16.10.2020, 13:58 Uhr

Waldbilanz Geschäftsjahr 2020 – Folgen des Klimawandels sorgen erstmals für Verlust bei den Bayerischen Staatsforsten

Eine von den Bayerischen Staatsforsten entwickelte App beschleunigt die Suche nach von Borkenkäfern befallenen Bäumen.  Foto: Martin Hertel/Bayerische StaatsforstenEine von den Bayerischen Staatsforsten entwickelte App beschleunigt die Suche nach von Borkenkäfern befallenen Bäumen. Foto: Martin Hertel/Bayerische Staatsforsten

Die Bayerischen Staatsforsten ziehen trotz Trockenheit, Hitze, Stürmen und Schadinsekten eine positive Waldbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr: Die wichtigsten strategischen Ziele, den Wald gesund zu erhalten und die Holzvorräte zu sichern bzw. auszubauen, konnten unter großen Anstrengungen erreicht werden.

Regensburg. Die Bayerischen Staatsforsten haben auf ihrer Bilanzpressekonferenz in München für das Geschäftsjahr 2020 ein zweigeteiltes Resümee gezogen: Aufgrund der hohen Anstrengungen bei der Bekämpfung von Borkenkäferschäden konnten die Bayerischen Staatsforsten die Holzvorräte im bayerischen Staatswald gesund erhalten. „Unsere Richtschnur ist: Kein Quadratmeter Staatswald wird aufgegeben. Mit einem hoch professionellen Borkenkäfermanagement, mit großem Personaleinsatz und Kostenaufwand arbeiten wir alle Borkenkäfer- und Sturmschäden auf“, so Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. „Wir wollen unsere hohen Vorräte gesund erhalten. Und wenn sich der Holzmarkt für die Waldbesitzenden wieder beruhigt, wollen wir der führende Anbieter von qualitativ hochwertigem Nadelholz in Deutschland und Mitteleuropa sein“, so Neumeyer weiter.

Aber die hohen Waldschutz-Anstrengungen kombiniert mit dem schadholzbedingten starken Holzpreisverfall haben dazu geführt, dass die Bayerischen Staatsforsten erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen operativen Verlust von 36 Millionen Euro ausweisen müssen. „Wir befinden uns aktuell in der schwierigsten Phase seit Unternehmensgründung. In Absprache mit dem Eigentümer Freistaat Bayern und dem Aufsichtsrat haben wir die notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen, u.a. ein Aufwandsmanagement und eine begrenzte Kreditaufnahme im laufenden Geschäftsjahr. Die wirtschaftliche Lage ist zwar aktuell angespannt, wir sparen aber nicht am Wald und unseren Generationenverpflichtungen“, so Staatsforsten-Chef Neumeyer.

Einschlag im Zielkorridor

Mit 5,12 Millionen Festmetern eingeschlagenem Holz (Geschäftsjahr 2019: 4,34 Millionen Festmeter) liegen die Bayerischen Staatsforsten – bedingt durch die hohe Schadholzmenge – im Rahmen des nachhaltigen Hiebsatzes und deutlich unter dem Zuwachs, also der Holzmenge, die jedes Jahr nachwächst. „Im Vergleich zu anderen Forstbetrieben in Deutschland und Mitteleuropa konnten wir den Einschlag im Zielkorridor halten und mussten aufgrund hoher Schäden nicht deutlich mehr Holz ernten, als es das Gebot der Nachhaltigkeit zulässt. Das ist ein großer Erfolg“, so Neumeyer.

In den Verkauf gingen 4,2 Millionen Festmeter. Das ist weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre. Neumeyer: „Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn in der aktuellen Krise der deutschen Forstwirtschaft mit hohen Schadholzmengen, die auf den Markt drängen, und den niedrigsten Holzpreisen seit über 20 Jahren zu viel Holz auf den Markt zu geben. Unsere Devise im abgelaufenen Geschäftsjahr lautete: Nicht mehr Holz als unbedingt notwendig auf einen schlechten Markt geben.“

Finanzielle Situation

Die Folgen des Klimawandels und die damit verbundene und bereits seit mehreren Jahren andauernde Holzmarktkrise führen zur bislang kritischsten finanziellen Situation der Bayerischen Staatsforsten. „Ohne mittelfristige und nachhaltige Sicherungs- und Stützungsmaßnahmen kann sich die Krise zu einer sehr ernsten wirtschaftlichen Gefahr für das Unternehmen entwickeln“, so der neue Finanzvorstand Manfred Kröninger. Um die Handlungsfähigkeit und Liquidität unseres Unternehmens zu sichern, werden wir langfristige Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen. Dadurch stehen im Bedarfsfall ausreichend zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung“, so Kröninger.

