12.11.2019, 16:13 Uhr

Wintervortragsreihe in Abensberg „Es ist noch Zeit, was zu tun“ – Wissenschaftler informierte zum Thema Biodiversitätsverlust

(Foto: Kathrin Koller-Ferch)(Foto: Kathrin Koller-Ferch)

Zahlreiche Zuhörer folgten der Einladung des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Abensberg ins Aventinum, um sich speziell über den Einfluss der Landwirtschaft auf die Artenvielfalt zu informieren.

ABENSBERG Hierzu begrüßte Behördenleiter Dr. Joachim Hamberger den Referenten Prof. Wolfgang Weisser von der TU München, einen ausgewiesenen Experten speziell für Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Artenvielfalt. Mitorganisator Bürgermeister Dr. Uwe Brandl machte in seinen Grußworten zur Veranstaltung deutlich, dass bezüglich dieser Thematik die gesamte Gesellschaft, insbesondere als Konsument gefordert ist. Beim Kauf von Nahrungsmittel muss der Mehrwert an erbrachter Umweltleistung bezahlt werden. Insbesondere die Pächter von öffentlichen Flächen sieht Dr. Brandl auch in der Pflicht, diese umweltgerecht zu bewirtschaften. Vom Bayerischen Bauernverband Abensberg, als Partner der Veranstaltung, begrüßte der Kreisobmann Thomas Obster. Er wünsche sich von allen an der Thematik Biodiversität Beteiligten einen fairen Gestaltungsprozess. Seit dem Volksbegehren sieht er die Landwirte an den Pranger gestellt, die als Alleinverursacher am Artensterben von der Gesellschaft ausgemacht werden. Der Vorsitzende der BN Kreisgruppe Kelheim, Peter Forstner, gab in seinem Grußwort zu verstehen, dass er mit den Landwirten speziell bezüglich des gesellschaftlichen Anliegens nach mehr Artenvielfalt den Dialog suche. Er sieht die Landwirte als Opfer des falschen Weges der bisherigen Agrarpolitik. Von Jahr zu Jahr stellt er insbesondere in den Grünländern immer weniger Arten der Fauna und Flora fest. Der Große Brachvogel sei im Abenstal schon ganz verschwunden.

„Es ist noch Zeit was zu tun!“ Mit diesen Worten eröffnete dann Prof. Weisser seinen Vortrag an diesem Abend. Wissenschaftliche Daten zum Artenschwund beruhen nicht auf regelmäßigem Monitoring, als vielmehr auf einem Mosaik von Daten, die jedoch eindeutig wechselseitige Einflüsse von Biodiversität und Landnutzung zeigen. Die Einflüsse der Grünlandbewirtschaftung auf die Artenvielfalt lässt sich eindeutig über einen Landnutzungsindex beschreiben. In diesem sind sowohl die für die Bewirtschaftung eingesetzte Stickstoffmenge, die Anzahl der Wiesenschnitte und die Beweidungsintensität berücksichtigt. Im Ackerbau sieht Prof. Weisser neben dem Zusammenhang zwischen intensiver Bewirtschaftung und Biodiversitätsverlust auch viele andere negative Einflüsse, wie zum Beispiel Bodenerosion, Wasserqualität gegeben. In einer Studie von 1.350 Weizenfeldern konnte der Artenschwund mit der Höhe des Ertrages in Zusammenhang gebracht werden. Streuungen, also der vereinzelten Möglichkeit eines hohen Ertrages mit einer hohen Artenzahl gelte es vertieft nachzugehen. Als Hauptursachen für den Verlust von Biodiversität in der intensiven Landbewirtschaftung wird sowohl der Einsatz von Insektiziden als auch von Herbiziden aufgeführt. Nach den Ausführungen zum Status quo und den Ursachen des Verlustes stellte Weisser dem Auditorium nun die Frage: „Was können wir wollen?“. Er appellierte, realistische Ziele im Themenkomplex Biodiversität zu formulieren. „Wir werden und können die Artenvielfalt vor hundert Jahren nicht mehr erreichen.“ Bei der Gestaltung von Agrarumweltmaßnahmen wünscht sich Prof. Weisser eine stärkere Beteiligung der Wissenschaft, um eine höchstmögliche Effektivität zu gewährleisten. Auch viele Möglichkeiten der biologischen Schädlingsbekämpfung seien gegenwärtig nicht ausgeschöpft. In der Gestaltung von öffentlichen „Eh-da“-Flächen, mit einem Flächenanteil von zwei bis sechs Prozent sieht Weisser ein hohes Potential insbesondere die Artenvielfalt zu stützen. Der Landkreis Kelheim mit circa 3.000 Hektar „Eh-da“-Flächen, deren Pflege über den Landschaftspflegeverband VöF ohnehin geplant ist, sei auf einem guten Weg. Abschließend appellierte der TUM-Professor an die Gesellschaft, Umweltleistungen der Landwirte zu honorieren, um somit das Positive zu fördern.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurde die Diskussion zu dieser komplexen Thematik noch weitergeführt. Mit einem Geschenk aus Köstlichkeiten der Region bedankte sich Dr. Hamberger vom AELF Abensberg bei Professor Weisser.

Die Vortragsreihe wird am Mittwoch, 4. Dezember, fortgesetzt mit dem Thema, wie Biodiversität im Haushalt und in der Gartennutzung gefördert werden kann.


0 Kommentare