? Erst nachdenken, dann beschließen – und viele Grüße aus dem Schilderwald.


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