29.05.2019, 14:28 Uhr

Sturzfluten durch Starkregen Bayernweite Befragung zum Thema „Hochwasserschutz in Bayern“

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Hochwasser kann fast alle Menschen in Bayern treffen. Doch viele Bayern fühlen sich davon nicht bedroht. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Umfrage „Hochwasserschutz in Bayern“, die anlässlich des Pfingsthoch-wassers 1999, das sich 2019 zum 20. Mal jährt, durchgeführt wurde. Befragt wurden im Auftrag der Initiative Hochwasser.Info.Bayern insgesamt 1.400 Personen im Freistaat.

REGENSBURG Ein Ergebnis ist für Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Regensburg, besonders beunruhigend. „Obwohl sich ein Drittel der Bayern als gut informiert in Sachen Hochwasserschutz bezeichnet, wissen lediglich 13 Prozent, dass Starkregen fast jeden treffen kann.“ Besser wissen es nur die Personen in Bayern, die schon mehrmals persönlich von Hochwasser betroffen waren, immerhin fast die Hälfte der Befragten. In der Oberpfalz war jeder siebte der Befragten schon einmal von Überflutungen betroffen. Kein Wunder, dass für knapp die Hälfte der Befragten in der Region Hochwasserschutz ein wichtiges Thema ist. Auslöser für 87 Prozent der Schäden durch Überflutungen war in der Oberpfalz Starkregen. „Von Starkregen können nicht nur die Anwohner in der Nähe von Gewässern betroffen sein, sondern jeder!“, so der Leiter des Regensburg Wasserwirtschaftsamtes.

„Eine hundertprozentige Sicherheit vor Überflutungen gibt es trotz technischer Hochwasserschutzmaßnahmen nicht“, betont Josef Feuchtgruber. „Die Schäden durch Überflutung zu reduzieren ist zwar eine Gemeinschaftsaufgabe. Aber jeder kann und soll einen Teil dazu beitragen. Wirksamer Hochwasserschutz beginnt nämlich bei der Eigenvorsorge.“ Diese Aussage teilen allerdings nicht einmal ein Drittel der Befragten. Sie vertrauen lieber auf den Staat. Einzige Ausnahme sind die mehrfach von Hochwasser Betroffenen: 44 Prozent von ihnen wissen, dass sie durch ihr Handeln Hochwasserschäden reduzieren können.

„Ich rate jedem, sich darüber zu informieren, wie man sich selbst vor Hochwasser schützen kann. Schon kleine bauliche Maßnahmen am Haus können Folgeschäden stark reduzieren“, so der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Wer von Hochwasser betroffen war, weiß das: 79 Prozent dieser Personen haben nach Hochwasser Schutzmaßnahmen umgesetzt, am häufigsten wurde der Keller abgedichtet. Offenbar wird Vorsorge erst zum Thema, nachdem Schäden durch Hochwasser entstanden sind. Und nur drei von zehn Befragten in Bayern sind davon überzeugt, dass sie durch ihr eigenes Handeln die persönlichen Schäden durch Überflutungen reduzieren können. Am stärksten ist diese Überzeugung bayernweit in der Oberpfalz (36 Prozent). Dabei drängt die Zeit. Das ist den Bürgerinnen und Bürgern durchaus bewusst: Dass der Klimawandel das Risiko von Überflutungen erhöht, glauben bayernweit 73 Prozent, in der Oberpfalz 78 Prozent, der höchste Wert in ganz Bayern.

Die Mehrheit der Bayern würde sich im Falle einer Überflutung in Lebensgefahr begeben, um ihr Hab und Gut im Keller oder in der Tiefgarage zu retten. „Das ist fatal, denn sobald das Wasser auch nur ein paar Zentimeter steigt, kann es sein, dass sich die Türen nicht mehr öffnen lassen“, warnt Josef Feuchtgruber. Ist eine Zimmertür etwa knietief eingestaut, so müsste man mit umgerechnet über 100 Kilo dagegen drücken, um sie zu öffnen. „Wer sich entsprechend versichert, kann sich während eines Hochwassers um sich selbst kümmern und muss sich um sein Eigentum weniger Sorgen machen“, so Josef Feuchtgruber. Rund die Hälfte der Bayern glaubt, ihre Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung versichere sie gegen Schäden durch Überflutungen. Den zusätzlichen Baustein einer Elementarschadenversicherung, der als einziger bei Schäden durch Hochwasser und Sturzfluten versichert, haben aber nur circa 40 Prozent der Bayern. Weitere Infos gibt es auf www.hochwasserinfo.bayern.de.


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