06.11.2019, 14:17 Uhr

Zeugen vor Gericht Komplizierte Lieferkette im Fall „Bayern-Ei“ – woher kamen die Eier?

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Am Mittwoch, 6. November, ging die Detektivarbeit im Fall „Bayern-Ei“ vor dem Landgericht Regensburg weiter. Ein Ermittlungsbeamter und verschiedene Abnehmer der Firma „Bayern-Ei“ sagten als Zeugen vor Gericht aus.

REGENSBURG Als erster Zeuge war ein Ermittlungsbeamter der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Regensburg geladen, der sich mit der Lieferkette der Eier beschäftigt hatte und vor Gericht über seine Arbeitsweise berichtete. Die Quellen seiner Ermittlungen waren unter anderem Lieferscheine und Rechnungen. Daraus ergab sich, dass die Firma „Bayern-Ei“ Eier an die Firma W. verkauft hatte. Diese Firma verkaufte die Eier an einen Obst- und Gemüsehändler H. in Innsbruck weiter, der wiederum hauptsächlich Gastronomie-Betriebe belieferte. So auch die Innsbrucker Sozialen Dienste, die damals „Essen auf Rädern“ in drei Altenheimen angeboten hatten. Auch ein 93-Jähriger soll so eierhaltige Speisen erhalten haben. Der Senior starb am 3. September 2014 an einer Salmonelleninfektion.

Da die Firma H. zum Zeitpunkt der damaligen Ermittlungen bereits insolvent war, hatte der Ermittlungsbeamte nur Kontakt zu einem Insolvenzverwalter. Dieser ließ die Daten der Firma extern auswerten, sodass der Beamte von dieser Quelle nur Excel-Tabellen in Mails zur Verfügung hatte. So ergaben seine Ermittlungen, dass H. zwar drei verschiedene Eierlieferanten hatte, zum fraglichen Zeitpunkt allerdings ausschließlich von der Firma W. beliefert worden war. Dies bestätigte der Mitgesellschafter und damals für Ein- und Verkauf Zuständige der Firma H., der am Mittwoch ebenfalls als Zeuge aussagte. Er erzählte, dass die Innsbrucker Sozialen Dienste ab einem gewissen Zeitpunkt, an den er sich aber nicht mehr erinnern könne, nur noch Eier aus Bodenhaltung wollten, woraufhin er bei W. nachfragte und ihm von dort versichert wurde, nur noch diese zu bekommen.

Als weiterer Zeuge wurde unter anderem der Geschäftsführer der Firma W. befragt, der seit 2011 diese Position innehat. Dieser gab an, damals als Kunde des Angeklagten jeden Donnerstag einen Lkw mit circa 300.000 Eiern von Farmen der Firma „Bayern-Ei“ abgeholt und diese unter anderem an die Firma H. ausgeliefert zu haben. Dabei ging es ihm in erster Linie darum, dass seine Kunden zufrieden waren und dass der Preis stimmte. Da er auch eine Eierfärberei betreibt, kam es gelegentlich auch vor, dass er sogenannte B-Ware – Eier, die nicht mehr zum rohköstlichen Verzehr geeignet sind – abkaufte und unter gewissen Auflagen kochte, färbte und als Brotzeiteier weiterverkaufte. Außerdem erklärte er, bis September 2014 hauptsächlich Eier aus Kleingruppenhaltung verkauft und nur bei fehlender Ware Bodenhaltungseier ergänzt zu haben. Der Verantwortliche der Firma H. aber hatte sich eben hierzu nicht mehr an den genauen Zeitpunkt erinnern können, sodass unklar bleibt, ob die Innsbrucker Sozialen Dienste tatsächlich nur mit Bodenhaltungseiern beliefert worden sind oder nicht.

Eine lückenlose Lieferkette der Eier im Nachhinein zu rekonstruieren, scheint jedenfalls sehr kompliziert – wenn nicht sogar unmöglich. Immer wieder tauchen während Zeugenbefragungen Ungereimtheiten auf, die es zu klären gilt. Am Donnerstag, 7. November, geht der Prozess „Bayern-Ei“ vor dem Landgericht Regensburg weiter.

(Anmerkung der Redaktion: Die vollständigen Namen der Firmen W. und H. sind der Redaktion bekannt und wurden aus rechtlichen Gründen abgekürzt.)


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