26.03.2018, 11:06 Uhr

Nationalpark Bayerischer Wald Nachwuchsforscher erhält Auszeichnung für Nationalparkarbeit

Simon Thorn wurde für seine Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald ausgezeichnet. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)Simon Thorn wurde für seine Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald ausgezeichnet. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Starke Stürme zwingen in regelmäßigen Abständen mehr oder weniger große Waldbestände in die Knie – auch im Nationalpark Bayerischer Wald.

GRAFENAU/MÜNCHEN. Anders als in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern dürfen natürliche Ereignisse wie diese auf dem Großteil der Fläche des Schutzgebiets ungestört ablaufen. Diese Prozesse sind schließlich Haupttreiber für eine erhöhte Strukturvielfalt und Biodiversität. Lediglich in den Rand- und Entwicklungszonen werden Windwurfflächen zum Schutz angrenzender Privatwälder vor Borkenkäferbefall aufgearbeitet. Eine sehr naturverträgliche Methode der Aufarbeitung hat Nachwuchsforscher Simon Thorn in seiner Doktorarbeit unter die Lupe genommen. Für die Ergebnisse wurde der 30-Jährige nun mit der Förderpreis Wissenschaft der Münchner Gregor Louisoder Umweltstiftung ausgezeichnet.

„Im Kern geht es in meiner Dissertation darum, eine Alternative zum regelmäßig eingesetzten Entrinden von windgeworfenen Fichten zu finden“, erklärt Thorn. Die Komplettentfernung der Rinde sorgt dafür, dass eine Ausbreitung von Borkenkäfern verhindert wird, da ihrem Nachwuchs der Lebensraum genommen wird. Doch auch andere Lebewesen leiden unter dieser Methode. So sinkt die Artenanzahl von Käfern, Pilzen und Wespen um jeweils ein Drittel.

Als Alternative dazu hat Thorn die Methode des Schlitzens von Stämmen untersucht. Mit Hilfe von Motorsägen oder speziellen Streifgeräten werden dabei umgeworfene Fichten in Abständen von wenigen Zentimetern eingeschnitten, so dass die Entwicklung der Borkenkäferlarven effektiv unterbunden wird. „Dabei erhält man deutlich mehr Biodiversität als bei einer völligen Entrindung der Stämme“, fasst Thorn seine Ergebnisse zusammen. Positiver Nebeneffekt: Diese Methode ist sowohl kostengünstiger als auch weniger zeitintensiv.

Nicht umsonst wurde das im Nationalpark Bayerischer Wald erprobte Schlitzen mittlerweile von den Bayerischen Staatsforsten aufgegriffen. Seit Januar ist die Methode in der Richtlinie für Zuwendungen im Rahmen besonderer Gemeinwohlleistungen im Staatswald des Freistaats Bayern verankert. So kann die Technik nun etwa auch in schwer zugänglichen Wirtschaftswäldern eingesetzt werden, um dort effektive Maßnahmen zum Borkenkäfermanagement durchzuführen.

Die Förderpreise Wissenschaft der Gregor Louisoder Umweltstiftung wurden zum 14. Mal an Nachwuchswissenschaftler vergeben, die sich praxisnah mit Brennpunktthemen des Umwelt- und Naturschutzes beschäftigen. „Gerade der Natur- und Umweltschutz braucht in Zukunft mehr denn je qualifizierte und engagierte Wissenschaftler, die nicht nur auf eine möglichst schnelle Karriere in der Industrie starren, sondern sich für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung engagieren“, so Stiftungsvorsitzender Claus Obermeier bei der Preisverleihung. Die Auszeichnung ist mit 2.500 Euro Preisgeld sowie einer Anschlussförderung zur Weiterführung der wissenschaftlichen Arbeit dotiert.

Die zwei untersuchten Methoden im Vergleich: Links wurde ein Fichtenstamm geschlitzt, rechts komplett entrindet. Erstere Variante ist ebenso effektiv in Sachen Borkenkäfermanagement, punktet jedoch zugleich mit hoher Naturverträglichkeit. (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)


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