18.05.2011, 14:33 Uhr

Schwieriger Einsatz ist zu Ende Bayerwald-Kaserne rüstet für Zukunft

Kaserne in Regen: Nach dem Einsatz in Afghanistan ist die Zeit vor dem nächsten, der wohl 2013 kommen wird

REGEN Der gerade beendete Einsatz der Soldaten aus Regen in Afghanistan war der schwierigste in der 50-jährigen Geschichte des Batallions. Die Soldaten sind wieder zurück in der Kaserne – für Kommandeur Martin Reitmayr eine Gelegenheit, in einem Pressegespräch Bilanz zu ziehen. Seine Kernaussage: „Wir können in Afghanistan viele große Erfolge aufweisen, das Land ist sicherer geworden.“

Doch gerade für die Soldaten aus Regen war dieser Einsatz eine schwere Prüfung: Im Februar wurden bei einem Anschlag drei Männer der Truppe getötet. Es geschah im eigentlich gesicherten Bereich, im eigenen Lager. Dort waren die Männer gerade mit der Wartung eines Panzers beschäftigt, als ein Afghane das Feuer auf sie eröffnete. „Das ist ein Teil des Kampfes der Aufständischen“, sagt der Regener Kommandeur dazu. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es deren Ziel ist, unsere Moral und das Vertrauen zu unseren afghanischen Partnern zu zerstören.“ Deshalb galt: So schwer es den Männern auch gefallen sein mochte, von ihrem Auftrag und ihrer Arbeit ließen sie sich nicht abbringen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute mussten die Soldaten in Afghanistan mit Anschlägen rechnen, „und es hat viel gegeben, wo wir noch größere Katastrophen gerade noch verhindern konnten“, berichtet der Kommandeur. Doch insgesamt sei die Zusammenarbeit mit den Truppen aus Afghanistan und mit der dortigen Polizei sehr gut verlaufen, man habe in einem Lager zusammen unter einem Dach gewohnt und das Vertrauensverhältnis sei immer enger geworden.

Natürlich - nach dem Anschlag im Februar, war dies nicht mehr so einfach. „Natürlich hatte ich immer ein mulmiges Gefühl im Bauch. Aber ich wollte das unseren afghanischen Partnern nicht spüren lassen“, sagt Kreitmayr. Man habe weiterhin zusammen gearbeitet und dabei immer auf die höchstmögliche Sicherheit geachtet.

Mit Freude habe er über die zahlreichen Mahnwachen und die Anteilnahme in der Bevölkerung im Bayerischen Wald gelesen. „Die Anteilnahme hat mich gefreut und vor allem bin ich sehr froh und dankbar, dass viele Menschen im Bayerischen Wald zwar gegen den Einsatz in Afghanistan sind, deswegen aber trotzdem zu den Soldaten stehen.“ Gerade die kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz sei wichtig: „Diese Signale aus dem Volk sind wichtig, denn unser Einsatz ist demokratisch entschieden worden.“

Die Frage, ob deutsche Soldaten in Afghanistan etwas verloren haben, die müsse und dürfe sich auch jeder Soldat stellen. „Wir unterhalten uns sehr oft, diskutieren das Thema intern natürlich auch“, so Kreitmayr. Dabei sei für ihn die Antwort eindeutig: „Ich bin von Zielen des Einsatzes überzeugt, weil ich die Verbesserungen der Lage in Afghanistan mit eigenen Augen gesehen habe.“ So gebe es viele Regionen, zum Teil auch Rückzugsgebiete der Aufständischen, die befriedet worden seien. Dort könnten die Menschen wieder frei leben, sich frei bewegen – und auch die Soldaten spürten dies. Etwa wenn sie in Dörfern willkommen geheißen wurden, in denen ihnen vor Monaten nur Ablehnung und Hass entgegen geschlagen sei. „Über diese Erfolge wird in den Medien zu wenig berichtet“, so Kreitmayr. „Das schmerzt uns als Soldaten und das trägt auch nicht dazu bei, dass sich die Bevöllkerung in Deutschland ein objektives Bild über den Einsatz machen kann.“

Das Batallion habe den Einsatz nun abgeschlossen – und die Soldaten scheinen von ihrem Auftrag ebenfalls überzeugt zu sein. Denn bereits 40 Soldaten haben sich entschieden, ihre Dienstzeit bei der Bundeswehr auf sieben Jahre zu verlängern – verbunden mit der Aussicht, in zwei Jahren möglicherweise wieder nach Afghanistan zu müssen. Weitere 85 Soldaten  aus Regen haben sich dazu entschlossen, für acht, zwölf oder mehr Jahre im Batallion bleiben zu wollen.

Die Jahre 2011 und 2012 werden in der Bayerwald-Kaserne dazu genutzt, in die Ausbildung des Nachwuchses zu investieren und sich ab nächstem Jahr auf einen möglichen Einsatz 2013 vorzubereiten. Es ist auch möglich, dass 2012 einige Soldaten Unterstützungsaufgaben in Afghanistan erledigen müssen. Und so gilt: Nach dem Einsatz ist bei der Bundeswehr in Regen vor dem Einsatz.


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