16.03.2020, 10:49 Uhr

Landgericht Regensburg Auftakt im Mordprozess ohne Angeklagte – Coronavirus beeinträchtigt jetzt auch die Justiz

Johannes Büttner, Michael Haizmann und Dr. Annette von Stetten warteten vergeblich auf ihre Mandantin.  Foto: Ursula HildebrandJohannes Büttner, Michael Haizmann und Dr. Annette von Stetten warteten vergeblich auf ihre Mandantin. Foto: Ursula Hildebrand

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie hier dicht machen“, so kommentierte Anwalt Michael Haizmann am Montag, 16. März, die Frage, wie es in einem doch spektakulären Mordprozess weitergehen soll. Angeklagt ist eine Adelige aus Laberweintinbg im Landkreis Straubing-Bogen, die ihren Ehemann umgebracht haben soll. Dabei soll sie auch Hilfe einer weiteren Person gehabt haben. Doch am Montag stand etwas ganz anderes im Mittelpunkt− das Coronavirus.

Regensburg. Schon die Einlasskontrollen am Landgericht Regensburg liefen an diesem Montag anders als gewohnt. Jeder Besucher musste ein Formular ausfüllen und bestätigen, dass er nicht erkrankt ist sowie keinen Kontakt zu erkrankten Personen hatte. Nur wer das bestätigte, durfte auch rein ins Gebäude. Vor Saal 104 warteten dann die Journalisten – und auch die Beamten, die die Angeklagte aus der JVA vorführen sollten. Offenbar gab es da aber Probleme.

Der Vorsitzende Richter Michael Hammer konnte das dann schnell aufklären. Offenbar hatte die Angeklagte in der JVA zu drei Frauen, die während einer Verlegung in eine andere JVA Fieber bekamen. Eine der Frauen hatte angeblich Kontakt zu einer Person, die wiederum Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatte. Das zumindest habe sie angegeben, so Hammer, gesichert sei das aber nicht. Die Frauen werden nun auf den Virus getestet. Das Ergebnis sei aber erst am Montag nach 17 Uhr da. Die Angeklagte selbst könnte mit Mundschutz an der Verhandlung teilnehmen, doch die Verteidiger – Dr. Annette von Stetten, Michael Haizmann und Johannes Büttner – lehnten das ab. Zunächst hatte Haizmann vorgebracht, dass der Prozess komplett ausgesetzt werden sollte, in zwei oder drei Monaten könne man dann vielleicht verhandeln. „Wir haben den Katastrophenfall und die Justiz tut so, als ob Corona das Problem von anderen wäre“, bemängelte Haizmann. Er gab zudem zu bedenken, dass wichtige Zeugen aus Tschechien und England bereits angekündigt hatten, aus Angst vor dem Virus nicht zum Prozess zu erscheinen. Richter Hammer hingegen sah keinen Grund, den Prozess zum jetzigen Zeitpunkt abzusetzen. Man sei gehalten, in Haftsachen zu verhandeln.

Nach einer kurzen Unterbrechung, in der sich die drei Anwälte nochmals beraten hatten, gab Hammer bekannt, dass der Prozess bis Mittwoch, 13.30 Uhr, unterbrochen wird. Bis dahin wisse man, ob die drei Frauen aus der JVA infiziert sind. Sollte das nicht der Fall sein, könnten am Mittwoch die Anklageschrift verlesen und erste Zeugen gehört werden. Sollte eine Infizierung vorliegen, dann müsse zunächst auch die Angeklagt getestet werden. Über das weitere Vorgehen müsse man dann entscheiden.


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