Auf der Ausgabenseite werden weitere Maßnahmen der Kostenkontrolle umgesetzt sowie die Fokussierung der Ausgaben auf die Kerntätigkeiten – also den Schutz und Erhalt des Waldes – vorangetrieben. „Neben der Verbesserung der Umsatzsituation müssen wir in den nächsten Jahren deutlich zurückhaltender bei Sachinvestitionen und Ausgaben sein“, so Kröninger weiter. Auch eine Kapitalstärkung durch Neustrukturierung des Eigenkapitals und der Versorgungsleistungen wird angestrebt.

Waldumbau in vollem Gange

Das Erreichen des wichtigsten strategischen Ziels, den Wald gesund zu erhalten, ist die Basis für leistungsstarke Klimawälder von morgen. Diese binden das Kohlenstoffdioxid und speichern es als langlebige Holzprodukte oder substituieren es gegenüber anderen Baustoffen. „Der Wald und dessen Bewirtschaftung ist zentral, um die Folgen des Klimawandels, die wir alle spüren, zu mildern“, so Waldbau-Vorstand Reinhardt Neft.

Dafür werden die Wälder schon seit über 30 Jahren zu stabilen und klimatoleranten Mischwäldern umgebaut. „Der große bayerische Waldumbau ist in vollem Gange. Wir pflanzen bis 2024 30 Millionen neue Bäume, darunter 5 Millionen sogenannte Klimawald-Kulturen, die uns die Staatsregierung zusätzlich ermöglicht. Entscheidend für den erfolgreichen Waldumbau und die Zukunftsfähigkeit des Waldes für kommende Generationen wird es sein, die richtigen Baumarten einzusetzen, d.h. Baumarten zu nutzen, die dem Klimawandel – also höheren Temperaturen, mehr Trockenheit, weniger Niederschlägen – standhalten“, so Neft weiter.

Dabei setzen die Bayerischen Staatsforsten auf bewährte Baumarten wie Tanne, Eiche, Douglasie, Buche – aber auch auf ältere, oft in Vergessenheit geratene Baumarten wie Elsbeere, Flatterulme, Esskastanie, Kirsche, Eibe, Feldahorn, Sommer-/Winterlinde. Dadurch kommt es zu einer größeren Vielfalt im Wald – nach dem Prinzip mindestens 4 Baumarten auf einer Fläche.

Holz als Rohstoff der Zukunft

Mittel- bis langfristig ist die Perspektive für den größten deutschen Forstbetrieb positiv. „Wir verspüren seit einigen Wochen im Süden und in der Mitte Bayerns wieder eine steigende Nachfrage nach frischem Nadelholz. Wir rechnen im Verlauf des Jahres 2021 für die Waldbesitzenden, dass sich die steigende Nachfrage auch in steigenden Preisen wiederspiegeln“, so Staatsforsten-Chef Neumeyer. Auch die Borkenkäferschäden stimmen optimistisch: Besonders im Süden blieben die Schadmengen weit hinter den Prognosen des Frühjahrs zurück. „Wir rechnen aufgrund geringerer Schäden und einer langsameren Entwicklung damit, dass wir im nächsten Jahr mit einer deutlich geringeren Ausgangspopulation starten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die frisch befallenen Käferbäume auch im Herbst und Winter konsequent aufgearbeitet werden“, ergänzt Neft. Und auch der Blick auf den Rohstoff Holz birgt Zuversicht: „Der Rohstoff Holz wird stark an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen – auch weil er unter den Rahmenbedingungen der Herausforderungen des Klimawandels die richtigen Antworten gibt. Der verstärkte Einsatz von Holz zum Beispiel im Bau und der Bioökonomie trägt zu einer besseren CO2-Bilanz unserer Gesellschaft bei“, so Neumeyer abschließend.


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