14.04.2018, 08:37 Uhr

Nuclear Energy Conference 2018 in Prag „Granitgestein nicht für Atommüll-Endlager geeignet“

(Foto: BI „Kein Endlager im Fichtelgebirge“)(Foto: BI „Kein Endlager im Fichtelgebirge“)

Granit ist nicht zur Endlagerung von Atommüll geeignet. Das war das Fazit der Nuclear Energy Conference 2018 in Prag. Auch die Bürgerinitiative „Kein Endlager im Fichtelgebirge“ hat daran teilgenommen.

MARKTREDWITZ Als Hauptreferent war Dr. Johan Swahn, der Direktor des MKG, extra aus Schweden angereist. Das MKG ist das schwedische Büro der Umweltschutzverbände für die Kontrolle des Umgangs mit Atommüll. Johan Swahn sagte: „Schweden und Finnland werden allgemein für Länder gehalten, die im Prozess der Endlagersuche am weitesten vorangekommen sind. Jetzt zeigte es sich aber dank der Kontrolle durch die Öffentlichkeit, dass die wichtigste technische Voraussetzung falsch ist. Die schwedische Endlagersuche hat dadurch einen schweren Rückschlag erlitten. Das schwedische und finnische Modell der Endlagerung setzte schon lange Jahre fest darauf, dass der Atommüll in Kupferbehältern eingeschlossen werden könne. Eine lange Zeit schien das die am geeignetste Form der Endlagerung in Granitmassiven zu sein. Aber dank den öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Unterlagen entdeckte man Fehler bei der Erforschung der Korrosion der Kupferbehälter. Anders gesagt, ist die Korrosion der Kupferbehälter ein bisschen anders, als man gedacht hat. Sie setzt stärker und früher ein als angenommen. Aufgrund dieser Erkenntnis hat der schwedische Gerichtshof für Umweltfragen der Regierung empfohlen, die Lizenz zum Bau des Endlagers nicht zu erteilen. Die schwedische Regierung kann nun zwar das Endlager immer noch genehmigen. Aber das wäre nun eine rein politische Entscheidung. Das Problem betrifft neben Schweden auch Finnland, Tschechien, Deutschland und einige andere Staaten, da man auch dort mit der Verwendung dieser Behälter gerechnet hat.“

„Unser Held ist Johan Swahn. Granit kann in keinem Land der Welt mehr als sicheres Endlager gelten“, sagt die Grünen-Kreisrätin Brigitte Artmann aus dem Landkreis Wunsiedel, die zusammen mit Kollegen als Vertreterin der oberfränkischen BI „Kein Endlager im Fichtelgebirge“ in Prag war.

Kritik an einem Tiefenlager im Allgemeinen und an allen drei Gesteinsarten Granit, Salz und Tonschiefer äußerte Roman Lahodynsky. Der Geologe ist Experte für Bruchtektonik und Einstürze von Gesteinen an der Universität für Bodenkunde der Uni Wien. Auch Jan Haverkamp von Nuclear Transparency Watch zweifelte an der Sicherheit von Tiefenlagern und forderte ein komplettes Überdenken und Neuausrichten aller Endlagerungskonzepte.

Die tschechischen Besonderheiten der Tiefenendlagerung beleuchtete Matej Machek, Experte des tschechischen Geophysikalen Instituts der Akademie der Wissenschaften. Eine sichere Lagerung des abgebrannten Atombrennstoffs für hunderttausend Jahre ist nicht möglich. Nach wie vor ist das eines der größten Probleme der heutigen Welt. Obwohl man keine Sicherheit hat, ob es gelingt, eine langfristig sichere Lösung zu finden, produziert man weiter ein tödliches Erbe für die heutigen Kinder und kommende Generationen.

Die Auswahl der Endlagerstandorte in Tschechien ist nicht nur eine geologische Frage, sondern es müssen auch die Rechte der Standort-Gemeinden gestärkt werden, für Transparenz gesorgt werden. sowie eine Beteiligung für die Öffentlichkeit geschaffen werden, sagte Edvard Sequens, der Energieexperte des Vereins Calla. Heute herrscht in der Tschechischen Republik ein lang andauernder Streit zwischen den staatlichen Behörden und den betroffenen Kommunen. Die Öffentlichkeit ist komplett ausgeschlossen.

Michael Sailer vom Ökoinstitut in Freiburg sprach als ehemaliges Mitglied der deutschen Endlagerkommission über die deutsche Endlagersuche und die im Gegensatz zu Tschechien offener aufgebaute Öffentlichkeitsbeteiligung. Er sagte „Deutschland entschied sich, seinen Atomabfall auf deutschem Gebiet zu lagern und als Hauptkriterium für die Auswahl des Standortes wurde die maximal erreichbare Ebene der Sicherheit der Endlagerung bestimmt. Der Prozess der Endlagersuche läuft in drei Schritten. In allen drei Fällen entscheidet das Parlament nach einem transparenten öffentlichen Beteiligungsprozess.“ Damit erntete er aber dennoch harsche Kritik aus Gorleben von der anwesenden Kerstin Rudek von der BI Lüchow-Dannenberg sowie von Herbert Barthel vom Bund Naturschutz.

Veranstalter der Konferenz in Prag waren die Südböhmischen Mütter gegen Atomkraft, die Organisation Duha und der Verein Calla. Die drei Organisationen engagieren sich federführend in der tschechischen Endlagersuche.

Hilde Lindner Hausner von der BI „WAA NAA“ aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab konnte wegen familiärer Verpflichtungen nicht an der Konferenz in Prag teilnehmen. Der Oberpfälzer Wald ist möglicher Granit-Endlagerstandort. Sie sagt: „Granit muss nach der schwedischen Erkenntnis aus der deutschen Endlagersuche herausgenommen werden. Das eingesparte Geld kann in der Pflege oder der Jugendhilfe besser verwendet werden.“


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