05.10.2018, 14:17 Uhr

Natura-2000-Gebiet Regionaltage im Landkreis Regensburg – Holzrücken mit Pferden begeisterte viele Besucher

Im Laufe der Ausbildung lernen die Tiere, eigenständig zu arbeiten, und ziehen von selbst das Stammholz bündig an andere Stämme. (Foto: Magdalena Meyerweissflog)Im Laufe der Ausbildung lernen die Tiere, eigenständig zu arbeiten, und ziehen von selbst das Stammholz bündig an andere Stämme. (Foto: Magdalena Meyerweissflog)

Die Waldbesitzervereinigung (WBV) Regensburg Süd e. V. veranstaltete im Rahmen der diesjährigen Regionaltage in einem Wald bei Schönach das Holzrücken mit Pferden.

SCHÖLLNACH Die Vorführung kam gut an - über 100 Besucherinnen und Besucher verfolgten gut zwei Stunden lang, wie das eingeschlagene Holz bodenschonend von Pferden gerückt wurde. Susanne Kiener, stellvertretende Geschäftsführerin der WBV, führte durch die Veranstaltung und beantwortete die Fragen der Besucher.

Holzrücken mit den Norikerhengsten „Stratos“ und „Stanzer“

Korbinian Arzberger, Geschäftsführer der WBV Regensburg Süd e. V., informierte die Besucher über die Vorteile des Holzrückens mit Pferden gegenüber der Holzbewirtschaftung mit der Maschine. Durch den teilweise unsachgemäßen Einsatz großer Forstmaschinen könnten gravierende Bodenschäden entstehen, die die Tragfähigkeit und die Bodenökologie nachhaltig verschlechtern. Insbesondere in schwer zugänglichen Gebieten oder an nassen Standorten sei daher die Pferderückung ein fester Bestandteil der Holzernte geworden. Das Vorliefern mit Pferden in Kombination mit der Maschine zur Endrückung sei zurzeit eine der schonendsten und damit ökonomischsten Möglichkeiten, besondere Standorte zu bewirtschaften. Seine beiden fünfjährigen Norikerhengste, „Stratos“ und „Stanzer“, Kaltblütler aus dem Salzburger Raum, seien für das Holzrücken bestens geeignet, so Arzberger. Die Tiere werden mit einem traditionellen Stoßzügel geführt. Da man sie damit nicht in Richtungen dirigieren kann, werden die Pferde hauptsächlich mit der Stimme geleitet. Dies werde vom Fohlenalter an kontinuierlich trainiert. So gebe es ein Kommando für vorwärts, rückwärts, rechts, links und verschiedene Abstufungen wie zum Beispiel das Eindrehen auf der Stelle. Im Laufe der Ausbildung würden die Tiere lernen, eigenständig zu arbeiten. So zögen sie in der Regel von selbst das Stammholz bündig an andere Stämme und hören dann zu ziehen auf. In der Regel werde drei bis vier Stunden lang mit einem Pferde gerückt. Die Besucher konnten den Ablauf bei schwächeren Stämmen in einem engstehenden Fichtenbestand beobachten. Hier liege der Vorteil der Pferderückung darin, so Arzberger, dass die Pferde sehr wendig seien und die Stämme durch den Bestand ziehen könnten, ohne Schäden am stehenden Holz zu verursachen.

Martin Faltermeier, Leiter des Forstreviers Nittendorf, erläuterte die Besonderheiten des Veranstaltungsortes. Der Schönacher Forst sei Teil des europäischen Natura-2000-Schutzgebietes „Wälder im Donautal“ und bestehe aus einem knapp 1.300 Hektar großen FFH-Gebiet (ausgewiesen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und einem fast ebenso großen Vogelschutzgebiet. „Ziel ist hier der Schutz ökologisch bedeutender Tierarten“, so Faltermeier. Aufgrund ihrer naturnahen Nutzung böten diese Wälder die notwendigen Strukturen für viele Arten. Dazu gehören Vogelarten wie der Grau-, Schwarz- und Mittelspecht sowie der Halsbandschnäpper, die Libellenart „Grüne Keiljungfer“, der Kammmolch und ein unscheinbares Moos, das „Grüne Besenmoos“. Zudem sei in diesem Waldgebiet eine reiche Baumartenzusammensetzung aus Hainbuche, Stieleiche, Schwarzerle, Vogelkirsche, Esche, Bergahorn, Winterlinde oder Traubeneiche vorhanden.


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