19.03.2020, 16:54 Uhr

Corona-Test negativ Laberweintinger Mordprozess hat begonnen – Ehemann aus Notwehr getötet?

 Foto: Ursula Hildebrand Foto: Ursula Hildebrand

Am Donnerstag, 19. März, konnte endlich der zweimal verschobene Auftakt zu einem Mordprozess stattfinden. Die für Montag und Mittwoch angesetzten Termine waren abgesetzt worden, da die Angeklagte in der JVA zu Personen Kontakt hatte, die unter Corona-Verdacht standen. Nachdem die Tests nun negativ ausgefallen waren, konnte der Prozess am Donnerstag starten.

Laberweinting/Regensburg. Zu Prozessbeginn wollte sich die Angeklagte nicht äußern – ihr Anwalt Michael Haizmann ließ nur so viel verlauten: „Die Mandantin nimmt in Anspruch, in Notwehr gehandelt zu haben!“ Am 23. November 2018 soll sie – unter Umständen mit der Hilfe einer weiteren Person – ihren Mann im gemeinsamen Haus in Laberweinting (Landkreis Straubing-Bogen) getötet haben. Der Tote wurde dann am am 25. November 2018 von Spaziergängern an einem Wanderweg bei Nová Pec in Tschechien gefunden – nackt und ohne Zähne. Den fehlenden Zähnen misst das Gericht keine größere Bedeutung bei. Der Vorsitzende Richter Michael Hammer erklärte, dass der Getötete normalerweise eine Zahnprothese getragen habe. In die fehlenden Zähen sei einiges hineininterpretiert worden, ist die Angeklagte doch Zahnärztin ...

Am Donnerstag sagten dann mehrere Mitarbeiterinnen der damaligen Zahnarztpraxis der Angeklagten aus. Sie schilderten die Angeklagte als „faire Chefin“, sie sei „immer gerecht“ gewesen, habe auch bei Problemen geholfen. Im Mai und Juni 2018 sei sie auf Kur gewesen, berichtet eine der Mitarbeiterinnen, die 20 Jahre lang in der Praxis gearbeitet hat. Sie habe beobachtet, dass die Angeklagte sich sehr verändert habe. Aus einer starken selbstbewussten Frau sei eine oft ruhige und manchmal plötzlich völlig euphorische Frau geworden. Sie habe teilweise sehr verwirrt gewirkt und ich an Inhalte von Besprechungen nicht mehr erinnern können. Aus der Kur sei sie „viel klarer“ und mit mehr Selbstbewusstsein zurückgekehrt. Sie habe wieder klare Ziele vor Augen gehabt.

Die Fragen des Gerichtes zielten bei allen Zeuginnen immer wieder auf solche Wesensveränderungen ab. Die Verteidigung wollte immer wieder wissen, ob Verletzungen an der Angeklagten bemerkt worden seien. Dies wurde auch bestätigt, die Zeuginnen hatten diesen Verletzungen aber keine große Bedeutung beigemessen.

Weitere Fragen drehten sich um den Toten, der offenbar auf Facebook den Mitarbeiterinnen der Praxis Freundschaftsanfragen geschickt hatte. Es sei dann zu anzüglichen Bemerkungen gekommen, berichteten die Zeuginnen. Zudem habe er rassistische Dinge gepostet.

Der Prozess wird nach derzeitigem Stand am Montag, 30. März, fortgesetzt.


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