30.09.2019, 18:42 Uhr

Schauplatz der Regionaltage Öko-Modellregion – „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ in Brennberg

Jungbauer Andreas Adlhoch informiert über Blühflächen. (Foto: Resi Beiderbeck)Jungbauer Andreas Adlhoch informiert über Blühflächen. (Foto: Resi Beiderbeck)

Der Landkreis Regensburg ist staatlich anerkannte Öko-Modellregion und die Gemeinde Brennberg ist „Marktplatz der biologischen Vielfalt“. Da passte es ausgezeichnet, bei einem Aktionstag in Brennberg Themen wie Öko-Landbau, Bodengesundheit und alte Haustierrassen herauszustellen. Die Sensibilisierung der Verbraucher, verstärkt das zu genießen, was es direkt in der Region gibt, ist ein gemeinsames Ziel. Den Blick auf das Naheliegende zu werfen und zum Nachdenken anzuregen, sind wichtige Aspekte der Regionaltage.

LANDKREIS REGENSBURG Gerne nahm die Gemeinde Brennberg diesen Gedanken auf und war wie in allen vergangenen Jahren auch 2019 wieder mit einer Aktion dabei. Seit 2018 ist Brennberg „Marktplatz der biologischen Vielfalt“. Landwirte, Bürger, Vereine, aber auch Betriebe sollen dabei mitmachen und das tun sie auch. So gründete sich ein „Arbeitskreis Biodiversität“, dessen Mitglieder anlässlich der Regionaltage des Landkreises einen Aktionstag organisierten.

„Werden Sie Pate von Blühflächen“, hatte Jungbauer Andreas Adlhoch im Frühjahr die Verbraucher eingeladen. Für 50 Euro je 100 Quadratmeter konnte jeder mitmachen und sich so aktiv am Artenschutz beteiligen. „Und aus jeder Patenschaft mache ich freiwillig zwei“, so lautete Adlhochs Versprechen, die Fläche auf eigene Rechnung zu verdoppeln. Die Resonanz war enorm und den ganzen Sommer über blühte es üppig auf ehemaligem Ackerland. Beim Aktionstag lud der Landwirt nun dazu ein, diesen Beitrag für eine intakte Umwelt zu begutachten. Klatschmohn und Sonnenblume, Ölrettich, Boretsch, Leindotter, Wilde Möhre, Luzerne, Flockenblume, Natternkopf und sechs verschiedene Kleesorten wachsen hier. Bis Mitte März 2020 bleiben die Blühflächen stehen, denn viele Arten überleben den Winter in den Stengeln. Ab Ende März wird dann wieder ganz normal Getreide angebaut.

Insgesamt wurden auf dem Adlhoch-Hof heuer zwei Hektar Blühflächen ausgesät, erfuhren die Gäste. „Entlang des Maisfeldes lege ich seit Jahren immer einen Streifen an, weil es schön aussieht, Abwechslung schafft und weil viele Insektenarten darauf angewiesen sind“, erklärte der Landwirt. Ein Hektar baut er jedes Jahr im Rahmen des Kulturlandschafts-Programms auf wechselnden Flächen an. Eine Mischung auszusäen und fünf Jahre am gleichen Standort zu lassen, betrachtet er als schwierig. Als Beispiel zeigte er eine Distel. Innerhalb von drei Jahren würde die sich im Feld derart ausbreiten, dass man Schwierigkeiten bekäme, sie mit den dann bis zu fünf Meter langen Wurzelausläufern wieder loszuwerden.

Information gehört zu Blühflächen-Patenschaften dazu

An Ort und Stelle zu sehen, wie gut die Blühflächen-Patenschaften funktionieren, gefiel den Besuchern. Einfach nur Geld zu überweisen, das wäre den Paten auch zu wenig gewesen. Jetzt mehr über den Hof und die Alltagsprobleme des Bauernstandes zu erfahren, ist Teil des Projektes. So erfährt man, dass Wernetsgrub kein Biohof ist, aber ein durchaus extensiv wirtschaftender Betrieb „mit Hang zu Bio“. Zum Hof gehören Flächen, die mit dem Güllefass gar nicht befahrbar sind und deswegen überhaupt nicht gedüngt werden. Man habe sich eingehend informiert, auch schon einen Bio-Berater auf dem Hof gehabt, aber einsehen müssen, dass der extreme Kostenfaktor die Umstellung unmöglich macht. „Es wäre ein gewaltiger Stallumbau notwendig. Außerdem nehmen die Molkereien momentan gar keine neuen Biomilch-Lieferanten an, weil die Nachfrage der Verbraucher zu gering ist“, so Adlhoch.

