27.06.2019, 13:50 Uhr

Mord-Prozess in Regensburg Schwiegervater mit einer Holzschublade erschlagen – Straubinger gesteht zu Prozessbeginn

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf – diesen Spruch kennt man. Und immer wird deutlich, dass er so falsch nicht ist. Das zeigt sich auch seit Donnerstag, 27. Juni, vor dem Landgericht. Ein 39 Jahre alter Straubinger hat hier gestanden, im Streit wegen des Geldes seinen Schwiegervater mit einer Schublade erschlagen zu haben.

REGENSBURG/STRAUBING Im Jahr 2011 hatte der getötete seiner Tochter und deren Ehemann – dem jetzt Angeklagten – rund 20.000 Euro überlassen, um diese vor möglichen Gläubigern in Sicherheit zu bringen. Das Geld wurde angelegt, ein Teilbetrag von rund 10.000 Euro auch schnell zurückbezahlt. Das weitere Geld blieb bei Tochter uns Schwiegersohn – bis der heute 39-Jährige wohl auf die Idee kam, seinen eigenen finanziellen Engpass mit dem Geld des Schwiegervaters auszugleichen. 2016 und 2018 verkaufte er die Wertpapiere. Im Herbst 2018 fragte dann der Schwiegervater ob er Geld bekommen könne, er brauche es für eine Zahnbehandlung, wurde am Donnerstag vor Gericht deutlich. Der Angeklagte berichtete, dass er mit seinem Schwiegervater habe reden wollen – alleine, seine Frau wusste nicht, dass er das Geld für eigene Zwecke verwendet hatte. „Ich habe sie nicht belasten wollen, sie hatte genug Stress, auch mit den Kindern“, so der 39-Jährige. Am 10. Dezember 2018 sei er zum Schwiegervater gefahren, um die Sache zu klären. Dann geschah das, was die Staatsanwaltschaft als Mord wertet.

Nach Schichtende um 14.30 Uhr sei der Montagearbeiter zum Schwiegervater nach Straubing gefahren. Dort habe er ihm erklärt, dass das Geld weg sei, dass er es zum Ausgleich des Familienkontos genutzt habe. Darauf hin sei der Schwiegervater wütend geworden, aufgestanden und auf ihn zugekommen. Nach einigem Hin und Her habe er den 62-Jährigen geschubst, dieser sei mit dem Kopf auf der Eckbank aufgeschlagen. Er soll geäußert haben, der jetzt Angeklagte werde das bereuen und seine Familie nie wieder sehen. Der Angeklagte schilderte, dass er Angst bekam, dass sich alle abwenden, weil er „einen Fehler gemacht“ hatte – damit meinte er, das Geld genommen und niemandem etwas gesagt zu haben. „Jetzt sehe ich, wie weit ich gekommen bin: Meine Frau lässt sich scheiden, ich habe meine Kinder nicht mehr gesehen, meine Arbeit habe ich auch verloren“, so der 39-jährige Straubinger vor Gericht. Letztlich hat der Angeklagte keine wirkliche Erklärung dafür, warum er schlussendlich eine der Schubladen aus der Eckbank zog und mehrfach auf seinen Schwiegervater einschlug. Auf Vorhalt des Gerichtes, er sei seinem Schwiegervater körperlich überlegen gewesen, schilderte er, dass er von der Situation überfordert war und nicht wusste, wie er reagieren sollte. „Ich war noch nie in solch einer Situation.“

Am Tag nach der Tat hatte der 39-Jährige sich zumindest wieder soweit im Griff, dass er zur Wohnung des Toten fuhr, die Schublade und ein Handy holte und zusammen mit der Kleidung, die er bei der Tat getragen hatte, in der Donau versenkte. Bei einer Suchaktion der Polizei wurden Teile der Schublade gefunden. Etwas undurchsichtig blieb am ersten Verhandlungsvormittag die Frage nach einem Zettel, den der Angeklagte aus zeitungsschnipseln gebastelt und neben der Leiche abgelegt hatte.

Makaber: Am 11. Dezember, dem Tag nach der tat, ging der 39-Jährige zusammen mit seiner Frau zum Haus des Schwiegervaters. Es wurde geklingelt, schließlich öffnete man die Tür mit dem Zweitschlüssel und fand den Getöteten.

Am ersten Prozesstag wurden vor allem die Polizeibeamten, die als erstes am Tatort waren, und Kripobeamte zu den Ermittlungen vernommen. Der Prozess wird am Montag, 1. Juli, fortgesetzt, ein Urteil könnte am Donnerstag, 11. Juli, fallen.


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