Wildenberg

Rätsel um Känguru: „Skippy“ hält niederbayerisches Dorf auf Trab

Einfang-Versuche am Sonntag nicht erfolgreich – Herkunft des Beuteltiers unklar

03.05.2021 | Stand 03.05.2021, 13:08 Uhr

−Fotos: Feuerwehr Nierumelsdorf

Von Johannes Geigenberger

Einen solchen Einsatz hat die Freiwillige Feuerwehr Wildenberg (Landkreis Kelheim) noch nie absolviert: Am Sonntag versuchten 50 Kameraden, ein waschechtes Känguru einzufangen.

Zwar gelang es den Florianijüngern, das Beuteltier – Spitzname „Skippy“ – in einem Waldgebiet am Ortsrand zu umstellen. Doch das Känguru spielte nicht mit und hoppste erneut davon. Da zu diesem Zeitpunkt keine weiter Gefahr von dem Tier mehr ausging, brach die Feuerwehr in Rücksprache mit der Polizei den Einsatz ab.

Wildenbergs Kommandant Christoph Hirsch nimmt‘s mit Humor: „Vielleicht hätten wir eine Einkaufstasche aufstellen sollen und warten, bis das Beuteltier hineinklettert.“ Er berichtet, dass bereits Ende vergangener Woche Bürger zwischen Schweinbach, Wildenberg und Siegenburg das exotische Tier beobachtet hatten. So mancher rieb sich dabei verwundert die Augen – ein Känguru mitten in der Hallertau statt im australischen Outback? Nachdem die ersten Sichtungen jeweils nur immer von kurzer Dauer waren, schien am Sonntag die Chance für einen Einfangversuch gekommen. „Skippy“ hatte es sich in einem Rapsfeld nahe der B 299 gemütlich gemacht. Die Polizei alarmierte daraufhin die Feuerwehren aus Wildenberg und den Nachbardörfen Nierderumelsdorf, Schweinbach und Ludmannsdorf.

Alarmierung „Känguru im Rapsfeld“

„Wir haben natürlich schon sehr geschmunzelt, als da die Alarmierung ,Känguru im Rapsfeld‘ einging“, meinte Hirsch. Trotzdem ging man mit der nötigen Ernsthaftigkeit an die Sache heran – das Tier hätte schließlich auf die B299 laufen und dort den Verkehr gefährden können. Hightech kam zum Einsatz: Mit einer Wärmebildkamera lokalisierten die Feuerwehrler das Tier im Rapsfeld. „Wir konnten uns auch bis auf zwei, drei Meter nähern. Aber dann ist es simmer abgehauen“, schildert Hirsch.

„Skippy“ suchte daraufhin Schutz in einem nahen Waldgebiet, dass die Feuerwehrler dann mit einer Menschenkette umstellten. „Doch keine Chance, dass Tier ist einfach zu schnell und wendig gewesen“, verdeutlicht Hirsch. „Drum haben wir uns auch nach einer Stunde entschieden, den Einsatz abzubrechen.“

Ganz umsonst war der Einsatz aber trotzdem nicht, findet Hirsch: „Es war seit Beginn von Corona der erste Einsatz, wo mal wieder viele Kameraden zusammengekommen sind. Und auch, wenn jeder eine Maske aufhatte – man hat gesehen, wie jeder ein Grinsen im Gesicht hatte“, meint der Kommandant.

Känguru kommt nicht aus Abensberger Vogelpark

Völlig unklar ist unterdessen, woher „Skippy“ eigentlich stammt. Erste Gerüchte, wonach es im Abensberger Vogelpark entlaufen sein könnte – dort gibt es ein Känguru-Gehege – stellten sich als falsch heraus. „Bei uns fehlt keines der Tiere“, sagt Vogelpark-Chefin Erika Klemisch. „Außerdem wäre die Entfernung nach Wildenberg – 15 Kilometer – viel zu weit.“

Drum kann nur spekuliert werden, ob es sich nicht vielleicht um ein „Haustier-Känguru“ handelt, das von seinem Besitzer ausgesetzt worden ist. Denn bei der Polizei hat sich niemand gemeldet, der das Tier vermissen würde, teilt die zuständige Mainburger Inspektion mit, die daher auch keinen weiteren Anlass für Einfang-Versuche sieht.

„Wenn, dann ginge das auch nur mit Betäubungsgewehr“, sagt Erika Klemisch vom Vogelpark. „Angesichts der Sprungkraft und der Schnelligkeit hat man sonst keine Chance.“ Angst, dass das Tier sich bei uns in der freien Wildbahn nicht durchschlagen kann, müsse man unterdessen nicht haben. „Ein Känguru findet bei uns gerade im Frühling einen reich gedeckten Tisch und frisst alles von Gräsern über Knospen bis hin zu Blüten.“ Kein Wunder, dass es sich im Rapsfeld wohl gefühlt hat.