14.06.2018, 19:36 Uhr

Bitte melden Wer beobachtet Fledermäuse?

Mückenfledermaus, eine kleine und seltene Fledermausart. (Foto: Dr. Andreas Zahn)Mückenfledermaus, eine kleine und seltene Fledermausart. (Foto: Dr. Andreas Zahn)

Wer hat wo Fledermäuse im Landkreis Passau beobachtet? Die Naturschutzbehörde am Landratsamt bitte auch heuer wieder, solche Sichtungen zu melden. Dieser Aufruf kommt ungewöhnlich früh, da wegen der warmen Witterung der Fledermausnachwuchs sich weitaus eher eingestellt hat als sonst.

PASSAU Seit knapp 30 Jahren setzt sich der Landkreis Passau für den Erhalt der Fledermäuse ein. „Der Schutz der Fledermäuse ist besonders im Landkreis Passau sehr bedeutend, hier gibt es 19 verschiedene Fledermausarten“ weiß die Expertin Susanne Morgenroth, die für das Landratsamt den Fledermausschutz durchführt und dabei von Ehrenamtlichen unterstützt wird. Ganz besonders werde nach den Wochenstuben und Kolonien Ausschau gehalten, wo sich viele Fledermäuse zusammenfinden, so Morgenroth. Die Monate Juni und Juli seien heuer dafür besonders günstig, denn die milden Temperaturen in diesem Frühjahr hätten dazu geführt, dass die Weibchen zwei Wochen früher geboren haben als in anderen Jahren, heißt es von der Naturschutzbehörde am Landratsamt. Der Landkreis Passau sucht deshalb auch in diesem Jahr wieder nach den nützlichen Flattertieren.

Die Fledermäuse gelten als Flugkünstler in der Tierwelt und sind in jeder Hinsicht besondere Lebewesen. Sie fliegen und orientieren sich als einzige Säugetiere in finsterer Nacht mit ihrem ausgeklügelten Echoortungssystem. Nach der Paarung und dem Winterschlafen bilden sie sogenannte Wochenstuben, viele Weibchen finden sich hier im Sommer zusammen und gründen eine Art Kindergarten, in dem sie gemeinsam ihr meist einziges Junges groß ziehen. Erwachsene Männchen haben hier keinen Zutritt. In der Umgebung der Wochenstuben gehen die Fledermäuse nachts auf die Jagd nach Insekten. Sie haben dabei großen Appetit und können bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts vertilgen. Die Fledermäuse sind damit ausgesprochen nützliche, natürliche Schädlingsbekämpfer. Im Spätsommer lösen sich die Wochenstuben wieder auf und die meisten Tiere verschwinden in Richtung Winterquartier. Nur wenige Arten überwintern auch an Häusern.

Umweltgifte, Nahrungsmangel und fehlende Quartiere setzen den bedrohten Tieren jedoch zu. Schon seit den 1960er Jahren fielen die Fledermausbestände einem dramatischen Artensterben zum Opfer. Dabei sind die Vorkommen um etwa 80 Prozent zurückgegangen und haben sich wegen der geringen Fortpflanzungsrate seitdem kaum erholt. Wegen des dramatischen Insektensterbens besteht jetzt akuter Nahrungsmangel. Zusätzlich reagieren Fledermäuse sehr empfindlich auf Umweltgifte, die sie in Ihren Fettreserven oft in hoher Konzentration anreichern. Natürliche Quartiere sind kaum noch vorhanden, Fledermäuse müssen deshalb in Gebäude ausweichen. Diese Vielzahl an Bedrohungen kann dazu führen, dass nun auch die letzten Restbestände verschwinden.

Wer Fledermäuse gesehen hat, wird gebeten, seine Beobachtungen bei der Naturschutzbehörde unter Tel. 0851 397-313 oder 386 oder E-Mail: christiane.kotz@landkreis-passau.de zu melden. Die Naturschutzbehörde hofft auf viele Meldungen.


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