26.11.2020, 14:54 Uhr

EVL-Boss Ralf Hantschke stinksauer „Hier wird ein ganz schlechtes Zeichen für den Sport gesendet“

 Foto: Christian Fölsner Foto: Christian Fölsner

Corona-Chaos in der DEL2: Der arg dezimierte EV Landshut wettert gegen die Konkurrenten Kassel und Bietigheim sowie gegen DEL2-Geschäftsführer Rudorisch.

Landshut. Mehrere Spieler in häuslicher Quarantäne – dennoch muss der EV Landshut am kommenden Wochenende zu seinen DEL2-Spielen bei den Kassel Huskies (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen die Bietigheim Steelers (Sonntag, 17 Uhr) antreten.

„Trotz einer Empfehlung des Landshuter Gesundheitsamtes, den Spielbetrieb am kommenden Wochenende auszusetzen, haben sowohl die Kassel Huskies, als auch die Bietigheim Steelers eine vom EVL beantragte Spielverlegung abgelehnt“, heißt es in einer Presseerklärung des EVL von Donnerstag (26. November).

Die Steelers hätten dabei vor allem auf die Wichtigkeit der Fortführung des Spielbetriebs in der DEL2 hingewiesen. EVL-Geschäftsführer Ralf Hantschke ist bedient: „Unabhängig von einer Entscheidung der Liga, die eine Verlegung mit einem Verweis auf die Spielordnung abgelehnt hat, wäre es ohne weiteres möglich gewesen, dass sich die beteiligten Clubs im beiderseitigen Einvernehmen auf eine Spielverlegung einigen. Aus unserer Sicht ist es sehr enttäuschend, dass beiden Vereinen gerade in Zeiten einer Pandemie scheinbar nicht daran gelegen ist, dem Infektionsschutz, der sportlichen Wertigkeit unserer Spiele sowie der Chancengleichheit und dem Fairplay-Gedanken in unserem Sport nachzukommen. Hier wird ein ganz schlechtes Zeichen für den Sport gesendet. Eine kurzfristige Verlegung wäre auch terminlich in der aktuellen Situation kein Problem gewesen.“

Für das Spiel am Freitag in Kassel kann der EVL aufgrund von Quarantänemaßnahmen und weiterer Spieler, die grippeähnliche Symptome zeigen, zuletzt aber negativ auf das Coronavirus getestet wurden, nach aktuellem Stand lediglich auf fünf Verteidiger, fünf Stürmer und zwei Torhüter zurückgreifen. Aufgrund des allgemein hohen Infektionsrisikos und den speziellen Risiken im Rahmen einer Auswärtsfahrt, „ist es für den EVL außerdem nicht zu verantworten, die wenigen Förderlizenzspieler der Straubing Tigers am Freitag in Kassel einzusetzen. Ob diese Akteure am Sonntag zum Einsatz kommen, ist noch offen“, heißt es in der EVL-Pressemitteilung.

Auch auf DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch ist Hantschke nicht gut zu sprechen. Die Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA) hatte Rudorisch am Mittwoch wie folgt zitiert: „In Landshut wurden sieben Spieler positiv getestet und von den Behörden in Quarantäne geschickt. Lizenziert wurden vom EVL aber 24 Spieler. Bleiben 17, und deren PCR-Tests waren negativ, sie können also spielen. Außerdem hat der Verein guten Nachwuchs, kann also junge Leute nachmelden.“ Wie viele Spieler beim EV Landshut mit dem Coronavirus infiziert sind, ist unklar. Der Club wollte sich dazu auf Wochenblatt-Nachfrage nicht äußern.

Hantschke zürnt: „Dass die Liga ohne jegliche Rücksprache vermeintliche Zahlen von infizierten Spielern kommuniziert, ist für uns nicht zu tolerieren. Außerdem wird auf unsere hervorragende Nachwuchsarbeit und die Möglichkeit diese Spieler zu lizenzieren verwiesen. Unser Nachwuchs ist aber seit vier Wochen gar nicht mehr im Training. Eine derartig spontane Nachnominierung hätte ein hohes Verletzungsrisiko zur Folge und wäre schlicht verantwortungslos.“ Hantschke weiter: „Es geht uns nicht darum, diese Erkrankungen willkürlich auszunutzen und uns hinter Corona zu verstecken. Die Gesundheit der Spieler und Mitarbeiter aller Vereine muss bei allen Entscheidungen immer an erster Stelle stehen. Aus unserer Sicht wäre eine Verlegung die einzig richtige Entscheidung gewesen. Ein Nicht-Antreten und eine daraus folgende Spielwertung mit 0:5 kam für uns aus Gründen der Solidarität zu den anderen Vereinen, und um dem Image des Eishockeysports nicht nachdrücklich zu schaden, nicht infrage.“

UPDATE (19.30 Uhr): Wie der EVL am Donnerstagabend bekanntgab, ist die für Sonntag angesetzte Partie gegen Bietigheim abgesagt worden. Auch bei den Steelers hat Corona zugeschlagen: „Aufgrund von positiven Covid-19 Fällen innerhalb der Mannschaft, befindet sich das Team nach behördlicher Anordnung, in häuslicher Quarantäne“, heißt es auf der Steelers-Homepage. Der Ersatztermin wurde auf Dienstag, 19. Januar, 19.30 Uhr festgesetzt.


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