Erste Situla Deutschlands
Archäologen machen in Irlbach Sensationsfund aus dem fünften Jahrhundert vor Christus

17.07.2023 | Stand 14.09.2023, 21:09 Uhr |

Die Situla ist das erste Gefäß dieser Art, das je in Deutschland gefunden wurde. Sie stammt aus Irlbach und wird nun restauriert. −Foto: mel

Einen sensationellen Fund haben Archäologen im Landkreis-Straubing-Bogen gemacht. Auf einem Acker nahe Irlbach ist eine Situla – ein reich verzierter Bronzeblecheimer – aus dem fünften Jahrhundert vor Christus in einer Grabkammer entdeckt worden. Es ist ein einzigartiger Fund, der so in Deutschland noch nie gemacht wurde.



Der Kreisarchäologe des Landkreises Straubing-Bogen, Dr. Ludwig Husty, hat schon viele Dinge dem Erdboden entlockt. Dass ein Fund auf einem Acker nahe Irlbach im Spätherbst 2022 den Kreisarchäologen noch einmal sprachlos machen würde, hätte er selbst nicht gedacht. Doch heuer im Mai ist genau das passiert: Ein Sondengeher hatte eine Situla aus dem fünften Jahrhundert vor Christus gefunden und verständigte den Experten.

Bei dem Fund handelt es sich um einen Bronzeblecheimer, der reich mit Figuren verziert ist und der zur Aufbewahrung und dem Mischen von Flüssigkeiten verwendet wurde. Was sich zunächst unspektakulär anhört, ist doch etwas ganz Besonderes: Es ist ein einzigartiger Fund, der so in Deutschland noch nie gemacht wurde. Bundesweit ist es die erste Situla überhaupt, die entdeckt wurde.

„Sensationeller Fund“

Wenn ein erfahrener Kreisarchäologe einmal schwer nervös wird, muss es sich schon um etwas ganz Besonderes handeln. „Das ist ein sensationeller Fund, weil es ein Gefäß ist, das man hier nicht erwartet hätte. Es gibt weltweit nur etwa zwei Hände voll davon und bislang keines in Deutschland“, erklärt Husty voller Enthusiasmus. Die Situla ist aufwendig verziert: Menschen- und Tierfiguren sind zu erkennen, unter anderem ist auch ein Boxkampf und ein Wagenrennen dargestellt.

So kam es zu dem Sensationsfund in Irlbach



Doch wie kam es zu dem Fund? Franz Radlbeck aus Irlbach fand im Herbst 2022 die Situla auf einem Feld und meldete sich bei dem Kreisarchäologen. Den Verstorbenen hatte man vermutlich unter einem großen Grabhügel in einer hölzernen Grabkammer niedergelegt und mit spektakulären Beigaben versehen. Neben der Situla sorgen in der überregionalen Fachwelt derzeit noch weitere Funde für Aufregung. Es befanden sich außerdem zwei etruskische Bronzebecken und eine etruskische Bronzeschnabelkanne in dem Grab. Auch das begeistert den Archäologen Ludwig Husty: „An so etwas denkt man in dieser Gegend nicht.“ Gefunden wurden unter anderem auch mehrere keramische Gefäße, ein kleiner Goldring, drei auffällig polierte Steine und – der kurioseste Fund – ein versteinerter Seeigel.

Bestatteter war wohl einflussreiche Persönlichkeit



Das Grab zählt laut Husty zu den am reichsten ausgestatteten frühlatènezeitlichen, auch Jüngere Eisenzeit genannten, Gräbern des fünften Jahrhunderts vor Christus in Ostbayern. Wie der Archäologe sagt, muss es sich bei dem Bestatteten um eine einflussreiche Persönlichkeit gehandelt haben, die viel Geld hatte, denn die Grabbeigaben sind rar und waren früher so gut wie unerschwinglich. „Das muss ein Mark Zuckerberg der damaligen Zeit gewesen sein. Ein Fürst oder ähnliches“, schätzt Husty. Er fragt sich, weshalb es diese Persönlichkeit nach Irlbach geführt hat. Hat er dort gelebt oder war er nur auf der Durchreise? Naturwissenschaftliche Untersuchungen sollen Antwort auf diese Fragen liefern.

Situla wird restauriert und soll ausgestellt werden

Die Situla wurde am Sonntag im Irlbacher Begegnungshaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Fund wird nun restauriert. Die Experten wünschen sich, dass sie ausgestellt wird. Und Husty weiß auch schon den passenden Ort dafür: das Gäubodenmuseum in Straubing. „Der Fund kommt aus der Region und sollte auch in der Region bleiben.“ Das niederbayerische Exemplar ist besonders aufwändig gefertigt. Gefäße aus dieser Zeit, die derartig aufwendig verziert sind, wurden bisher nur in Oberitalien und im Gebiet des heutigen Slowenien entdeckt.