18.06.2020, 17:07 Uhr

Heidelerche, Wendehals und Co. Erfolgreicher Naturschutz in Landshut


Häufiger ist in letzter Zeit zu beobachten, dass gefährdete Vogelarten das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ aufsuchen. Die seltenen gefiederte Gäste nutzen das Areal als Durchzugs- oder auch als Brutgebiet für die Aufzucht der Jungen.

Landshut. Neben den bereits erfolgreichen Bruten in den Kernzonen kommt nun ein weiteres Brutpaar der Heidelerche hinzu. „Das ist großartig“, freut sich der Gebietsbetreuer Fabian Hertrich, der neben dem Auwald westlich von Landshut auch für das Gelände am „Ehemaligen Standortübungsplatz“ zuständig ist. „Nach 16 Jahren wieder Bruterfolge verzeichnen zu können – und das gleich vier Mal – kann kein Zufall sein“. Denn neben der Heidelerche sind es viele weitere stark gefährdete oder sogar vom Aussterben bedrohte Arten, die sich auf ihrem Zug im Naturschutzgebiet niederlassen.

Dazu zählen zum Beispiel der Bienenfresser, das Braunkehlchen, der Wiedehopf oder der Wendehals. All diese Arten profitieren von der nachhaltigen Pflege im Naturschutzgebiet. Als ideale Bewirtschaftungsform zeigt sich hier die langjährige Beweidung des Gebietes. Diese schützt die Flächen vor Sukzession und begünstigt die artenreichen Mager- und Trockenwiesen, die optimale Lebensraumbedingungen für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen. Ein zusätzlicher Effekt der Beweidung ist, dass die Artenvielfalt der Pflanzen und somit das Vorkommen der Insekten steigen, welche wiederum eine gute Nahrungsgrundlage für die Vogelwelt bilden. So betont Hertrich, „dass man an diesem Beispiel erneut sehen kann, wie wichtig es ist, dass Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen“. Beispielsweise werden, um Störungen in den Brutgebieten der Heidelerche zu vermeiden und um bestimmte Pflanzen zu schützen, betroffene Flächen in der „heißen Phase“ aus der Beweidung genommen. Davon profitieren viele Vogelarten.

Eine enge Absprache mit den vielen Akteuren im Gebiet ist dabei von großer Bedeutung. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreis Landshut, der Regierung von Niederbayern, den Flächeneigentümern und den verschiedenen Naturschutzverbänden wie dem Landschaftspflegeverband Landshut e.V. trägt also sichtlich Früchte. Auch die Besucherlenkung spielt eine wesentliche Rolle. Beschilderungen und Gespräche vor Ort durch den Gebietsbetreuer und die Naturschutzwächter sollen die Besucher aufklären und störende Einflüsse durch den Menschen reduzieren. „Wie man an den Vögeln beobachten kann, funktioniert die Besucherlenkung weitestgehend und die Mehrheit hält sich an die Regeln“, erklärt Hertrich. Um das Konzept noch zu optimieren, sind bereits Erneuerungen und Ergänzungen bei den Beschilderungen geplant.

Bei der Zunahme bestimmter Vogelarten könnte auch ein zusätzlicher Grund eine Rolle spielen. Die zunehmende Trockenheit und die steigenden Temperaturen begünstigen die ohnehin schon mageren und schütteren Standortbedingungen. Auch hier könnte das Vorkommen der Insekten mitentscheidend sein. Die milderen, trockeneren Winter und die wärmeren Sommer in den letzten Jahren wirken sich positiv auf den Insektenschlupf aus, was der Vogelwelt wieder zugutekommt. „Tendenziell sind es besonders wärme- und trockenheitsliebende Arten, die heuer häufiger als sonst beobachtet wurden“, sagt Hertrich. Allerdings profitieren nicht alle von den wärmeren Temperaturen. Hauptsächlich sind es die Kurzstreckenzieher, die zu den Gewinnern des Klimawandels zählen. Sie reagieren flexibler auf die veränderten Standortbedingungen und passen schneller ihre Flugrouten an. Hingegen verändert sich bei Langstreckenziehern das genetisch vorgegebene Zugverhalten langsamer, wodurch sie inzwischen schwerer Brutplätze und Nahrung finden. Nicht besser sieht es übrigens auch bei einigen Amphibienarten aus. Auch wenn dies durch den langanhaltenden Regen gerade nicht den Anschein macht, sind viele Amphibien stark von der Frühjahrstrockenheit betroffen, da die Laichgewässer zum Teil vollständig austrocknen.

Dennoch macht sich die professionelle Pflege der Schutzflächen immer wieder bemerkbar. Auffällig oft hört man auch derzeit die Nachtigall. Vor allem in der Nähe der „Oxenweide“ - ein Projekt des Landschaftspflegeverbands Landshut - kann man wieder ihrem wehmütigen Gesang lauschen, welcher keine minderen als Ludwig van Beethoven oder Frédéric Chopin inspirierte. Abermals wirkt sich die Beweidung nachweislich positiv auf die Tierwelt aus. Denn die Fläche rund um die vierbeinigen Landschaftspfleger bietet vielen Tierarten einen ungestörten Lebensraum. Eine kleine Sensation bisher ist zweifellos der Erstnachweis im Landkreis Landshut des bereits ausgestorbenen und im Zuge eines Wiederansiedelungsprojektes eingeführten Waldrapps, welcher kreisend über der Ochsenau gesichtet wurde. Es handelt sich hier um einen Ausflügler der ersten kleinen Brutkolonie aus Burghausen. Da der Vogel mit einem Sender versehen ist, lässt sich seine Herkunft genau bestimmen. Dort brüten aktuell nach über 350 Jahren wieder Waldrappe in den Nischen der Burgmauer. „Wer weiß, vielleicht findet er in Zukunft ja auch ein Zuhause in der schönen Burg Trausnitz“, so der Gebietsbetreuer.


0 Kommentare