16.03.2015, 12:13 Uhr

Trailrunner Steve Auch: 15 Mal an einem Tag Dötzenkopf rauf und runter

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13 Stunden und 6700 Höhenmeter lief der Reichenhaller für das Dötzenkopf-Skyrace.

BAD REICHENHALL Man sagt dem Reichenhaller Steve Auch ab und an nach, er sei verrückt. Dabei findet er selbst überhaupt nicht, dass das, was er tut, extrem ist. „Ich habe keinen festen Trainingsplan, laufe drei bis vielleicht fünf Mal die Woche und nur, wenn es für mich auch passt“, so der Sportler, der sich im Wochenblatt-Gespräch ganz relaxed gibt und auch gar nicht ehrgeizig erscheint. Gepasst hat es jedenfalls auch am 14. Februar. Schon um 5 Uhr morgens „rief“ der Dötzenkopf, den Steve aus seinem Wohnzimmerfenster sieht. Der Kofferraum von Steve Auchs Auto glich einer Station mit Verpflegung und Material: Wechselklamotten, Stirnlampe mit Ersatzakku, Ersatzstöcke.

Die Mission: Steve Auch wollte sich einen Rekord zurückerobern und ganze 15 (!) Mal auf den Dötzenkopf laufen – rauf und wieder runter. Um es kurz zu machen: Es hat geklappt! Mit Pausen war der 31-jährige 13 Stunden, 52 Kilometer und 6700 Höhenmeter unterwegs. Und danach? „Ging es mir erstaunlicherweise ganz gut. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, schließlich bin ich so viele Höhenmeter noch nie an einem Stück gelaufen. Ich konnte zwar nicht gut einschlafen, aber war am Montag wieder fit für die Arbeit.“

Nur der Himmel ist sein Limit

Seit fünf Jahren läuft der „Zuagroaste“, seit drei Jahren auch bei Events, die speziell für Trailrunning angeboten werden. Warum er das macht? „Man kann es natürlich schon als positive Sucht bezeichnen. Mir macht es einfach Spaß, durch die Natur zu laufen, und zwar fernab von den Straßen. Solange es dem Körper und keinem anderen schadet, ist da ja nichts Schlechtes dabei“, so Auch, der seine Trailrunningschuhe auch schon in Kanada, Spanien oder Österreich ausgepackt hat. Das jetzt gerade der eher unscheinbare Dötzenkopf sein Ziel ist, das hat mit dem „Dötzenkopf-Skyrace“ zu tun.

Salomon-Teammanager Stephan Repke aus Inzell und Salomon-Athlet Phillipp Reiter aus Marzoll haben diese „Challenge“ ins Leben gerufen, unter anderem um auf den Salomon 4 Trails-Wettbewerb aufmerksam zu machen. Der führt die Läufer dieses Jahr erstmals von Berchtesgaden über Bad Reichenhall, Ruhpolding, Lofer und schlussendlich nach Maria Alm. Eine Teilstrecke ist der „Dötzi“, wie er liebevoll genannt wird. Deshalb tummeln sich seit Januar ganz besonders viele Trailrunner um den mit 1001 m niedrigsten Eintausender-Gipfel des Lattengebirges.

In dem privaten Wettbewerb geht es um verschiedene Wertungen: der schnellste Aufstieg, der schnellste Downhill, die meisten Auf- und Abstiege und wer am öftesten am Gipfel war. Gelaufen wird, wann der jeweilige Sportler Zeit und Lust hat. Beweise liefern entweder GPS-Tracks aus den Sportuhren der Läufer oder Gipfelfotos. Mit 15 Mal ist Steve Auch als Rekordhalter momentan gut dabei in der Challenge, wobei er sich sicher ist: „30 Mal sind sicher drin, aber wohl eher nicht von mir.“ Oft wird der Sportler, der zum Beispiel die Königsseeumrundung in fünf Stunden läuft, gefragt, ob er die Bergwelt überhaupt richtig genießen könne, wenn er – quasi im Schnelldurchgang – unterwegs ist: „Klar – ich habe halt die Eindrücke, die ein Wanderer in mehreren Etappen sammelt, komprimiert. Ich nehme mir immer Zeit, Fotos zu machen und habe immer offene Augen für die Naturschönheiten.“

„Am Ziel schwört man, das nie wieder zu tun.“

Das war es auch, was ihm bei seinem Dötzenkopf-Rekord so gefallen hat: „Das erste Mal war ich am Gipfel, als es noch dunkel war. Allmählich ging die Sonne auf und mit solchen, sich ändernden Eindrücken ging es über den ganzen Tag weiter.“ Abwechslungsreich war es auch deshalb, weil die Trailrunningszene wie eine Familie ist und er an dem Tag viele andere begeisterte Läufer getroffen hat. Sogar vom Rheinland und aus Österreich waren schon Teilnehmer am Dötzi – übrigens auch kostümiert.

Schwerwiegende körperliche Probleme spürt Auch beim Rennen – im Gegensatz zu früher – eher selten: „Ich musste schon Lehrgeld bezahlen, kann mich an ein Rennen erinnern, da krampften meine Ober- und Unterschenkel so, dass ich nicht mehr alleine aufstehen konnte. Aber inzwischen kenne ich meinen Körper gut und weiß genau, was er bei solchen Anstrengungen braucht.“

Trotzdem steht er bei jedem Event an der Startlinie und fragt sich, was um Himmels Willen er da macht: „Ich starte dann mit Musik und dann läuft der Körper irgendwann von alleine. Die letzten Meter lässt man dann die vergangenen Stunden Revue passieren. Am Ende kommt man mit Tränen und sehr emotional an der Ziellinie an. Und zwar mit dem Gedanken – das mache ich nie mehr“, grinst Auch, der abschließend erklärt, was einen Trailrunner ausmacht: „Naturverbundenheit, etwas Verrücktheit im positiven Sinne, Ungezwungenheit, die richtige Ausrichtung und ganz wichtig: die richtige Technik.“

Seine Erlebnisse beschreibt Auch auf seiner Homepage www.uptothetop.de. Mehr über den Salomon 4 Trails 2015 gibt es hier: www.4-trails.com.

Infos über die Dötzi-Challenge gibt es bei facebook, Suchwort Dötzi-Skyrace.


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