12.06.2019, 16:18 Uhr

Todkranken letzten Wunsch erfüllen Malteser auf großer Herzensmission


Todkranken in der Region ihren letzten großen Herzenswunsch zu erfüllen, das ist die Mission des Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen. Jetzt haben die Helfer selbst einen großen Traum und wollen dessen Erfüllung mit einem großen Benefizkonzert mit Superstar Beatrice Egli ein Stück näher kommen.

LANDKREIS DINGOLFING-LANDAU/NIEDERAICHBACH Ein letztes Mal ein paar Stunden im eigenen Zuhause verbringen, ein letztes Mal den Lieblingsverein im Fußballstadion anfeuern, ein letztes Mal die Kunst in der Münchner Pinakothek bewundern, ein letztes Mal bei der Tanzaufführung der Tochter zuschauen, ... Hinter jedem dieser Wünsche verbirgt sich ein trauriges Schicksal. Denn sie alle kamen von unheilbar kranken Menschen, die nur noch wenige Wochen oder Tage zu leben hatten.

Für genau solche Wünsche haben die Malteser der Diözese Regensburg vor knapp einem Jahr das Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ ins Leben gerufen und damit bisher schon zwölf Todkranke in der Region noch einmal an einen Ort ihrer Wahl bringen können.

„Eine Herzensangelegenheit zu erfüllen, bedeutet, noch einmal für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus oder dem Hospiz herauszukommen und etwas persönlich Wichtiges erlebt oder zu Ende geführt zu haben“, sagt Rainer Zollitsch. Er ist nicht nur ehrenamtlicher Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienst e.V. in Niederaichbach, sondern auch so etwas wie der „Vater“ des Herzenswunsch-Krankenwagens in Ostbayern, den er zusammen mit einem vierköpfigen Team koordiniert.

Rein ehrenamtliches Projekt mit viel Herzblut

Zu ihm gehören unter anderem auch Florian Rott, Leiter des Rettungsdienstes, und Ben Neumann, Leiter der Einsatzdienste. Beide haben den Herzenswunsch-Krankenwagen auch schon selbst begleitet – ehrenamtlich versteht sich. Denn die oberste Prämisse war und ist für die Malteser, dass, obwohl medizinisch ausgebildetes Personal mit an Bord ist, die Erfüllung des Wunsches kostenfrei ist und rein über Spenden finanziert wird.

„Unsere Skepsis war völlig unbegründet. Das hat sich schnell gezeigt. Alle Kolleginnen und Kollegen stehen voll dahinter, so dass wir keine Probleme haben, Freiwillige für die Fahrten, die auf Wunsch auch hospizlich oder sogar unter ärztlicher Aufsicht begleitet werden, zu finden“, so Zollitsch. „Selbst nicht an Weihnachten“, ergänzt Florian Rott und erinnert sich an den Wunsch, als eine Dame ein letztes Mal bei ihrer Tochter Heilig Abend verbringen wollte. Der 39-Jährige war es auch, der beim ersten Einsatz des Maltester Herzenswunsch-Krankenwagens mit dabei war. Ein Bewohner des Hospizes in Vilsbiburg wollte sich unbedingt noch von seiner demenzkranken Frau verabschieden, die im Pflegeheim in Reisbach lebte. Ohne den Einsatz der Malteser wäre ihm dieser letzte Wunsch wohl verwehrt geblieben.

Wünsche so individuell wie die Menschen selbst

Dass so ein Projekt natürlich auch eine ganz besondere emotionale Angelegenheit ist, steht außer Frage. „Im Gegensatz zum normalen Rettungsdienst oder Einsätzen baut man zu den Betroffenen eine ganz andere emotionale Bindung auf. Man verbringt ja nicht nur wenige Minuten, sondern zum Teil einen halben Tag miteinander, führt – besonders bei der Rückfahrt – tiefgreifende Gespräche“, so Rott.

Dabei käme es auch überhaupt nicht auf den Wunsch an. „Herzenswünsche sind so individuell wie jeder Mensch selbst. Viele denken vielleicht bei einem Herzenswunsch gleich an eine Reise ans Meer oder ähnliches. Aber das muss überhaupt nicht sein, wie unsere Erfahrung bisher gezeigt hat. Oft sind es nur ein paar Kilometer, die die Todkranken von dem Ort der Wunscherfüllung trennen. Ich kann mich zum Beispiel noch gut an eine Frau erinnern, die wollte einfach nur noch mal für ein paar Stunden nach Hause, ins Büro, um dort die letzten Dinge zu regeln“, so der Rettungsdienst-Leiter.

Für die Erfüllung ist jeder Tag entscheidend

In Frage für die Erfüllung eines Wunsches kommen bei den Maltesern Erwachsene, die maximal nur noch sechs Monate leben, oder Kinder und Jugendliche, die eine lebenszeitverkürzende Erkrankung haben. „In einem Fragenbogen können uns entweder diejenigen selbst oder auch Familie, Freunde etc. den Wunsch schildern. Dann geben wir innerhalb von 72 Stunden Bescheid, ob wir ihn erfüllen können“, sagt Rainer Zollitsch. „Das läuft alles ganz unbürokratisch. Wir sind für alles offen. Einziges Ausschlusskriterium ist, wenn der Gesundheitszustand einen Transport nicht mehr zulässt.“ Denn auch, wenn der Krankenwagen, der für die Fahrten zur Verfügung steht, voll ausgestattet ist – oft entscheiden Tage oder sogar Stunden über die Transportfähigkeit des todkranken Menschen. „Da zählt wirklich jeder Tag“, weiß Ben Neumann aus eigener Erfahrung.

So sehr alle Beteiligten auch mit Herzblut bei der Sache sind. Eines liegt allen dennoch ein wenig im Magen: und das ist ausgerechnet das Gefährt, mit dem die schwerkranken Menschen gefahren werden. Rainer Zollitsch: „Der Krankenwagen ist ein ganz normales Bestandsfahrzeug, das so auch bei Rettungsfahrten zum Einsatz kommt. Dementsprechend ist es eigentlich auch nur für kurze Fahrten geeignet. Deshalb wäre unser größter Herzenswunsch, uns für das Projekt einen eigenen, speziell ausgestatteten Krankenwagen anzuschaffen, der die Fahrt für die schwerstkranken Menschen bequemer macht, der trotz aller medizinischen Geräte, die vorhanden sind, ,wohnlicher‘ und einladender wirkt, in dem zum Beispiel die Beatmungsgeräte hinter Rollwänden verschwinden oder in dem auch das Abspielen von Musik oder Filmen möglich ist.“ Größtes Problem bei der Sache ist der Preis: Rund 130.000 Euro kostet so ein Krankenwagen, der speziell für solche Herzenswunsch-Fahrten umgebaut wird. Um diesen zu finanzieren, sind die Malteser wie bei dem ganzen Projekt auf Spenden angewiesen. Deshalb wurde für den 23. Juni auch die Malteser Herzenswunschgala in der Sparkassen-Arena mit Schlager-Superstar Beatrice Egli und weiteren Stars ins Leben gerufen, bei der die Organisatoren auf viele Musikfans und Unterstützer des Projektes hoffen.

Denn die Erfüllung eines Herzenswunsches ist wohl das schönste Geschenk, das man einem Menschen an seinem Lebensende noch machen kann.


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