13.09.2020, 11:15 Uhr

Ein besonderer Beruf Eismeister Martin Jaenke „lebt mit dem Eis“ in der Donau-Arena


Die Corona-Pandemie hat auch die Eisbären Regensburg hart getroffen: Die Saison musste früher als geplant beendet werden und es ist immer noch unklar, wann wieder Spiele vor Zuschauern stattfinden können. Auch Inlinehockey wurde diesen Sommer nicht gespielt und Veranstaltungen fanden ebenso nicht statt.

Regensburg. Die Arbeit ging in der Donau-Arena trotzdem nicht aus, es wurden Reparaturen erledigt, gestrichen, gereinigt und Bandenplatten erneuert. All diese Aufgaben übernahmen wie jeden Sommer die Eismeister. Noch vor Corona haben wir uns mit Martin Jaenke, dem dienstältesten Eismeister, getroffen ...

Es ist Donnerstagvormittag. Auf der Eisfläche der Regensburger Donau-Arena herrscht reges Treiben: Es ist öffentlicher Eislauf. Doch dann ertönt eine Durchsage: Alle müssen für kurze Zeit das Eis verlassen, die Eismaschine kommt! Am Steuer sitzt Eismeister Martin Jaenke (53). Er fährt mit der Maschine auf die Eisfläche und beginnt, seine Runde zu drehen. Jaenke ist einer von fünf Eismeistern, die an 363 Tagen im Jahr für die Donau-Arena zuständig sind – an Weihnachten und Silvester haben auch die Eismeister frei. Jaenke ist der Dienstälteste unter ihnen und erklärt, wie das Eis entsteht, was er im Sommer macht und wie er Eismeister geworden ist.

Seit den Anfängen der Donau-Arena 1998/1999 ist Jaenkes zweite Heimat die Eishalle. Vorher war er acht Jahre als Badewärter und an der Kasse der Regensburger Bäder tätig. Er wurde gefragt und nahm damals die neue Herausforderung an. Ein damaliger älterer Kollege hat ihm alles Wichtige rund ums Eis gelernt, den Rest hat er mit den Jahren selbstständig wortwörtlich gemeistert, indem er „mit dem Eis lebt“. Der Begriff Eismeister ist dabei vielleicht etwas irreführend, denn man legt keine Meisterprüfung ab. Mittlerweile gibt es aber eine zertifizierte Fortbildung zur Fachkraft für Eissportanlagen, die mit einer Facharbeit endet und die Jaenke auch abgelegt hat.

Jaenke trägt in der Donau-Arena jede Menge Verantwortung. „So wie die Leute zu uns kommen, so sollen sie auch wieder rausgehen“, lautet seine Devise. Jaenke kümmert sich mit seinen Kollegen auch um Reparaturen – kleinere erledigt er sogar selbst –, um die Sauberkeit in der Halle, um den Um- und Aufbau bei Veranstaltungen oder aber er leistet Erste Hilfe, denn auch für die Aufsicht, zum Beispiel während des öffentlichen Eislaufs, ist er verantwortlich. Und auch im Sommer gibt es mit Konzerten oder Aufgaben wie Rasenmähen und Wartungsarbeiten jede Menge zu tun. Läuft es für die Eisbären in den Playoffs gut, dann ist der Sommer sowieso meist viel zu kurz, denn Mitte Juli startet die Trainingssaison bereits wieder.

Die fünf Eismeister arbeiten in Früh-, Spät- und manchmal auch Nachtschichten. Der Arbeitstag beginnt meist mit einem Kontrollgang, bei dem die Zählerstände, die „Verkehrssicherheit“, die Sauberkeit der Halle und eventuell reparaturbedürftige Bereiche überprüft werden. Zwischen den täglichen Aufgaben muss dann natürlich die Eisfläche vorbereitet werden. Pro Runde, die Jaenke mit einer der beiden Eismaschinen in der Donau-Arena dreht, braucht er circa zehn Minuten. Danach ist das Eis bereit für Training, Spiel oder Lauf. Die Eismaschine darf dabei aus Sicherheitsgründen nur dann aufs Eis fahren, wenn sich dort keine Personen befinden. Denn sie wiegt circa vier Tonnen, die elektrische Maschine sogar fünf Tonnen.

Die Eismaschine arbeitet mit zwei Tanks, von denen der größere circa 800 Liter Warmwasser beinhaltet. Das zwischen 33 und 35 Grad Celsius warme Wasser taut die Oberfläche etwas auf, bevor das Wasser dann gefriert. So entsteht eine glatte Oberfläche. Im zweiten Tank befinden sich circa 200 Liter normales Kaltwasser aus der Leitung. Dieses Kaltwasser kommt noch vor dem Warmwasser zum Einsatz. Es „wäscht“ den Schmutz aus den Rillen, während gleichzeitig etwa drei Millimeter der Eisfläche mit dem zwei Meter langen Messer der Maschine weggehobelt werden. Pro Runde wird so eine Maschine voll „Schnee“ in der Schneegrube „entsorgt“. Nach dem Kaltwasser kommt dann das bereits erwähnte Warmwasser, sodass die Eisstärke konstant 3,5 bis vier Zentimeter dick ist. Am Tag verbraucht der Eismeister mit seiner Maschine übrigens 10.000 Liter Wasser, die Tanks muss er also mehrmals auffüllen. Einmal am Tag, meist abends, schiebt Jaenke den sogenannten Bandenhobel an der Bande entlang. Damit stellt er sicher, dass das Eis am Rand der Eisfläche nicht zu sehr abrundet. Auch ein Seitenbesen an der Maschine beugt dies vor. Per Hebel kann Jaenke den Besen ausfahren.

Bleibt noch die Frage, was Jaenke vor einer Veranstaltung mit dem Eis macht, wenn beispielsweise ein Konzert oder eine Messe bevorstehen. Die Antwort lautet: Mit dem Eis passiert nichts, das bleibt das ganze Jahr über, so wie es ist. Aber Jaenke ist auch für den Umbau zuständig, zusammen mit seinen Kollegen und vielen Helfern, anders gehe es nicht, denn oft müsse der Umbau nachts stattfinden, sodass der Veranstalter gleich morgens mit dem Aufbau beginnen kann. Jaenke erklärt, dass man sich dies so vorstellen müsse, als würde man den Deckel einer Gefriertruhe schließen. Zunächst kommen auf die 1.788 Quadratmeter große Eisfläche Hartschaumplatten als Isolierschicht, auf die wiederum 2,5 Zentimeter dicke Holzplatten gelegt werden und damit ist die Eisschicht geschützt. Und die Veranstalter können die Arena nutzen, bevor die Eisbären wieder trainieren oder der nächste öffentliche Lauf stattfindet.

Der Lauf, der gerade stattfand, ist auch schon wieder zu Ende und für Jaenke geht es direkt schon wieder aufs Eis. Routiniert bügelt er wieder glatt, was die Läuferinnen und Läufer mit ihren Schlittschuhen an Spuren hinterlassen haben und sorgt so dafür, dass das Eis für das nächste Eishockeytraining bereit ist.

Seit Ende Juli ist nun wieder Eis in der Trainingshalle und der Trainingsbetrieb für Vereine ist wieder gestartet. Bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann wieder Normalität einkehrt, man im nächsten Winter wieder zum Eislaufen gehen kann und dass die Eisbären in der (hoffentlich stattfindenden) kommenden Saison viele Siege auf dem Eis der Donau-Arena erspielen können.


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