24.01.2018, 09:59 Uhr

Klimapakete Forstamt Deggendorf will den Wald fit für die Zukunft machen

Walter Schubach, Bereichsleiter Forsten im AELF Deggendorf, macht sich für einen gesunden Mischwald stark. (Foto: Hannes Lehner)Walter Schubach, Bereichsleiter Forsten im AELF Deggendorf, macht sich für einen gesunden Mischwald stark. (Foto: Hannes Lehner)

Statt empfindlicher Fichtenwälder sollen standortgerechte Mischwälder entstehen.

DEGGENDORF Um den deutschen Wald ranken sich unzählige Mythen. Die deutsche Eiche steht für Kraft, Beständigkeit, Standhaftigkeit und Treue. Unter der Linde wurden weiland Gerichtsverhandlungen oder Ratsversammlungen abgehalten. Schon die alten Römer verzweifelten an den schier unendlichen Urwäldern, in denen sich die unbändigen Barbaren bewegten wie ein Fisch im Wasser. Doch nun hat es der Wald mit neuen Herausforderungen zu tun. Der Klimawandel setzt vor allem den großen Fichtenbeständen zu. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Deggendorf hat deshalb die Initiative „Mein Wald. Mein Projekt“ gestartet. Mit „Klimapaketen“ soll der Wald fit für die Zukunft gemacht werden.

Schon der saure Regen nagte am Image des ewig beständigen deutschen Waldes. Jetzt haben es die Wälder mit einem ungleich gefährlicheren Feind zu tun. Durch den Klimawandel nehmen Naturextreme zu. „Wir müssen davon ausgehen, dass insbesondere die Fichte mit diesen Bedingungen schwer zurechtkommen wird“, so das AELF.

„2015 war schon wieder einmal ein Jahrtausendsommer“, ruft Walter Schubach, Bereichsleiter Forsten im AELF, in Erinnerung. Die Folge: Myriaden von Borkenkäfern, die der Fichte den Garaus machten. In Südbayern herrsche eine Jahresdurchschnittstemperatur von zehn Grad. „Das ist ein Weinbauklima. Die Fichte verträgt es nicht so warm“, weiß Schubach.

Zwar ist die Fichte der Brotbaum der Waldbauern. Sie wächst schnell, gerade und ist vielseitig verwendbar. Doch: „Wir wollen ertragreiche Bestände. Das ist aber mit der Fichte nicht mehr zu machen“, ist der Bereichsleiter überzeugt.

Während im Bayerwald durch die Glashütten die Mischwaldbestände verbrannt und anschließend vor allem Fichten gepflanzt wurden, steht der Landkreis Deggendorf noch vergleichsweise gut da. Hier gibt es noch einen bemerkenswerten Mischwald. Das Forstamt schätzt die Bestände auf rund 45 Prozent Fichte, 30 Prozent Buche, zehn Prozent Tanne, zehn Prozent Eiche und sonstige sowie fünf Prozent Kiefer.

Dennoch wünscht sich das Forstamt ein ausgeglicheneres Verhältnis. Die Douglasie etwa kommt sehr gut mit der Klimaveränderung zurecht. Dennoch ist sie im Wald kaum zu finden. Ihr Anteil beträgt nur ein halbes Prozent. „Fünf bis zehn Prozent mehr Douglasie zulasten der Fichte, etwas mehr Tanne, die in Sachen Wachstum und Verwertbarkeit kaum einen Unterschied zur Fichte aufweist, und vor allem mehr Eichen“, wünscht sich Schubach. Das Ziel: Den Bestand der Fichten von 45 auf 25 Prozent zu drücken.

Erreichen möchte das das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter anderem durch die im Herbst letzten Jahres gestartete Kampagne „Mein Wald. Mein Projekt“. Dabei wurde jeder Waldbesitzer angeschrieben, der einen Wald im Landkreis Deggendorf besitzt. Bis jetzt läuft die Initiative vielversprechend. „Der Flyer ist ein Riesenerfolg“, freut sich Schubach.

In dem Flyer werden die Waldbesitzer dazu aufgefordert, sogenannte „Klimapakete“ zu pflanzen. Je nach Standort kann dies ein Schattenpaket aus Buchen und Tannen, ein Lückenfüllerpaket aus Buchen und Douglasien, ein Lichtpaket aus Eichen und Buchen oder ein Pflegepaket mit individuellen Pflegemaßnahmen sein. Im Paket enthalten ist eine individuelle, kostenlose und neutrale Beratung, eine nachhaltige Begleitung durch den Förster, die kostenlose Erstellung eines Kulturplans sowie eine optimale Unterstützung bei der Durchforstung, Pflanzvorbereitung und Pflege. „Die Waldbesitzer sollen auch erfahren, dass es eine hohe Förderung vom Staat gibt, die die Unkosten größtenteils deckt“, erklärt Schubach.

Als zusätzliches Schmankerl wird ein Gewinnspiel durchgeführt, bei dem es Geld- und Sachpreise zu gewinnen gibt. Jeder Teilnehmer kommt mit in den Lostopf. „Am 30. April 2019 findet dann eine große Schlussveranstaltung mit Preisverleihung statt“, kündigt Schubach an.


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