22.05.2019, 17:54 Uhr

Voneinander lernen Kampf gegen die Blaualgen – „Runder Tisch Eixendorfer See“ besucht den Altmühlsee

Regierungspräsident Axel Bartelt zusammen mit Vertretern des Runden Tisches Eixendorfer See, der Regierung von Mittelfranken und des Wasserwirtschaftsamts Ansbach bei der Exkursion am Altmühlsee. (Foto: Regierung der Oberpfalz/Roth)Regierungspräsident Axel Bartelt zusammen mit Vertretern des Runden Tisches Eixendorfer See, der Regierung von Mittelfranken und des Wasserwirtschaftsamts Ansbach bei der Exkursion am Altmühlsee. (Foto: Regierung der Oberpfalz/Roth)

Schon seit Jahren beschäftigen sich die Betreiber des Eixendorfer Stausees, dessen Anlieger und Nutzer, Kommunalpolitiker und Tourismusverantwortliche vor Ort mit der Verbesserung der Wasserqualität und im Sommer insbesondere mit immer wiederkehrenden Blaualgenblüten.

NEUNBURG VORM WALD Auf Vorschlag von Regierungspräsident Bartelt besuchte eine 20-köpfige Delegation des „Runden Tisches Eixendorfer See“ den Altmühlsee in Mittelfranken, mit dem Ziel, sich vor Ort über die dortigen Maßnahmen gegen die Blaualgen zu informieren. „Wir wollen gerne etwas von Ihnen lernen“, betonte der Regierungspräsident zu Beginn der Veranstaltung in Muhr am See. Der Altmühlsee ist wie der Eixendorfer See ein staatlicher Stausee inmitten eines größeren Einzugsgebietes einer Mittelgebirgs- bzw. Hügellandschaft und wurde aufgrund ähnlicher Probleme als Exkursionsziel ausgewählt.

Die oberpfälzer Delegation wurde vor Ort von Landrat Gerhard Wägemann Landkreis (Weißenburg-Gunzenhausen), Bürgermeister Dieter Rampe (Gemeinde Muhr am See) und vom Vertreter der mittelfränkischen Regierung, Bereichsleiter Robert Karl, begrüßt. Die oberpfälzer Gruppe begleiteten unter anderem Landrat Thomas Ebeling (Landkreis Schwandorf) und die beiden zweiten Bürgermeister der Anliegergemeinden des Eixendorfer Sees, Margit Reichl (Stadt Neunburg vorm Wald) und Wolfgang Spießl (Stadt Rötz), Bürgermeister Georg Hoffmann (Gemeinde Bodenwöhr) sowie Ehrenpräsident Luitpold Edenhart vom Fischereiverband Oberpfalz.

Thomas Keller, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Ansbach und Helga Pfitzinger-Schiele, zuständige Abteilungsleiterin beim Wasserwirtschaftsamt Ansbach, erklärten, dass bereits seit langem an der Bewältigung des Algenproblems am Altmühlsee untersucht, geforscht und gearbeitet werde. Hauptursache für das Algenproblem seien vor allem die hohen Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet des Altmühlsees. Unter den Nährstoffen ist im Wesentlichen Phosphor der dominante Nährboden für Algenwachstum. Zur Reduzierung des Problems habe man eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Linderung des Blaualgenproblems führten. Wer das Problem konsequent angehen möchte, benötigt einen langen Atem und muss sich des Problems mit einer Vielzahl von Maßnahmen im Zulauf des Sees, des Einzugsgebiets und im See selbst annehmen, so Keller. „Es gibt kein Patentrezept“, betonte er.

Bereits im Jahr 2009 wurden viele Anstrengungen unterschiedlichster Akteure gebündelt und in einem Maßnahmenplan festgeschrieben. Der vielleicht größte Verdienst war es damals, dass alle Beteiligten an einem Tisch gebracht wurden, ein gegenseitiges Verständnis entstand und so gemeinsam an den Zielen der Verbesserung der Wasserqualität bzw. des ungetrübten Freizeitspaßes gearbeitet wurde. Die bisherigen Anstrengungen der Wasserwirtschaft wurden konsequent fortgeführt, andere kamen hinzu. Um die abgeschwemmten Nährstoffe der Altmühl fernzuhalten, werden umfangreiche Uferstreifen entlang des Flusses erworben, auch als Grundlage für die naturnahe Umgestaltung der Altmühl.

