10.04.2018, 14:00 Uhr

Erstes Treffen in Eichstätt Bayerische Wespen- und Hornissenberater vernetzen sich

(Foto: Rolf Witt/ANL)(Foto: Rolf Witt/ANL)

Schon lange herrscht in der hochmotivierten, aber sehr im Lokalen verankerten, Szene der bayerischen Wespen- und Hornissenberater der Wunsch nach einer bayernweiten Vernetzung. Deshalb richtete die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) aus Laufen am Samstag, 17. März, das erste Netzwerktreffen der bayerischen Wespen- und Hornissenberater in Eichstätt aus. 110 engagierte Beraterinnen und Berater aus ganz Bayern folgten dem Aufruf und machten das Treffen zu einem vollen Erfolg.

EICHSTÄTT Die wohl kaum eine andere heimische Tiergruppe versetzen Wespen selbst naturverbundene Menschen in Angst und Schrecken. Vor allem eine angeblich hohe Aggressivität und die Fähigkeit weniger Arten, uns schmerzhaft stechen zu können, haben Wespen zu Unrecht in Verruf geraten lassen. Die meisten Menschen verstehen unter Wespen ausschließlich die gelb-schwarzen Vertreter der sozialen, staatenbildenden Faltenwespen, die mit zwölf Arten in Bayern vorkommen. Es gibt aber auch zahlreiche andere Wespenarten. Besonders im Sommer, wenn sich Hornissen und Wespen im Siedlungsbereich angesiedelt haben, wenden sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit akuten Fragen zu Wespen- und Hornissen aber auch anderer Hautflügler an die unteren Naturschutzbehörden. Deshalb haben einige untere Naturschutzbehörden ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater etabliert. Seit 2001 richtet die ANL Ausbildungen für ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater aus. Diese leisten mit hohem Sachverstand und großem zeitlichen Einsatz wertvolle fachliche Unterstützung, die auch dem Schutz dieser Insektengruppe zu Gute kommt. Bemerkenswert ist, dass im Rahmen der Beratung ein erhebliches naturschutzpädagogisches Aufklärungspotential besteht, insbesondere auch für Bürger, die sonst kaum mit naturschutzfachlichen Fragen in Berührung kommen. Dass diese Insekten aber auch ein wichtiges Glied im Naturkreislauf sind und eine tragende Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen spielen, wird selten berücksichtigt. Auch, dass Hornissen ausgesprochen friedfertig sind und ihr Stich weniger giftig, als der einer Honigbiene ist, ist kaum bekannt.

Ein fulminanter Einstieg in das Netzwerktreffen gelang Dr. Elmar Billig mit seinem überarbeiteten Film „Der Hornissensommer – das unbekannte Leben der friedlichen Riesen“. Hier gab es fesselnde Bilder vom Werden und Vergehen eines Hornissenvolkes zu sehen. Im Anschluss zeigte der erfahrene Umsiedler und der Betreiber der Homepage www.Aktion-Wespenschutz.de, Peter Tauchert, sehr anschaulich innovative Umsiedlungstechniken. Mit seinen wertvollen Tipps und Tricks konnte er das Fachplenum begeistern. Abgerundet wurde der erste Themenblock durch den renommierten Wespenexperten Rolf Witt aus Niedersachsen. Witt zeigte die wichtige Schnittstelle der Wespen- und Hornissenberatung zur Artengruppe der Wildbienen auf. Er analysierte spezifische Gefährdungsursachen von Wildbienen und Solitärwespen und beleuchtete in diesem Kontext Aspekte des Insektensterbens.

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Netzwerkgedankens. Karl Lipp stellte engagiert das Wespenberaternetzwerk aus dem Landkreis Altötting vor, das bereits 2003 gegründet wurde und aktuell aus siebenundvierzig aktiven Beratern besteht. Eindrucksvoll zeigte Lipp auf, wie der zunächst undenkbar erscheinende Netzwerkgedanke dank großen persönlichen Engagements möglich gemacht werden konnte und bis heute erfolgreiche funktioniert. Im Anschluss präsentierte der Diplom Biologe Benjamin Tospann den Arbeitskreis Arten- und Naturschutz e. V. – AKAN - aus Würzburg. AKAN wurde bereits in den 90er-Jahren vom Pionier in der Wespenberaterszene Johannes Minolts gegründet und hat zwanzig Mitglieder. Im Folgenden analysierte Rolf Witt die aktuelle Situation der Wespenberatung in Deutschland. Gemäß Witt besitzt Bayern hinsichtlich einer flächendeckenden Beraterdichte und bezüglich der Regelmäßigkeit von angebotenen Ausbildungen einen befriedigenden Standard, der aber durchaus noch verbessert werden sollte. In seinem Fazit zeigte Witt, dass die Hornisse durch die Naturschutzarbeit der Berater inzwischen zu einer in weiten Teilen der Bevölkerung positiv angesehenen Symbolart geworden ist. Allerdings sollte die Kooperation der verschiedenen bereits bestehenden Interessengruppen verbessert werden.

Abgerundet wurde die Vortragsreihe durch den engagierten Vortrag von Jan-Erik Ahlborn, der seinen persönlichen Werdegang in der Wespen- und Hornissenberatung vermittelte. Eindrucksvoll zeigte Ahlborn, wie er als Schädlingsbekämpfer den Einstieg in das Thema fand, dann aber aufgrund von Gewissenskonflikten beim Wespen- und Hornissenschutz landete. Das große Engagement von Ahlborn wurde 2017 von höchster politischer Ebene mit dem Bayerischen und dem Deutschen Tierschutzpreis geehrt.

In der abschließenden Diskussionsrunde unter der Moderation von Hannes Krauss (ANL), wurden Strategien zur dauerhaften Implementierung eines bayerischen Beraternetzwerkes diskutiert. Alle Anwesenden waren sich einig, dass das Treffen ein voller Erfolg war und in jedem Falle wiederholt werden müsse. Ein vielversprechender Ansatz für das Netzwerk dürfte die Ausbildung von Multiplikatoren sein, die zukünftige dezentrale Ausbildungen mit einheitlichen Standards durchführen könnten. Die ANL prüft derzeit, wie das anspruchsvolle Unterfangen umgesetzt werden kann. Krauss ist sich sicher: „Die Multiplikatoren als Artenkenner werden eine wichtige Rolle für den Wespen- und Hornissenschutz im speziellen, aber auch für den Insektenschutz generell, spielen.“

Im Landkreis Kelheim gibt es aktuell drei ehrenamtliche Hornissenberater. Bei Bedarf können sich die Bürgerinnen und Bürger unter der Telefonnummer 09441/ 207-4311 an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Kelheim wenden. Der Kontakt zu den Hornissenberater wird dann vermittelt.


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