28.02.2018, 13:39 Uhr

Wohin geht der Weg der Entsorgung? Wenn der Klärschlamm zum Problem für die Gemeinden wird

Wegen der Belastung von Klärschlamm und Boden, darf der Klärschlamm nicht mehr so einfach auf den Feldern ausgebracht werden. (Foto: fotofritz/123rf.com)Wegen der Belastung von Klärschlamm und Boden, darf der Klärschlamm nicht mehr so einfach auf den Feldern ausgebracht werden. (Foto: fotofritz/123rf.com)

Kosten für die Entsorgung steigen deutlich an

REGEN/TEISNACH Wir putzen uns die Zähne, waschen unsere Wäsche und drücken nach dem Toilettengang einfach die Spülung. Täglich produzieren wir so mehrere Liter Abwasser und kaum ist das im Abfluss oder aus dem Klo verschwunden, denken wir nicht darüber nach, was damit passiert. Anders die Gemeinden im Landkreis Regen und darüber hinaus. Denn die Entsorgung des Klärschlamms sorgt für Kopfzerbrechen bei den Kommunen. Seit sich die Düngemittel- und Abfallklärschlammverordnung 2017 geändert hat, sehen sich die Gemeinden einem immer größerer werdenden Berg von Klärschlamm gegenüber. Denn den Klärschlamm wie früher auf Feldern auszubringen ist nach dem neuen Gesetz kaum mehr möglich.

„Um die landbauliche Verwertung in Anspruch nehmen zu können, müssen sowohl der Klärschlamm als auch der Boden, auf dem dieser ausgebracht werden soll, bestimmte Parameter und Grenzwerte einhalten“, erklärt Lieselotte Bielmeier, Leiterin des Umweltamtes in Regen. Doch weil Kosmetikprodukte, Medikamente oder Putzmittel früher oder später immer im Abwasser landen und sich nicht alle Chemikalien in der Kläranlage auflösen oder abbauen lassen, bleiben diese im Klärschlamm. Die Konsequenz: Der Klärschlamm darf nicht länger als Dünger aufs Feld. „Die Entwicklung wird in die thermische Verwertung gehen“, so Lieselotte Bielmeier. Im Klartext heißt das: Der Klärschlamm wird verbrannt. Zum Beispiel in Kohlekraftwerken.

Doch auch hier gibt es Kapazitätsprobleme: „Die Kapazitäten für die Verbrennung sind nicht da“, weiß die Leiterin des Umweltamtes. In Straubing wird derzeit eine Monoverbrennungsanlage für den Klärschlamm gebaut. Doch diese Anlage ist schon vor der Fertigstellung voll. Wohin also mit dem ganzen Klärschlamm?

Diese Frage hat sich gerade ganz aktuell der Markt Teisnach gestellt. „Wir haben unseren Klärschlamm bisher über eine Firma landbaulich entsorgt. Der Klärschlamm wurde von der LAV Markranstädt zur Rekultivierung und zum Kompostieren verwendet, doch jetzt nehmen sie in der landbaulichen Verwertung nichts mehr an und haben uns den Vertrag gekündigt“, schildert Josef Bauer, Geschäftsleiter des Marktes Teisnach.

Zwar hat das Unternehmen dem Markt ein Angebot für die Verbrennung des Klärschlamms unterbreitet, doch hier ist der Preis enorm gestiegen. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die thermische Verwertung um ein Drittel teurer geworden, weil alles in die Verbrennung drückt“, so Josef Bauer. Der Markt Teisnach hat deshalb eine Ausschreibung gestartet und mehrere Angebote von verschiedenen Firmen eingeholt.

Referent spricht über Klärschlammproblematik

Das Ende der Ausschreibungsfrist war letzte Woche und in einer nichtöffentlichen Sitzung wurde der Auftrag an eine Entsorgungsfirma aus der Nachbargemeinde vergeben, die den Klärschlamm zur thermischen Verwertung in ein Kohlekraftwerk in eines der neuen Bundesländer bringt. „Wir haben aber nur für ein Jahr ausgeschrieben, weil sich in diesem Sektor gerade sehr viel tut und wir so besser auf die Preise reagieren können“, sagt Josef Bauer. Und weil es derzeit vielen anderen Gemeinden im Bayerwald ebenso geht wie dem Markt Teisnach, kommt jetzt Bewegung in die Sache.

Bei der Bürgermeisterversammlung Anfang des Jahres hat man sich darauf geeinigt, das Problem zusammen anzugehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. „Für den 19. April haben wir uns einen Referenten eingeladen, der uns rund um das Thema Klärschlamm informiert. Er soll das neue Gesetz und seine Folgen erläutern und uns Möglichkeiten der Entsorgung aufzeigen“, so Hermann Brandl, Vorsitzender des Gemeindetages im Landkreis Regen.

Für Josef Bauer vom Markt Teisnach ein wichtiger Schritt, „denn wenn sich die Kommunen zusammenschließen, können vielleicht wegen der größeren Menge bessere Preise ausgehandelt werden“.


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