02.05.2018, 10:10 Uhr

Mangel an Nistplätze Bedrohte Flugkünstler kehren aus Überwinterungsgebieten zurück

(Foto: Marcel Fröhlich/LBV)(Foto: Marcel Fröhlich/LBV)

Mit den warmen Temperaturen kehren auch die geflügelten Sommerboten aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zum Brüten in den Freistaat zurück. Doch wie allen Gebäudebrütern mangelt es den Mauerseglern an geeigneten Nistplätzen.

BAYERN Als reine Insektenfresser macht ihnen auch der zunehmende Insektenmangel zu schaffen. Seit 2016 sind die Flugkünstler auf der Roten Liste Bayerns sogar als gefährdet eingestuft. Um dem Bestandsrückgang entgegenzuwirken, setzt sich der LBV mit dem vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“ für den Schutz der Mauersegler und anderer Gebäudebrüter ein. Ab Ende Mai geht auch die LBV-Mauersegler-Webcam wieder online (www.lbv.de/mauersegler-webcam), über die man die gefährdeten Vögel live bei Brut und Aufzucht beobachten kann.

„Als wahre Flugkünstler verbringen Mauersegler fast ihr ganzes Leben in der Luft und legen dabei pro Jahr fast 200.000 Kilometer zurück“, erklärt Lorena Heilmaier vom LBV-Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“. Gejagt, gefressen und sogar geschlafen wird im Flug. „Das Brüten unter den bayerischen Dächern ist die einzige Tätigkeit, zu der ein Mauersegler freiwillig landet“, weiß die Biologin. Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Insekten. Bereits die Küken werden ungefähr einmal pro Stunde mit einer haselnussgroßen Futterkugel aus Insekten gefüttert.

Werden die jungen Mauersegler nach zwei Jahren geschlechtsreif, suchen sie sich einen geeigneten Nistplatz in dunklen Hohlräumen an Gebäuden. Dabei sind sie unauffällig und hinterlassen kaum Spuren, sodass viele Menschen gar nicht wissen, dass Mauersegler unter ihrem Dach brüten. „Um einen Einblick in das verborgene Leben der Vögel zu bekommen, richtet der LBV jedes Jahr eine Webcam ein, mit deren Hilfe man einen einzigartigen Blick in Brut und Aufzucht der Mauersegler bekommen kann“, erklärt Heilmaier. Ab Ende Mai ist die Webcam unter www.lbv.de/mauersegler-webcam zu erreichen.

Kommt es bei Fassaden- oder Dacharbeiten zum illegalen Abriss oder Verschluss der Nistplätze, verlieren die ortstreuen Vögel ihren Brutplatz oder sogar die Brut. Auch Neubauten bieten wenig Unterschlupf, denn aufgrund heutiger energetischer Bauweisen bleibt kein Platz mehr, an dem Vögel brüten können. Daher ist es umso wichtiger, bereits bei der Planung von Gebäuden Quartiere von Gebäudebrütern zu berücksichtigen. In Städten, in denen sehr viel gebaut wird, ist die Lage besonders dramatisch. München hat deshalb reagiert: Auf stadteigenen Grundstücken müssen Bauträger nun eine klar definierte Anzahl an Brutplätzen schaffen. „Eine Vorgabe für Gebäudebrüterquartiere an Neubauten wünschen wir uns auch für andere Städte, damit sich die Bestände von Mauersegler, Spatz und Co. erholen können“, fordert Lorena Heilmaier.


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