23.10.2020, 13:00 Uhr

Umwelt Die Gemeinde Saal engagiert sich für Insekten – erste Eh-da-Flächen sind in Arbeit

Der Bauhof Saal an der Donau hilft mit tatkräftiger Unterstützung die neue Informationstafel auf der Fläche aufzustellen. Mit Hilfe des QR-Codes können Informationen rund um das Eh-da-Projekt aufgerufen werden. Foto: Michaela PowolnyDer Bauhof Saal an der Donau hilft mit tatkräftiger Unterstützung die neue Informationstafel auf der Fläche aufzustellen. Mit Hilfe des QR-Codes können Informationen rund um das Eh-da-Projekt aufgerufen werden. Foto: Michaela Powolny

„Der Landkreis Kelheim blüht auf – hier wächst Wildnis: Eh-da-Flächen im Landkreis Kelheim“, so der Titel eines Gemeinschaftsprojektes der Gemeinden, des Landkreises und des Landschaftspflegeverbandes Kelheim VöF bei dem ökologisch aufgewertete Flächen im Landkreis geschaffen werden.

Saal an der Donau. Im Vordergrund steht hier vor allem die Förderung von Insekten. „Es geht nicht nur darum, dass es auf der Fläche im Frühjahr und Sommer schön blüht. Vielmehr brauchen die Insekten ein möglichst breite Vielfalt an Strukturen“, erklärt die ILE-Umsetzungsbegleitung Michaela Powolny.

Insbesondere die Gemeinde Saal an der Donau möchte etwas für mehr Insektenreichtum tun. Deshalb hat sich Bürgermeister Christian Nerb in den letzten Monaten für das Eh-da Flächenprojekt engagiert. Neben der Federführung in der landkreisweiten Initiative stellt die Gemeinde mehrere Flächen für ökologische Aufwertungen zur Verfügung.

Unter anderem werden Flächen an der Kelheimer Straße zukünftig nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt. Um langfristiges Überleben von Insekten zu sichern, müssen Strukturen geschaffen werden, die als Nahrungsquelle, Wohnstätte und Brutareal dienen können. Insekten ziehen ihren Nachwuchs zum Beispiel in hohlen Stängeln auf. Wenn vor dem Winter alles abgemäht wird, ist eine ganze Brut verloren. Auch offene Bereiche sind wertvoll für Insekten. Dort können Mineralien aufgenommen oder Bruthöhlen gegraben werden. Tothölzer sind ebenfalls wichtige Brutmöglichkeiten. Natürlich brauchen Insekten auch ein Nahrungsangebot. Hier muss unterschieden werden: Manche Insekten nehmen alles was sie kriegen können, deren Vorkommen ist daher meist weniger gefährdet. Die bedrohten Insekten sind die so genannten Spezialisten. Sie haben sich auf eine oder ein paar wenige Nahrungspflanzen spezialisiert, überwinden nur kurze Flugdistanzen und brauchen deshalb alles möglichst in der Nähe: Wohnstätte, Brutplatz, Überwinterungsmöglichkeit, Nahrungspflanzen für sich selbst und Nahrungspflanzen für die Brut - oft sind das unterschiedliche Pflanzen, vielfach sogar noch bestimmte Fasern oder Blütenblätter zum Auskleiden der Bruthöhlen. Wer so anspruchsvoll ist, gibt sich nicht mit exotischen Pflanzenmischungen zufrieden. Diese Insekten brauchen genau die Pflanzen, die seit Jahrhunderten hier wachsen und auf welche sie angepasst sind. Genau darauf zielt das Eh-da-Flächen-Projekt bei der Konzeptionierung der Flächenpflege ab. Auf diesen Blühwiesen werden spezielle Strukturen erhalten oder erschaffen. Dort, wo es durch Artenverarmung notwendig erscheint, wird neu angesät, jedoch dann ausschließlich aus wertvollen, heimischen Beständen.

Hintergrund: Das vom Amt für Ländliche Entwicklung geförderte und vom Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e. V. mit den Gemeinden und Landkreis initiierte Projekt hat Vorbildcharakter, denn die Gemeinden des Landkreises setzen sich gemeinsam für das Naturschutzprojekt ein und stellen Flächen zur Verfügung. Ziel ist es, die Artenvielfalt auf heimischen Flächen zu verbessern. Die Maßnahmenumsetzung wird durch fachliche Unterstützung seitens der Naturschutzbehörden begleitet und aus Mitteln der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien gefördert.

Eh-da-Flächen, also Flächen die „eh da“ sind, erhalten eine spezielle ökologisch orientierte Pflege, um den Artenschatz von einst wieder neu zu beleben. Durch gezielte Maßnahmen, wie Neuansaat oder Mähgutübertragung heimischer Arten, soll auf diesen Flächen die Artenvielfalt erweitert werden. Da die Entwicklung von faunistisch und floristisch wertvollen Flächen Zeit benötigt, kann es auf ihnen zeitweise auch schon mal „wilder“ zugehen. Die strukturreichen Eh-da-Flächen entfalten also ihre Schönheit oft erst auf den zweiten Blick, denn ein schönes Buffet allein reicht unseren Insekten zum Überleben nicht aus. Sie brauchen auch eine schöne Wohngelegenheit. Solche Wohnstätten finden sich häufig in hohlen Stängeln abgeblühter Pflanzen. Auch in Rohböden oder Totholz finden sich ganze Kinderstuben unserer wertvollen Käfer und Fluginsekten.


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