02.08.2019, 19:19 Uhr

Infoveranstaltung Starkregen – so geht es in Sandharlanden weiter

(Foto: Knott, Stadt Abensberg)(Foto: Knott, Stadt Abensberg)

Der Saal im Gasthof Hammermeier war praktisch voll besetzt: Über 40 Bürgerinnen und Bürger waren am Montag, 8. Juli, dabei, als die Auswertung aller bisher vorliegenden Informationen zu Starkregen-Ereignissen in Sandharlanden und die daraus folgenden Erkenntnisse vorgestellt wurden.

ABENSBERG Wie schon beim ersten Starkregen-Infoabend am 5. November 2018 war Florian Brodrecht vom Ingenieurbüro Spekter aus Herzogenaurach mit dabei, von der Stadtverwaltung waren dies Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Stadtwerke-Geschäftsführer Hans Schmid. Auch die Stadträte Reinhard Handschuh und Andreas Schierlinger waren anwesend, ebenso Abensbergs Umweltreferent Lothar Stich.

Seit November letzten Jahres hat das Ingenieurbüro die Daten der Sandharlandener gesammelt und in eine Starkregen-Gefahrenkarte einfließen lassen. Diese stellte Brodrecht nun vor - ersichtlich ist darin, welche Gebiete in Sandharlanden wie stark von Starkregen-Ereignissen betroffen sind. Hauptproblem ist - das war schon beim ersten Infoabend klar - der Kapellenberg. Mittels der Starkregen-Simulation und den Rückmeldungen der Bürger wurden Maßnahmen-Konzepte zum Schutz des Ortes erarbeitet und vorgestellt. Ein kritischer Punkt ist die Harlandener Straße, bei extremen Niederschlägen wird diese überschwemmt und führt das Wasser direkt in Richtung Ortsmitte. Erste Maßnahme: Der verrohrte Graben, der das Wasser in Richtung Westen abführt, soll wieder geöffnet werden – offene sind einfach leistungsfähiger. Dadurch werden sowohl die Straße als auch der Kanal entlastet. Ein früher existenter offener Graben entlang der Sandstraße, auf den Stadtrat Handschuh verwies, wurde von Brodrecht zunächst für nicht praktikabel gehalten, da dieser zu tief liege und Wasser nicht bergaufwärts zu einem Rückhaltebecken im Bereich der Sportanlage transportieren könne - einfach, weil Wasser nicht aufwärts fließt. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger waren allerdings der Meinung, dass man nicht vom tiefsten Punkt in der Harlandener Straße ausgehen müsste, denn dort stünden keine Gebäude - da sei nichts notwendig. Der Punkt wird nun vom Ingenieurbüro nochmals untersucht, auch im Hinblick auf den aktuellen Generalentwässerungsplan. Als weiteren Gefährdungsbereich wurde der süd-östliche Bereich in Sandharlanden an der Waldstraße genannt. Hier würden die Straße und der Kanal durch das Oberflächenwasser der angrenzenden Felder und Äcker überflutet. Als Schutzmaßnahme wurde eine gezielte Rückhaltung direkt an der Ortsgrenze präsentiert – dort wird das Wasser zurückgehalten und gedrosselt abgeleitet. Klar sei natürlich auch, so Brodrecht, dass hierzu auch landwirtschaftliche Flächen benötigt werden. Das müsse aber nicht nur zum Schaden der Landwirte gehen: „Wer Rückhalteflächen zur Verfügung stellt, bekommt bei einem Starkregen den Flurschaden gezahlt“. Die Hänge des Kapellenberges direkt am Ort können auch zu Überflutungen führen – für bauliche Maßnahmen seien diese zu steil. Hier schlug Brodrecht vor, dass die Landwirte ihre Felder am Berg und drumherum schräg zum Hang ackern. Schon dies verhindert, dass das Wasser ungebremst von den Hängen Richtung Dorf fließt. Ein kleiner Erdwall am Rande des Feldes kann zusätzlich Wasser zurückhalten.

Brodrecht appellierte auch an die Bürgerinnen und Bürger, mit einfachen Maßnahmen einen Selbstschutz in die Hand zu nehmen – „in zumutbarem Maße“ sei dies erforderlich und zwingend nötig. Eine Rückstausicherung am Kanalanschluss sei für alle Gebäude Pflicht, Mittels einfacher Stecksysteme seien Hauseingänge oder auch Kellerabgänge und Lichtschächte abzusichern. Der Trend zu barrierefreien Hauseingängen sei schön, allerdings fehle dann auch dem Wasser jegliche Barriere.

Brodrecht hat mit der Starkregen-Gefahrenkarte nun, dank der Mithilfe der Sandharlandener, ein Instrument an der Hand, mit der die Gefährdung jedes Grundstücks angezeigt werden kann. Zusätzlich bereite das Büro und die Stadt Abensberg eine Check- und Infoliste zur privaten Eigenvorsorge vor – dies werde den Bürgern bald zur Verfügung gestellt.

Mit neuen Anregungen für weitere Untersuchungen schloss er den Abend und dankte allen für die Teilnahme. Bürgermeister Dr. Brandl sagte, dass man heute „die Fehler der Vergangenheit kurieren“ müsse: „In den 60er-Jahren hatten wir wasserführende Gräben, da stehen heute Häuser drauf.“ Für ihn gelte die Maxime: „Schäden in Flächen mit Wohnbebauung minimieren, Schäden in der Flur können wir besser überblicken und ausgleichen.“ Für die anstehenden Grundstücksverhandlungen bat er um Entgegenkommen: „Sonst wird das alles schwierig.“ Eine effektive Verbesserung der Situation sei der Stadt ohne einsichtige Grundstücksbesitzer nicht möglich.


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