19.08.2020, 14:23 Uhr

Extremsport Florian Zimmermann ist der „Powerman“ aus dem Gäuboden

 Foto: Myriam Wankerl Foto: Myriam Wankerl

Eigentlich wollte Florian Zimmermann den Powerman Zofingen – den aufgrund seiner vielen Höhenmeter härtesten und längsten Duathlon der Welt – Ende September in der Schweiz absolvieren. Jedoch fiel das Event wie beinahe alle Sportveranstaltungen dem Coronavirus zum Opfer.

Salching. Kein Grund jedoch für Zimmermann, seine Pläne einfach fallen zu lassen. Nach intensiven Planungen war eine vergleichbare Strecke in seiner Heimatregion gefunden und so entschloss er sich kurzerhand, am Sonntag, 16. August, den Powerman in seinem Wohnort Salching zu starten. Mit 202 Kilometern Gesamtlänge, bestehend aus zehn Kilometern Laufen, gefolgt von 162 Kilometern Radfahren und nochmals 30 Kilometern Laufen, ist der von Zimmermann veranschlagte Wettkampf sogar nochmals um zwölf Kilometer länger als der Duathlon in Zofingen und kann somit als längster Duathlon der Welt angesehen werden.

Um Punkt 7 Uhr morgens startete Zimmermann in sein persönliches Abenteuer. Bei nebligen, teils bereits sehr schwülem Wetter und einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent wie auch schon in den vergangenen Tagen bewältigte der passionierte Athlet die erste Laufetappe in soliden 38:33 Minuten. Angekommen in der eigens konzipierten Wechselzone, wurde er von seinem Freund und Unterstützer Bernhard Steinberger (Vizeeuropameister Ultracycling) in Empfang genommen, um mit ihm gemeinsam die 162 Kilometer lange Radstrecke zu meistern. Diese teilte sich auf in drei Runden zu jeweils 54 Kilometern Länge. Der Rundkurs erstreckte sich durch den niederbayerischen Gäuboden von Salching nach Aiterhofen über Amselfing und Irlbach, von wo aus er zurück nach Wischlburg, Hankofen und Oberpiebing und schließlich wieder zum Ausgangspunkt führte. Trotz der relativ flachen Strecke waren die Bedingungen nicht unbedingt einfach. Hatte Zimmermann zu Beginn wie bereits auf der Laufstrecke noch mit hartnäckigem Nebel, beschlagener Brille und nasser Fahrbahn zu kämpfen, so machten ihm auf den zwei weiteren Runden die zunehmend stärker werdende Sonneneinstrahlung und aufkommender Wind zu schaffen. Auch der Anstieg von Hankofen nach Oberpiebing, der dreimal bewältigt werden musste, zerrte an den Kräften des jungen Ausdauersportlers. Für Zimmermann, der noch nie in seinem Leben eine so lange Strecke mit dem Zeitfahrrad gefahren war, begann deshalb ab Kilometer 140 ein innerer Kampf. „Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass mir meine Beine nicht mehr gehorchen wollten“, erinnert sich der Athlet. Durch das Motivationsgeschick seines Begleiters Bernhard Steinberger, konnte Zimmermann aber auch diese zweite und längste Etappe erfolgreich beenden und gelangte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h in die Wechselzone. Dort wartete schon sein zweiter Unterstützer Yves Brack (Oberpfalz schnellster Läufer seiner AK) auf ihn, um mit ihm gemeinsam die letzten 30 Laufkilometer zu bewältigen. Zimmermann war nunmehr bereits über sechs Stunden unterwegs und der Asphalt glühte von den mittlerweile 30 Grad auf dem Thermometer. Gleich zu Beginn des Laufkurses galt es einen langgezogenen Anstieg nach Oberpiebing zu meistern. „Meine Oberschenkel fühlten sich nach dem Wechsel vom Rad die ersten Kilometer an wie Beton“, so Zimmermann. Zu den Betonklötzen kam die unerbittliche Hitze und zunehmende Dehydration hinzu. Dennoch verlief es für Zimmermann bis zur Halbmarathongrenze ganz gut. In 1:37 Stunden Durchgangszeit passierte den 21.Kilometer ehe ab Kilometer 23 der Mann mit dem Hammer kam. Schwindelattacken und Luftnot machten sich immer stärker bemerkbar und veranlassten den Sportler immer mehr ans Aufhören zu denken. Durch seinen Laufpartner Yves Brack konnte Zimmermann aber dennoch sein kurzes Tief überwinden und ab Kilometer 27 wieder ein konstantes Tempo erlangen. Völlig erschöpft aber glücklich erreichte er die Ziellinie nach zwei Stunden 23 Laufzeit und einer Gesamtzeit von 8ácht Stunden und fünf Minuten in Salching, wo er von seiner Frau liebend empfangen wurde. „Ich bin so froh, dass mich meine Freunde und Frau unterstützt haben, denn ohne diese wichtigen Menschen in meinem Leben, wäre dieser Wettkampf heute undenkbar gewesen“, weiß Zimmermann.


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