Auf der Aktionsmeile zeigten zudem Landwirtschaftsmeisterin Christina Fichtl und ihre Helferinnen, wie ein Butterfass funktioniert. Auf Holzofenbrot schmeckte die mit Wildkräutern verfeinerte Butter wunderbar. Bioland-Imker Matthias Fink informierte über das Leben von Bienen und Wildbienen. Aus Draht, Zweigen und Gips durften Kinder Phantasie-Pflanzen basteln. Mit Schäfer Andreas Nieling und seinem Hütehund konnte man die Krainer Steinschafe auf der Bioweide besuchen. Dabei erfuhr man Wissenswertes über diese uralte, selten gewordene Haustierrasse.

Nicht nur Gemeinden, sondern auch immer mehr Firmen machen sich auf den Weg hin zur Förderung der Artenvielfalt. Eine davon ist die IRS Systementwicklung GmbH mit 70 Mitarbeitern. Reinhard Schiegl hat den Betrieb 1991 als Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Im Verlauf der letzten 20 Jahre wurde der IRS-Standort in Schwaig, Gemeinde Brennberg, in mehreren Etappen erweitert und jeweils naturnah gestaltet. Das mittelständische Unternehmen arbeitet für 430 Kunden in aller Welt und setzt auf Instrumente zur Förderung der Artenvielfalt. Die Büros und Werkstätten umgibt ein naturnaher Firmengarten. Die Ingenieure und Elektroniker arbeiten sozusagen zwischen alten Bäumen und ortstypischen Findlingen.

IRS Systementwicklung als Vorbildunternehmen gelistet

Tatsächlich wurde beim Planen der Firmengebäude und Parkplätze um die Natur herum gebaut, sodass der Bestand an Gehölzen, Lesesteinhaufen und Hecken erhalten blieb. Naturnahe Elemente wie Nistkästen, heimische Stauden, Wildblumen- und Streuobstwiesen kamen dazu. Diese Symbiose aus Wirtschaft, Natur und Technik erfährt internationale Aufmerksamkeit. Im LIFE Programm der EU hat man IRS als Vorbildunternehmen gelistet (www.biodiversity-premises.eu). In Kombination mit neu angelegten naturnahen Wiesen, Hochstammobstbäumen und heimischen Sträuchern sind Lebensräume entstanden, die von Kleinsäugern, Eidechsen und Vögeln gerne in Anspruch genommen werden.

Was es mit der firmeneigenen Biodiversitätsstrategie auf sich hat, das konnten die Besucher beim Aktionstag erleben. „Grüne Arbeitswelt im IT-Bereich“, so lautete das Motto und es gab dabei auch die Gelegenheit, die neuen Freiluftbüros zu besichtigen. Das naturnah und bedürfnisorientiert gestaltete Firmengelände mit hoher Aufenthaltsqualität bietet den Mitarbeitern zahlreiche direkte Zugänge vom Arbeitsplatz ins Freie. Das trägt dazu bei, Stress abzubauen, und sichert wertvolle Kreativität. Landschaftsarchitekt Anton Robl erläuterte bei einem Rundgang die Gestaltungsinhalte. Reinhard Schiegl gab Auskunft über seine Sichtweise zur Symbiose zwischen Wirtschaft, Natur und Technik.

Nach dem Aktionstag werden die gemeinsamen Anstrengungen von Landkreis und Gemeinde fortgesetzt. „Es wird eine enge Zusammenarbeit zwischen der Öko-Modellregion Landkreis Regensburg und der Biodiversitätsgemeinde Brennberg geben“, sagt Elisabeth Sojer-Falter. „Die Entwicklung verschiedener Projekte steht bevor und man darf gespannt sein, was an Ideen umgesetzt werden kann“, so die Leiterin der Regionalentwicklung im Landratsamt Regensburg.


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