Eine wichtige Maßnahme zu Verbesserung der Situation im See war die Anpassung des Fischbestandes. Ein sehr hohes Vorkommen von Weißfischen hatte dazu geführt, dass diese den Seeboden bei der Nahrungssuche immer wieder aufwühlten und so den See eintrübten und im Sediment befindliche Nährstoffe immer wieder zur Algenbildung beitragen konnten. Außerdem ernähren sich diese Weißfische von Zooplankton – mikroskopisch kleine Krebse, die sich wiederum vom Phytoplankton – also Algen – ernähren. Deshalb werden seit 2004 regelmäßig Weißfische aus dem See abgefischt. Insgesamt bislang über 400 Tonnen. Die Sichttiefe des Sees hat sich seitdem verdoppelt. Zudem gibt es nun auch ein Sedimentmanagement der Wasserwirtschaftsverwaltung rund um den See. Die bei Hochwasser von der Altmühl eingeschwemmten nährstoffreichen Sedimente werden immer wieder mit Saugbaggern entfernt. Die in Spülfeldern ausgetrockneten Sedimente werden der Landwirtschaft zur Bodenverbesserung wieder zur Verfügung gestellt.

Auch die Kommunen im Einzugsbereich des Sees beteiligten sich maßgeblich an der Reduzierung des Phosphoreintrags in den See. So wurden mehrere Kläranlagen mit Unterstützung eines Sonderförderprogramms des Freistaats Bayerns mit einer Phosphatfällung aufgerüstet. Dies trage nachweislich sehr effektiv dazu bei, den Phosphorgehalt in der Altmühl zu reduzieren, so Thomas Keller.

Auch die Landwirtschaft leistet ihren Beitrag, da abgesehen von den punktuellen Einträgen aus Kläranlagen etwa 60 Prozent der Phosphorfracht diffus aus landwirtschaftlichen Flächen in den Altmühlsee eingetragen wird. Maria Stichlmair von der Regierung von Mittelfranken erklärte, dass man die Landwirte im Einzugsgebiet intensiv berate, um beispielsweise der Bodenerosion vorzubeugen. Das Einzugsgebiet des Sees sei 122 Mal so groß wie die gesamte Seefläche und umfasse rund 1.000 Betriebe. Das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) unterstützt die Landwirte hierbei und fördert gezielt Maßnahmen zum Klima-, Boden- und Wasserschutz wie extensive Gründlandnutzung entlang von Gewässern, die Umwandlung von Acker- in Grünland oder Mulchsaatverfahren bzw. Winterbegrünung beim Anbau von Mais. Die Wasserberater spielen mit ihrer vor Ort Beratung am Hof dabei eine wichtige Rolle.

Über das Programm „boden:ständig“ informierte Jakob Meier vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Diese landesweite Initiative der Ländlichen Entwicklung ermöglicht im Zusammenwirken von Kommunen, Landwirten, Wasserwirtschafts- und Landwirtschaftsbehörden durch geeignete Landschaftsstrukturen wie kleine Rückhaltebecken oder Sedimentfallen, Gewässerrenaturierungen, erosionsarme Ackernutzung den Boden- und Gewässerschutz auf freiwilliger Basis zu optimieren. Mit dieser Art von Flurgestaltung will man dem hohen Boden- und Nährstofftransport bei Niederschlägen in Richtung Gewässer spürbar reduzieren. Auch im Einzugsgebiet des Eixendorfer Stausees wurde ein Verfahren ins Laufen gebracht. Spezielle Beratungsinitiativen für Landwirte gibt es seit dem Start eines Forschungsvorhabens der Landesanstalt für Landwirtschaft im Jahr 1999.

Auch die Tourismusverantwortlichen im Fränkischen Seenland haben sich intensiv mit der Situation am Altmühlsee auseinandergesetzt. Daniel Burmann von Zweckverband Altmühlsee informierte über ein alternatives Angebotspaket für Touristen und Naherholer jenseits der Seenutzung. So wurde ein Wegenetz für Wanderer, Fahrradfahrer, und Inlineskater ausgebaut, ein großer generationenübergreifender Spielplatz errichtet und der Naturtourismus gefördert, um mehr Unabhängigkeit von der reinen Seenutzung zu erreichen. „Dieses Ersatzangebot funktioniert sehr gut“, so Burmann.

Regierungspräsident Axel Bartelt zeigte sich stark beeindruckt von den vielfältigen umgesetzten Maßnahmen und dem positiven Miteinander am Altmühlsee: „Der lange Weg hat sich mehr als gelohnt. Ich bin beeindruckt von dem, was Sie hier alles geschafft haben. Jetzt gilt es zu prüfen, ob es möglich ist, diese Maßnahmen auch am Eixendorfer See umzusetzen“. Darüber hinaus lobte der Regierungspräsident das gute Miteinander aller Akteure vor Ort. „Das ist sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg. Auch uns wird es nur gelingen, spürbare Verbesserungen am Eixendorfer See zu erreichen, wenn wir alle zusammenwirken“, so Bartelt.

Im Juni steht noch eine weitere Exkursion des Runden Tisches zum Stausee in Bautzen in Sachsen an. „Dort werden wir weitere Erkenntnisse sammeln, wie beispielsweise zur algenreduzierenden Seewasserbewirtschaftung mittels Entnahmeturm“, informierte der Regierungspräsident. Nach Abschluss der beiden Exkursionen wird der Runde Tisch Eixendorfer See nochmals im Sommer zusammenkommen und das weitere Vorgehen am Eixendorfer See besprechen.


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