18.06.2014, 17:21 Uhr

Ohne Nahrung in der Gluthitze Hündin überlebt fünf Tage auf der Autobahn

Foto: Tierrettung RenzFoto: Tierrettung Renz

Hündin „Bella“ schlug sich ohne Wasser und Nahrung in der Gluthitze durch, bevor sie eingefangen wurde.

HENGERSBERG Ein regelrechtes Tierdrama hat sich vergangene Woche auf der Autobahn A 3 bei Hengersberg abgespielt. Eine völlig verstörte Hündin überlebte fünf Tage ohne Wasser oder Nahrung in der Gluthitze auf einem Parkplatz, bevor sie wagemutig eingefangen werden konnte. Sie wechselte dabei mehrmals die Fahrbahn und wurde vermutlich sogar angefahren.

Es ist wahrlich kein schönes Hundeleben, das die Hündin „Bella“ bisher verbrachte. Der Schäferhundmix stammt aus Rumänien. Dort wurde sie vermutlich aus einer Tötungsstation herausgeholt.

Vergangene Woche sollte das Tier durch Fahrpaten von Nürnberg nach Linz zu ihrem neuen Besitzer gebracht werden. „Die Fahrpaten hatten die Anweisung, den Hund nicht aus dem Auto zu lassen“, weiß Sabine Scholz von der Deggendorfer Tierrettung Renz.

Auf dem abgesperrten Parkplatz zwischen Deggendorf und Hengersberg wurde „Bella“ aus bisher ungeklärten Gründen freigelassen – und konnte nicht mehr eingefangen werden. „Die Fahrpaten haben die Polizei gerufen und sind dann einfach weitergefahren“, so Sabine Scholz.

„Bella“ blieb. Zwischen Brennnesseln, Sträuchern und mannhohem Gras baute sie sich in der Parkbucht ein Nestchen und streifte wohl hilflos auf der Autobahn umher. „Sie hat wohl mehrmals die Fahrbahn gewechselt und wurde offenbar auch leicht angefahren“, erzählt Sabine Scholz von der Tierrettung Renz, die von der Polizei benachrichtigt wurde.

Abschuss bei Gefahr für die Autofahrer

Also rückten die Tierretter an, um „Bella“ einzufangen. Die Polizei stand Gewehr bei Fuß. „Wenn der Hund auf die Autobahn gelaufen wäre, hätte er abgeschossen werden müssen“, so die Tierretter.

Es wurde ein gefährlicher Knochenjob. Die völlig verstörte Hündin war äußerst aggressiv. Männer hatten gar keine Chance. „Nur uns Frauen ließ sie ein wenig an sich heran“, so Scholz. Deshalb habe sie es schließlich geschafft, die Hündin einer Kollegin in die Fangstange zu treiben.

Dass das völlig entkräftete Tier überhaupt überlebt hat, grenzt an ein Wunder. „Wir waren nur knapp vier Stunden in der prallen Sonne im Einsatz und waren schon fix und fertig“, staunten die Tierretter. „Der Hund hat fünf Tage überlebt.“ Im Fangkorb wurde der Hund gleich mit Wasser versorgt und ließ sich sogar füttern. Der Tierrettungsdienst Renz brachte „Bella“ in eine Verwahrstelle im Landkreis, bis die Besitzverhältnisse endgültig geklärt sind. „Das Tier muss jetzt erst einmal wieder zur Ruhe kommen“, sagt Sabine Scholz.

Erst drei Tage zuvor hat der Tierrettungsdienst Renz bei Künzing einen geschippten Husky-Rüden eingefangen. Da das Tier bei „Tasso“ registriert ist, konnte festgestellt werden, dass der Rüde seinen Besitzern aus Vilshofen ausgebüxt ist. Das sei aber leider nicht die Regel. „Von zehn Haustieren ist vielleicht nur jedes dritte Tier registriert“, weiß Scholz. Sie appelliert deshalb an Hunde- und Katzenbesitzer, ihr Tier bei Tasso registrieren zu lassen.

Tassoregistrierung: So geht‘s

TASSO e. V. widmet sich im Tierschutz der Registrierung und Rückvermittlung entlaufener Tiere. Dazu muss das Haustier erst einmal durch Chip oder Tätowierung beim Tierarzt gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung alleine ist jedoch wertlos, wenn sie nicht mit den Tier- und Halterdaten in einer zentralen Datenbank kombiniert wird. Erst beides zusammen, Kennzeichnung und Registrierung, ermöglichen die Identifizierung eines Tieres. Die Registrierung bei TASSO ist kostenfrei, die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Weitere Infos oder das Registrierungsformular gibt‘s bei www.tasso.net.


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