30.10.2020, 13:58 Uhr

Prozess 54-Jähriger wegen Totschlags an der Ex vor Gericht – Tochter der Geschädigten schildert Beziehung

Der Angeklagte beim Prozessauftakt am Montag, 26. Oktober, auf dem Weg zum Gerichtssaal. Foto: Kathrin LechlDer Angeklagte beim Prozessauftakt am Montag, 26. Oktober, auf dem Weg zum Gerichtssaal. Foto: Kathrin Lechl

Am Freitag, 30. Oktober, wurde am Landgericht Regensburg der Prozess gegen einen 54-jährigen, deutschen Staatsangehörigen aus Nittendorf fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung in Regensburg getötet zu haben. Nun schilderte die Tochter der Geschädigten die Beziehung zwischen ihrer Mutter und dem 54-Jährigen.

Regensburg. Die Tochter der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten erzählte als Zeugin vor Gericht ihren Lebenslauf und den ihrer Mutter. Diese habe seit circa 20 Jahren in Deutschland gelebt, die Tochter sei erst später nachgekommen. Das Verhältnis der beiden beschrieb die Zeugin als sehr gut, sie habe täglich mit ihrer Mutter telefoniert und sie sehr oft gesehen, auch als sie nicht mehr in einer gemeinsamen Wohnung gelebt haben. Im Juli 2019 habe die Mutter den jetzt Angeklagten kennengelernt und dann auch ihrer Tochter vorgestellt. Die Zeugin habe ihn zunächst als „normalen Mann“ empfunden.

Doch eines Tages, als die Geschädigte bei der Tochter zu Besuch war, sei der Angeklagte mit seinem Auto an der Wohnung vorbeigefahren, um seine Lebensgefährtin „zu kontrollieren“, so die Wahrnehmung der Zeugin. Ihre Mutter sei schockiert gewesen, der 54-Jährige habe sich jedoch sehr oft entschuldigt, sodass sie ihm schließlich verziehen habe. Der Angeklagte sei jedoch sehr eifersüchtig gewesen, habe seine Freundin kontrolliert, ihr Handy überprüft und deshalb auch mit der Zeugin gesprochen. „Meine Mama wollte drei Mal mit ihm Schluss machen“, erzählte die Tochter vor Gericht. Die Mutter habe ihr aber erzählt, dass sie Angst davor habe, dies in die Tat umzusetzen. Als sie der Tochter berichtete, dass der Angeklagte sie am Hals gepackt und sie geschlagen habe, habe sie ihrer Mutter geraten, zur Polizei zu gehen. Blaue Flecken habe sie aber nie an ihrer Mutter gesehen, so die Zeugin auf Nachfrage des Gerichts. Die Geschädigte habe den 54-Jährigen später „überall blockiert“, dieser habe die Trennung aber nach Einschätzung der Zeugin nicht akzeptieren wollen. Er habe gesagt, dass die Geschädigte entweder mit ihm zusammen sein solle oder mit niemandem.

Auf die Frage des Richters, wie sich das Leben der Zeugin nach dem Tod der Mutter verändert habe, brach die 27-Jährige in Tränen aus. „Ich wünsche niemandem, so etwas zu erleben“, sagte sie. Sie sei drei oder vier Monate in einem Schockzustand gewesen, habe Beruhigungsmittel genommen und leide bis jetzt unter Schlafstörungen. „Ich träume jeden Tag von Mama“, so die Zeugin, „Ich habe sie geliebt“.

Schließlich sagte noch ein weiterer Zeuge am Freitag aus. Dieser hat den Angeklagten am 4. Dezember 2019 in Arbeitskleidung im Gebüsch entdeckt. Er sei davon ausgegangen, dass der Mann alkoholisiert sei und habe ihm geholfen, jemanden anzurufen, der ihn abholen würde. „Ein normales Gespräch war nicht mehr möglich“, so der Zeuge, der dann schließlich den Notruf abgesetzt hat. Der Prozess wird am Mittwoch, 4. Dezember, fortgesetzt.


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