10.04.2018, 14:00 Uhr

Tiefe Schneisen wo einst Wege waren Spaziergänger ist schwer entsetzt: Im Kastler Forst schaut´s grausig aus


Für den Naturfreund ist das „Raubbau an der Natur“. Für den Forstbetrieb „oft nicht zu vermeiden“

LANDKREIS. Ein Stammhamer Naturfreund war kürzlich im Kastler Forst unterwegs und konnte kaum fassen, was er zu sehen bekam. Tiefe Schneisen, die den Waldweg fast unpassierbar machten: „Es ist einfach grausig, was sich die Staatsforsten da leisten. Ich glaube nicht, dass ein privater Waldbesitzer so etwas zulassen würde.“

Er hat Fotos von den – seiner Meinung nach gravierenden – Flurschäden gemacht und ans Wochenblatt geschickt. Wir haben eine Auswahl der Fotos der Presseabteilung der Bayerischen Staatsforsten vorgelegt, samt einigen Fragen.

Wegen zurückliegender Stürme seien erhöhte Waldschutzmaßnahmen, u.a. die Borkenkäfervorsorge, nötig. „Deshalb müssen auch im Sommer und bei nicht optimaler Witterung die Rückegassen befahren werden, um Schadholz aus dem Wald zu holen“, antwortet Peter Lackhoff, Forstreferendar.. „Dies entspricht allerdings nicht unseren Standards einer normalen Holzernte, ist im Moment jedoch nicht zu vermeiden. Die auf den Fotos abgebildeten Rückegassen spiegeln nicht den Zustand aller im Staatswald vorhandenen Rückegassen wieder.“ Denn, wie wohl jeder Waldbesitzer weiß: „Grundsätzlich ist es üblich Holzerntemaßnahmen und die dazugehörende Rückung bei Bodenfrost durchzuführen.“ Allerdings gebe es bei unseren Wintern nur noch drei bis fünf Frosttage im Wald.

Die auf den Fotos zu sehenden Rückegassen mit Pfützen könnten auch schon älter sein, merkt der Pressesprecher an. Und: „In Ausnahmesituationen wie Sturm- und Borkenkäferereignissen steht der Forstschutz über dem Bodenschutz. Vom Borkenkäfer befallenes Holz muss zügig aus dem Wald gebracht werden, um eine Massenvermehrung zu vermeiden. Es kann in solchen Fällen nicht immer auf die Witterung und die optimalen Bodenverhältnisse Rücksicht genommen werden.“

Was die vom Sturm geknickten, schräg liegenden Stämme, im Forst betrifft, erklärt Lackhoff: „Sobald von umgeworfenen Bäumen eine Gefahr für Personen ausgeht, werden diese im Bereich der Wege schnellstmöglich entfernt.

Fichten müssen schnellstmöglich aufgearbeitet werden, da sie Brutmaterial für den Borkenkäfer sind. Bei anderen Baumarten bietet umgeworfenes Holz eine sehr gute Möglichkeit Totholz zu erzeugen, das einen sehr hohen ökologischen Wert hat. Aus diesem Grund kann es oft sinnvoll sein, Sturmholz im Wald zu belassen.“

Auf wochenblatt.de/altoetting gibt es weitere Fotos aus dem Kastler Forst. Wie beurteilen die Waldbesitzer unter unseren Lesern das, was darauf zu sehen ist – ist das noch normal oder schon rücksichtsloser Umgang mit unserer Natur?


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