31.05.2020, 08:00 Uhr

Gefiederte „Punks“ Die Burghauser Waldrappen sind wieder da

Die Vogelpunks sind wieder in ihrem Brutgebiet zurück. F.: FritzDie Vogelpunks sind wieder in ihrem Brutgebiet zurück. F.: Fritz

130 der Vögel sind in Bayern und Österreich daheim - in Burghausen sind derzeit vier Paare beim Brüten

Burghausen. 400 Jahre nach Ausrottung der Waldrappkolonie bei Überlingen am Bodensee landete dort am 7. Mai das Waldrapp-Männchen Zoppo erstmals wieder nach seiner Rückkehr aus dem Winterquartier. Wenige Tage später, am 10. Mai, folgte das Weibchen Bonsi.

Die gesamte Population, einschließlich der beiden bereits etablierten Kolonien in Burghausen und Kuchl in Salzburg umfasst derzeit rund 130 Tiere.

Zoppo war am 29. März im Wintergebiet Laguna di Orbetello aufgebrochen, querte die Alpen und hielt sich dann länger im Schweizer Alpenvorland auf, bevor er am 7. Mai weiter nach Überlingen flog. Am selben Tag starteten auch zwei Weibchen in der Toskana und flogen innerhalb von nur drei Tagen über mehr als 800 Kilometer bis an den Bodensee.

Ziehmutter Anne-Gabriela Schmalstieg zeigte den beiden Rückkehrern die künstliche Brutstruktur, die gleich oberhalb der Molassefelsen am Bodenseeufer errichtet wurde. Dort sollen die Überlinger Waldrappe mit der Brut beginnen, bevor sie dann gemeinsam mit den geschlüpften Küken in die Naturfelsen am Bodensee übersiedelt werden. Dieses Prozedere zum Beginn eines neuen Brutgebietes wurde schon andernorts erfolgreich praktiziert.

Leider konnte diese Brutstruktur aufgrund der COVID-19 Pandemie nicht zeitgerecht fertiggestellt werden. Es fehlt vor allem die Voliere, um die ankommenden Vögel zu sammeln und an den für sie noch unbekannten Ort zu gewöhnen. Es wird daher in diesem Jahr in Überlingen vermutlich noch zu keiner Brut kommen. Doch im kommenden Jahr ist mit dem ersten Nachwuchs in dieser Kolonie zu rechnen.

Erfolgreiche Brutsaison in Burghausen wird erhofft

Ein weiteres Highlight der vergangenen Tage war die selbstständige Rückkehr des ersten Waldrapps nach Rosegg in Kärnten. Die Ankunft des Männchens Phebe begeistert Emanuel Lichtenstein, den Besitzer des Tierparks Rosegg, und die im Tierpark tätige Biologin Lynn Hafner mindestens ebenso sehr wie das Waldrappteam.

Der Vogel hat eine spannende Geschichte. Er entstammt der Brutkolonie des Tierparks Rosegg, die keine Zugtradition besitzt. Im Herbst 2018 flog Phebe mit zehn Artgenossen überraschend aus Rosegg Richtung Süden ab. Zwei Tage später gab es eine Sichtmeldung nahe Rom, dann blieben die unbesenderten Vögel vorerst verschwunden. Erst Anfang Dezember wurden zwei dieser Waldrappe in den Abruzzen gesichtet.

Johannes Fritz, Leiter des Waldrappteams: „Erfolgreicher könnte der bisherige Verlauf der Saison 2020 kaum sein. In gleich zwei neuen Brutgebieten sind Vögel zurückgekehrt. Und in den beiden bereits etablierten Brutkolonien Burghausen in Bayern und Kuchl in Salzburg sind inzwischen schon zehn Brutpaare aus dem Wintergebiet eingetroffen und mit der Brut beschäftigt.“

In Burghausen sind derzeit vier Paare beim Brüten, und weitere Waldrappe sind noch auf dem Heimweg aus der Toskana. Das lässt auf eine erfolgreiche Brutsaison in Burghausen hoffen, trotzdem das Managements aufgrund der COVID-19 Pandemie eingeschränkt ist.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Waldrapp-Freunde den Brutplatz an der Burghauser Wehrmauer besucht.

Leider muss in diesem Jahr das Brutgebiet vorerst aufgrund der COVID-19 Pandemie für Besucher geschlossen bleiben.

Das Wiederansiedlungsprojekt des Waldrappteams ist eines der erfolgreichsten und populärsten europäischen Artenschutzprojekte. Noch ist die migrierende Population nicht groß genug, um selbstständig überleben zu können. Die Auswilderung muss in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, damit Waldrappe wieder dauerhaft Teil der europäischen Fauna werden.