26.02.2019, 13:55 Uhr

Erfreuliches und weniger Erfreuliches Spannende Zeiten für Imker ...

Imker Christian Müller freut sich über den Ausgang des Volksbegehrens. Er weiß aber: „Jetzt muss auch entsprechend agiert werden.“ Foto: Obele  (Foto: Privat)Imker Christian Müller freut sich über den Ausgang des Volksbegehrens. Er weiß aber: „Jetzt muss auch entsprechend agiert werden.“ Foto: Obele (Foto: Privat)

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war erfolgreich – aber Stiftung Warentest kritisiert die Honigqualität

LANDKREIS. Christian Müller aus Tann ist Imker aus Leidenschaft. Auf dem zweiten Bildungsweg schloss er 2015 die Berufsausbildung zum Imker mit dem Facharbeiterbrief ab und führt im Nebenerwerb gemeinsam mit Ehefrau Christine die Familienimkerei Müller, die auch den speziellen Burghauser Burghonig produziert.

Das jüngst so erfolgreich verlaufene Volksbegehren hat der „Vollblutimker“ natürlich mit Spannung verfolgt: „Der Ausgang des Volksbegehrens ist ein gutes Signal in die richtige Richtung und ein guter Startschuss, dass sich etwas ändert. Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Zuletzt war eine deutliche Verunsicherung der Bevölkerung zu spüren, ob man mit seiner Unterschrift tatsächlich nur Gutes tut. An einer Veränderung führt aber kein Weg vorbei.“

Christian Müller hegt nun schon die Hoffnung, dass sich für die Lebensbedingungen seiner „summenden Mitarbeiter“ in Zukunft einiges zum Besseren wandelt: „Es wurde ja noch kein neues Gesetz beschlossen. Ich hoffe, dass bei einigen bereits jetzt ein Umdenken stattfindet. Es liegt nun an der Regierung, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der allen Seiten gerecht wird. Eine starke Reduzierung der Umweltgifte, allerdings nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im privaten Bereich, muss dabei ein wesentlicher Bestandteil sein.“ Dabei könne jeder etwas zum „Bienenwohl“ beisteuern: „Schon im eigenen Garten kommt ein durchgehendes Blühangebot, idealerweise aus regionalem Saatgut, allen Insekten zu Gute. Naturbelassene Ecken im Garten schaffen Lebensräume. Man könnte sagen den Garten ein wenig ,unaufgeräumt‘ lassen. Und natürlich die Vermeidung von Umweltgiften, wo immer es geht.“

Hauptsächlich fielen Import-Honige auf

Weniger erfreut kann der Herr über ca. 30 Bienenvölker über eine andere Nachricht dieser Tage sein: Wie die Stiftung Warentest bei der Analyse von 36 Honigsorten festgestellt hat, ist die Qualität der in Deutschland erhältlichen Honige eher mäßig. Kein einziger Honig wurde mit „sehr gut“ bewertet, zehn Produkte erhielten sogar „mangelhaft“. Außerdem, so heißt es von Stiftung Warentest, muss teurer Honig nicht unbedingt besser sein als günstiger. Die beiden einzigen Produkte, die das Testergebnis 2,0 erreicht haben, gibt es im Discounter. Auch deutlich teurere Imkerhonige erzielten kein gutes Ergebnis.

Das kratzt doch sicher am Image des Imkers? „Man muss sich vor Augen führen, dass Deutschland im Honigverzehr ,Weltmeister‘ ist. Jedoch nur 20 Prozent des verzehrten Honigs stammen aus Deutschland, der Rest wird importiert. Bei der Studie fielen hauptsächlich die Import-Honige negativ auf, vor allem durch Schäden wegen Überhitzung. Und immer wieder gibt es Berichte, bei denen solche Honige komplett verfälscht sind. Der Honig aus Deutschland ist oftmals auch ein Spiegel unserer Umwelt. Umweltgifte können ein zusätzliches Problem sein, was oft am Standort der Bienen liegt.“

Besonders Sortenhonige wurden beanstandet. Wie erklärt der Fachimker das? „Sortenhonige müssen überwiegenden Anteil der jeweiligen Sorte aufweisen. Dafür muss Honig von Bienenvölkern geerntet werden, die an solchen Standorten stehen, an denen die jeweilige Sorte gerade blüht. Das Ergebnis kann dann nur durch spezielle Pollenanalyse nachgewiesen werden. Ob das immer korrekt geschieht, scheint nun fraglich.

Ich persönlich begeistere mich mehr für Mischhonige fester Standorte. Bienen sammeln den Honig in einem gewissen Radius um ihren Stock. Mischhonige fangen somit die Vielfalt und den leckeren Geschmack eines regionalen Standortes ein.“

Und wie gehen nun die Imkerei-Vereine mit diesen Ergebnissen um? „In den Vereinen wird bei den Anfängerkursen sehr großer Wert auf die Schulung zur Honigqualität und Hygiene gelegt. Da die Vereine in letzter Zeit wieder größeren Zulauf haben, kann hier eine gute Basis aufgebaut werden. Der Vergleich der Stiftung Warentest spiegelt sicher nicht die Arbeit der Vereine und Qualität des Honigs unserer Region wieder“, ist Christian Müller überzeugt.

Praktische Tipps, wie man guten Honig erkennt

Kann der erfahrene Imker Honig-Liebhabern einige Tipps geben, woran ein guter Honig erkennbar ist? „Wichtig finde ich, seinen Honig vom ,Imker nebenan‘ zu kaufen. Bei einem persönlichen Besuch kann man sich oft selbst ein Bild vom Standort der Bienen, den Umständen der Herstellung und natürlich vom Imker selbst machen. Vorsichtig sollte man auch bei Honigen sein, die über lange Zeit nicht kristallisieren. Hier wurde vermutlich nachgeholfen.

Im Kaufhaus zeigt ein genauerer Blick auf die Herkunft oftmals schon, dass viele der dort angebotenen Bienenhonige nicht regionaler Herkunft sind. Auf dem Etikett findet sich dann der kleine Hinweis ,Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern‘. Honig enthält Pollen, man nimmt somit Pollen aus Regionen zu sich, in denen man selbst noch nie gewesen ist. Durch Kauf beim heimischen Imker kann man dies ausschließen und unterstützt dadurch auch die regionalen Bienenhalter.“


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