07.03.2018, 14:56 Uhr

Naturschützer sind skeptisch So will die WGP die Kiebitze aus Thann endgültig „vergrämen“!


BUND Naturschutz, Karl Haberzettl: „Das geht nicht von heute auf morgen“

PASSAU Schon lange ist der Kiebitz das große Thema, wenn es um die Vorbereitungen zum geplanten Baugebiet Thann in Passau-Heining geht.

„In Passau-Thann flattert der Kiebitz –Mega-Bauprojekt in Gefahr“ titelte die PaWo im April 2013. Die Anwohner hatten damals Brutpaare beobachtet. Schnell bestätigte sich, dass der Kiebitz in Thann ansässig ist. Es ist sein Lebensraum, der mit Wohnhäusern bebaut werden soll.

Die seltene Vogelart mit den markanten Schmuckfedern ist allerdings in ihrem Bestand bedroht und steht daher in Deutschland auf der Roten Liste. So musste die WGP vor der Erschließung des Baugebiets nach geeigneten Ausgleichsflächen für den Kiebitz suchen.

Einem Gerücht zufolge sind derzeit auf der elf Hektar großen Fläche nun zahlreiche Stempen mit rot-weißen Flatterbändern eingeschlagen worden, damit der Kiebitz für das Voranschreiten der Planungen endgültig umzieht und auf eine andere Fläche ausweicht.

Vergrämungsmaßnahme gegen Kiebitz-Problem

Die PaWo hat bei der Stadt Passau nachgefragt: „Bei den von Ihnen beschriebenen Stempen handelt es sich um eine sogenannte ‚Vergrämungsmaßnahme’ für den Kiebitz, die mit der Unteren (Stadt Passau) und Mittleren (Regierung von Niederbayern) Naturschutzbehörde abgestimmt ist“, teilt Karin Schmeller, Leiterin des Passauer OB-Büros, mit. Auf diese Weise sollen die Bodenbrüter von der Baufläche in Thann ferngehalten werden.

Der Beginn der Erschließungsmaßnahmen für das Baugebiet Thann stehe nun direkt bevor. Auch die Grundstückspreise hat der Aufsichtsrat der Wohnungs- und Grundstücksverwertungsgesellschaft mbH (WGP mbH) bereits in seiner ersten Sitzung dieses Jahres festgelegt.

Ausgleichsflächen im Passauer Umland

Ökologisch hat die Stadt Passau eine Lösung für den seltenen Kiebitz gefunden: „Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden im Umland von Passau entsprechende Ausgleichsflächen für den Kiebitz vorschriftsmäßig geschaffen“, so Karin Schmeller. Karl Haberzettl, Kreisvorsitzender des BUND Naturschutz, hält die Maßnahme allerdings nicht für sinnvoll: „Man kann kein Biotop schaffen, das der Kiebitz einfach so annimmt. Das kann man nicht gezielt machen.“

Der BUND-Naturschützer informiert, wie es um den seltenen Kiebitz derzeit in der Natur steht: Die Vogelart hat in den letzten Jahren einen starken Rückgang von bis zu 60 Prozent erleben müssen – ein enormer Verlust. „Früher konnte man deren Eier essen“, heute ist das Sammeln von Kiebitzeiern aufgrund ihrer starken Gefährdung verboten.

Die intensive Landwirtschaft sei mitverantwortlich für die sinkende Zahl der Kiebitze. Die Spritzungen sowie der schnelle Aufwuchs der Nutzpflanzen beeinträchtigen den Bruterfolg des vom Aussterben bedrohten Vogels.

Denn der Watvogel ist ein Feuchtgebietbrüter. „Der Kiebitz mag kein Gras, das schnell wächst, und braucht große Flächen und die weite Sicht wegen seinen Feinden“, erklärt der BUND-Naturschützer.

„Der Kiebitz hat ein ausgesprochenes Revierverhalten – er wird das nicht stoppen, wenn ein Haus drauf steht“, und weiter: „Ausgleichsflächen sind gut und haben ihre Berechtigung, aber sie dürfen nicht dafür missbraucht werden, dass man somit alles bauen und machen kann, was menschenmöglich ist.“

Auch zu der gefundenen Ausgleichfläche am ehemaligen Bundeswehrgelände bei Pocking für den Bau des A94-Abschnitts Kirchham-Pocking findet Haberzettl klare Worte: „Allein die Aussage: ‚Kiebitz soll nun im ehemaligen Standortübungsplatz bei Pocking brüten‘ ist eine Frechheit gegenüber der Natur und Wildtieren.“ Der Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz warnt: „Wir sollten uns stark davor bewahren, dass wir in der Natur alles ausgleichen können.“

Für den BUND Naturschutz bleibt daher die Frage: Was geschieht, wenn der Kiebitz die Ausgleichsfläche nicht annimmt?


0 Kommentare